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23.01.2006

09:59 Uhr

Mittelständler in der Bauindustrie

Wendig in der Nische

VonAxel Granzow

Die Nachfrage sinkt, die Pleitewelle rollt, die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter steigt: Seit Jahren reden alle von der Krise auf dem deutschen Bau. Wirklich alle? Weit gefehlt!

DÜSSELDORF. 75 000 Baufirmen gibt es bundesweit und längst nicht alle gehen nach Einschätzung des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes am Stock. Der Blick auf die Statistik enthüllt sogar, dass ihre Zahl über die Jahre leicht zugenommen hat. Viele Mittelständler in der Bauindustrie sind wendiger geworden und haben einen eigenen Weg und Nischen gefunden, um auf dem schwierigen Markt für Bauleistungen überleben zu können. Zwei Beispiele dafür: die Familienunternehmen Goldbeck aus Bielefeld und Frauenrath aus Heinsberg.

Ortwin Goldbeck, geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens, mag Klagen über die schlechte Auftragslage nicht mehr hören. "Die Bauwirtschaft schreit immer gleich nach dem Staat", schimpft er. Dies sei das Hauptproblem seiner Branche. Viele Unternehmen säßen nur da und warteten auf Aufträge, statt den Markt zu bearbeiten. Nur wenige gingen neue Wege. Manche versuchten, alles anzubieten, vom Tief-, Hoch- bis hin zum Spezialbau. Zusammengewürfelte Konzerne wie die insolvente Walter Bau seien daran zerbrochen.

Goldbecks Rezept lautet anders: "Heute muss ein Bauunternehmer nicht Baumasse, sondern Kundennutzen anbieten", sagt er, dazu komme eine gute Verankerung im Heimatmarkt. Goldbeck hat sich in der Nische positioniert: Die Firma setzt allein auf Wirtschaftsbauten wie Parkhäuser, Verwaltungsgebäude und neuerdings Logistikimmobilien. Für wichtige Produkte hat Goldbeck Marken eingeführt. Abgerundet wird das Geschäft durch Dienstleistungen wie Gebäudemanagement und Zusatzangebote wie Solaranlagen.

1969 als Stahlbauunternehmen mit sieben Mitarbeitern gegründet, hat das Familienunternehmen die Bauleistung seit 1995 gegen den Branchentrend auf rund 500 Mill. Euro mehr als verdoppelt und beschäftigt heute 1 550 Mitarbeiter, davon 1 200 in Deutschland. "Wir peilen mittelfristig 600 Mill. Euro Umsatz und eine Rendite vor Steuern von fünf Prozent an", sagt Goldbeck.

Noch nie in der Unternehmensgeschichte habe das Unternehmen Verluste ausgewiesen, unterstreicht der Seniorchef, dessen drei Söhne bereits in leitenden Positionen im Unternehmen mitarbeiten. Er räumt aber ein, dass das Ergebnisziel zuletzt verfehlt worden sei. Doch nicht die Baukrise sei Schuld, sondern die vor drei Jahren eingeleitete Reorganisation, die Geld koste. Das Unternehmen hat sich eine Holdingstruktur verpasst und baut das Auslandsgeschäft auf, das bereits rund ein Viertel zur Bauleistung beiträgt.

Die Kosten in der Produktion hat Goldbeck stets im Blick: Gebaut werde nach dem Lego-Prinzip in standardisierten Systemen. Viele Elemente werden industriell vorgefertigt, das mache die Fertigung billiger und verkürze Bauzeiten. Kostenbewusstsein ist auch für die Belegschaft kein Fremdwort. Die 40-Stunden-Woche wurde bereits vor drei Jahren bei Goldbeck eingeführt.

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