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23.09.2011

10:54 Uhr

150. Geburtstag des Gründers

Rezepte von Robert Bosch funktionieren immer noch

VonMartin-W. Buchenau

Robert Bosch hat um die Jahrhundertwende einen der ersten Gobal Player Deutschlands aufgebaut. Nach seinen Prinzipien wird der Konzern auch an seinem heutigen 150. Geburtstag geführt – mit erstaunlichem Erfolg.

Robert Bosch ist zur Legende geworden. Robert Bosch GmbH

Robert Bosch ist zur Legende geworden.

Stuttgart„Der Vadder kommt, löscht die unnötigen Lichter aus!“ Wenn Robert Bosch durch seine Werkshallen ging, warnten sich die Mitarbeiter untereinander – ob Stift oder Prokurist. Stromverschwendung war dem Gründer zuwider. Wen er ertappte, der musste sich auf ein Donnerwetter gefasst machen.

Ein Mechaniker aus der Anfangszeit des Unternehmens formulierte es einst so: „Jeder wurde bei seiner Einstellung von Herrn Robert Bosch persönlich auf Leistung und saubere Arbeit geprüft. Murkser und Pfuscher wurden in der Bosch-Werkstätte nicht geduldet.“

Wer vor Boschs Augen bestand, dem vertraute er und gab ihm Freiheiten. Zeitlebens vertrat Bosch die Auffassung, dass unternehmerischer Erfolg auf der Qualität der Produkte und dem Vertrauen zu den Mitarbeitern und den Geschäftspartner basiert.

Großindustrieller mit sozialem Gewissen

In den ersten Jahren lief es nicht gut für die kleine Hinterhof-Firma von Robert Bosch. Heute, 125 Jahre später, ist sein Lebenswerk ein riesiger Technologiekonzern und der weltgrößte Autozulieferer. Der Geist des Gründers ist noch immer allgegenwärtig.

Der Vadder kommt

„Der Vadder kommt, löschet die onötige Lichter aus!“ Mit diesem Satz warnten sich die Bosch-Mitarbeiter gegenseitig, wenn Firmengründer Robert Bosch (1861-1942) einen seiner berüchtigten Kontrollgänge durch die Firma machte.

Keine Verschwendung

Dem „Vadder“ war Verschwendung stets ein Dorn im Auge. Von den Mitarbeitern wurde er Zeit seines Lebens respektiert und gefürchtet zugleich. „Ich glaube, dass er sehr vorausschauend war. Er war innovativ, er hatte ein ausgeprägtes technisches Gespür und genoss hohe Autorität“, berichtet Enkel Christof Bosch. Am 23. September vor 150 Jahren wurde Robert Bosch geboren.

Eine echte Persönlichkeit

„Ich denke, er würde sich heute als Manager schwertun. Insbesondere seine patriarchalische Haltung, die er schon in jungen Jahren entwickelte, würde nicht mehr in die heutige Zeit passen“, sagt der Enkel. „Er war eine sehr starke Persönlichkeit. Er hat sich die Freiheit genommen bei jedem Mitarbeiter jederzeit aufzutauchen und ihn mit Fragen zu konfrontieren.“

Der Grundstein

Vor 125 Jahren, am 15. November 1886, legte Robert Bosch den Grundstein für den heute weltgrößten Autozulieferer. Die Anfangsjahre seiner „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ in einem Stuttgarter Hinterhof waren wenig vielversprechend. Er selbst bezeichnete die Zeit später selbst als „böses Gewürge“.

Schon früh ein Technikfan

Bosch war Technikfan und nutzte mit Begeisterung die neuesten Erfindungen. Schon 1890 fuhr er mit einem modernen englischen Fahrrad zu Kundenbesuchen durch Stuttgart - in Deutschland waren zu dieser Zeit noch Hochräder üblich. Bereits ein Jahr zuvor hatte Bosch einen Telefonanschluss gemietet, um seine Geschäfte voranzutreiben - auch das war damals alles andere als selbstverständlich und sehr teuer.

Der Durchbruch

Den Durchbruch schaffte der in Albeck bei Ulm als elftes von zwölf Kindern geborene Unternehmer erst zum Ende des Jahrhunderts. Auf Kundenwunsch fertigte er einen Magnetzündapparat. 1897 gelang es ihm erstmals, einen solchen Magnetzünder an einen Kraftfahrzeugmotor anzupassen.

Der Aufstieg

In den folgenden Jahren stieg Bosch schnell zu einem international agierenden Konzern auf. An diese Initialzündung für den Erfolg erinnert heute noch der Titel der Mitarbeiterzeitung des weltgrößten Autozulieferers: „Bosch-Zünder“.

Der rote Bosch

Bosch war auch als Arbeitgeber wegweisend, was ihm den Spitznamen „der rote Bosch“ einbrachte. Er führte den Acht-Stunden-Tag in seinen Fabriken ein - natürlich nicht selbstlos. Dies ermöglichte produktiveres arbeiten mit längeren Maschinenlaufzeiten.

Hohe Löhne

Seine Mitarbeiter entlohnte Bosch gut. „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle“, lautete sein Credo. Im Gegenzug verlangte er Professionalität. Aus seinem Hause sollte nur vom „Besten das Beste“ kommen.

Qualität muss überzeugen

„Als couragierter Unternehmer hat Robert Bosch einerseits den Grundstein für ein bedeutendes, immer wieder mit neuen Qualitätsprodukten überzeugendes Unternehmen gelegt“, schreibt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Magazin der Robert Bosch Stiftung. „Andererseits sorgte er, verantwortungsbewusst wie er war, in vorbildlicher Weise für die Mitarbeiter und wurde so zum Wegbereiter sozialer Innovation.“ Auch außerhalb der Firma war er sehr engagiert, die Liste von Stiftungen und Zuwendungen ist lang.

Der Zweite Weltkrieg

Zu den dunklen Zeiten seines Lebens gehörte vor allem der Zweite Weltkrieg. Bosch nahm Rüstungsaufträge des Nazi-Regimes an und beschäftigte Zwangsarbeiter. Im Hintergrund engagierte der Unternehmer sich aber gegen das NS-Regime und unterstützte zum Beispiel mit größeren Geldbeträgen die Ausreise inhaftierter Juden.

Oppositionsarbeit

Um den Unternehmer hatte sich ein Kreis oppositioneller Deutscher gebildet, der „Bosch-Kreis“. Bosch engagierte Carl Friedrich Goerdeler als Berater. Dieser knüpfte auf langen Geschäftsreisen Kontakte zum deutschen Widerstand. Am 12. März 1942 starb Robert Bosch im Alter von 80 Jahren. Sein Begräbnis wurde von den Nationalsozialisten groß inszeniert.

Die Hinterlassenschaft

Seinen Nachfahren hinterließ Robert Bosch den Wunsch, dass die Firma in seinem Sinne weitergeführt wird. Bosch war zwei Mal verheiratet und hatte fünf Kinder. Heute hat die Familie rund 20 Mitglieder. „Es war ihm wichtig, dass das Unternehmen einen Beitrag zum Wohl der Allgemeinheit leistet. Außerdem wollte er, dass die Familie gut versorgt ist und dass diese die Verbindung zum Unternehmen aufrecht erhält“, sagt Christof Bosch.

Tradition bleibt

Daneben sind es noch die kleinen Dinge, die Robert Bosch über die Generationen weitergegeben hat. „Die unnötigen Lichter auszumachen, das war bei uns in der Familie immer noch Tradition. Mein Vater wurde wirklich wütend, wenn wir Licht angelassen haben“, sagt der Enkel. „Ich schimpfe nicht mehr so, aber ich gehe auch durchs Haus und mache die Lichter aus.

1886 gründete Robert Bosch die „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“. Der technikbegeisterte Unternehmer achtete akribisch nicht nur auf Qualität, sondern darauf, dass weder „Kräfte“ noch „Naturschätze“ verschwendet wurden. Schwäbische Sparsamkeit paarte sich mit dem, was heute Nachhaltigkeit genannt wird.

Bosch war eigen, aber nicht ohne Grund. Das Geld musste im Hinterhof des Hauses Rothebühlstraße 75 B in Stuttgart zusammengehalten werden. In der ersten Krise 1892 musste er von 24 Leuten bis auf zwei alle entlassen. Fast wäre sein kleiner Betrieb von der Bildfläche verschwunden. Das saß tief. Er selbst bezeichnete die ersten Jahre, als er fast jede Reparaturarbeit annahm, als „böses Gewürge“.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

23.09.2011, 14:30 Uhr

Das ist ja nun wirklich interessant: da feiern wir heute also den 125. Geburtstag von Robert Bosch. D.h. er wurde 1886 (= 2011 - 125) geboren. Und noch im gleichen Jahr gründete er die „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ - was für ein frühreifes Kerlchen muss er gewesen sein! Womöglich hat er ja schon aus der Gebärmutter heraus alles in die Wege geleitet!?
Da hat also auch damals schon das Motto gegolten: "Wir können alles, außer Hochdeutsch."

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