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25.06.2012

11:02 Uhr

Ab in die Fußstapfen?

Wo der Unternehmersprössling zu sich selbst findet

VonIlka Kopplin

In einer Sommerakademie soll der Nachwuchs dahinter kommen, ob er in die unternehmerischen Fußstapfen seiner Eltern treten will. Auch Berater und Banker haben die Firmenlenker von morgen schon für sich entdeckt.

Bei den Sommerakademien sollen die Sprösslinge von Unternehmern herausfinden, ob sie in die Fußstapfen ihrer Eltern treten wollen. Reuters

Bei den Sommerakademien sollen die Sprösslinge von Unternehmern herausfinden, ob sie in die Fußstapfen ihrer Eltern treten wollen.

DüsseldorfWer in einer Unternehmerfamilie groß wird, wird meist früh mit der Frage konfrontiert: Will ich einmal eine Rolle in der Firma übernehmen? Das ist bei Iris Stolzer und dem elterlichen Sägenhersteller Kasto Maschinenbau nicht anders. Jetzt aber führt ihr Weg erst einmal in den Windkanal für einen simulierten Fallschirmsprung - und der hat mehr mit der Nachfolgedebatte zu tun, als es auf den ersten Blick scheint.

Der Anzug ist bis oben zugezogen, der Helm festgezurrt, die Schutzbrille sitzt. Wenige Sekunden später fliegt sie - waagerecht in der Luft, Beine und Arme von sich gestreckt. Stolzer hat heute ihren "Challenge"-Tag, an dem es besondere Herausforderungen zu meistern gilt. Der ist Teil einer einwöchigen Sommerakademie nur für den Nachwuchs aus Familienunternehmen. "Push your limits" - frei übersetzt "Wachse über dich hinaus" - heißt das Motto dieser "Junior Academy", die die Wirtschaftsprüfung und Beratung Ernst & Young veranstaltet.

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Früher hatten Unternehmer viele Kinder, unter denen meist ein fähiger Nachfolger war. Inzwischen macht sich der demografische Wandel bemerkbar - es gibt weniger Nachwuchs und der Generationswechsel wird zum Risiko.

Genau das sind die Tage für Stolzer - die heute 20-Jährige kann das beurteilen. Dreimal schon war sie dabei, auf der Suche danach, ob sie in die Fußstapfen der Eltern tritt.

Dass Familienunternehmen wie Kasto gerade in Deutschland eine herausragende Bedeutung haben, ist unbestritten: 93 Prozent aller Firmen hierzulande sind in Familienhand. Das Problem: Zwischen 2010 und 2014, so schätzt das Institut für Mittelstandsforschung, müssen jährlich 22000 Nachfolger gefunden werden - oft werden die Kinder den elterlichen Betrieb übernehmen.

Diese Zielgruppe der zukünftigen Unternehmenslenker haben auch Berater, Wirtschaftsprüfer und Banker für sich entdeckt: Abgeschirmt von der Welt, in Sommerakademien, Wochenendseminaren und Vortragsreihen, sollen sich die potenziellen Nachfolger zwischen 16 und 30 Jahren in lockerer Atmosphäre über ihre Zukunft klarwerden - natürlich nur unter ihresgleichen, ein Unternehmerhintergrund ist Pflicht. Für die Anbieter ist das ein lukratives Geschäft: Denn abgesehen von den Teilnahmegebühren, die gerne mal vierstellig sind, sitzen hier die potenziellen Kunden von morgen.

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