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07.01.2008

14:19 Uhr

Afrika

Unlautere Konkurrenz aus China

VonInge Hackenbroch, bfai

Das geballte wirtschaftliche Engagement der Volksrepublik China in Afrika fordert den Westen heraus. Auch deutsche Unternehmen spüren die oft unlautere Konkurrenz und hoffen, dass sich langfristig die bessere Qualität und Unternehmensethik durchsetzen.

NAIROBI. Auf 13 Milliarden US-Dollar (US-Dollar) schätzt die Weltbank die bisher vergebenen Kredite der chinesischen Import-Export-Bank für Infrastrukturprojekte in Afrika. Diese Zahl wächst stetig. Mittlerweile sind Chinesen in fast allen Staaten des afrikanischen Kontinents vertreten. Die Schwerpunkte liegen in den rohstoffreichsten Öl- und Bergbauländern wie Angola, Nigeria, Sudan und Kongo (Dem.). Chinesische Bergbaugesellschaften fördern Kupfer in Sambia, Kobalt im Kongo (Dem.), Gold in Südafrika und Uran in Simbabwe. Über 800 chinesische Unternehmen sind in Afrika aktiv – allein der staatliche Baukonzern mit rund 30 Projekten. Das chinesisch-afrikanische Handelsvolumen ist 2006 um 40 Prozent auf 56 Milliarden US-Dollar gewachsen.

Seine „strategische Partnerschaft“ mit Afrika will Beijing durch weitere hochsubventionierte Finanzhilfen intensivieren: Allein 20 Milliarden US-Dollar versprachen die Chinesen den afrikanischen Regierungsvertretern beim China-Afrika-Gipfel in Beijing 2006. Neben der mächtigen Konkurrenz aus Fernost zu bestehen, gestaltet sich für westliche Unternehmen zunehmend schwierig. Oft bleibt nur der Verzicht die einzige Option. „Wenn die Chinesen anbieten, ziehen wir uns zurück“, sagt Ulli Gürtler, seit vielen Jahren in der Zementanlagenbranche auf dem Kontinent tätig. „Bei Preisdifferenzen von 30 oder 35 Prozent können wir nicht mithalten.“ Nur bei Spezialmaschinen, vor allem im Komponentenbereich, können sich deutsche Produkte noch behaupten – auch als Zulieferer für chinesische Projekte in Afrika. „Aber natürlich zu Knebelverträgen“, gibt Gürtler zu. Sprich: zu Preisen, die eigentlich nicht wirtschaftlich sind.

Die Unzufriedenheit wächst

Allerdings stoßen Chinas Geschäftspraktiken auch in den afrikanischen Ländern zunehmend auf Kritik. So etwa die Neigung, von der Schaufel bis zum Arbeiter alles aus China mitzubringen, ohne Rücksicht auf den dringenden Bedarf an Arbeitsplätzen für die lokale Bevölkerung. Schlechte Qualität ist bislang ein weiterer Schwachpunkt chinesischer Produktion. „Wir setzen dagegen weiter auf Qualität und hoffen, dass der Kunde das nach ein paar Jahren einsieht und zu uns zurückkommt“, sagt Mike Duder, Verkaufsmanager bei D.T. Dobie Nairobi, nach dem Verlust eines staatlichen Großauftrags für Mercedes-Lkw an die chinesische Konkurrenz.

Unmut klingt seit geraumer Zeit aus Angola durch, einem Schwerpunktland der Chinainvestitionen. Zum einen stellt der fehlende Know-how-Transfer die Zukunft von Projekten nach dem Rückzug der Chinesen infrage. Zum anderen mangelt es an Qualität, während die Angolaner großen Wert auf hochwertige Waren und Leistungen aus Europa und den USA legen.

Wirtschaftsexperten setzen darauf, dass sich mittel- und langfristig die westliche Unternehmenskultur und die Vorteile eines nachhaltigen Angebotes im Wettbewerb mit den chinesischen Milliarden behaupten können. Das gilt vor allem für die „nicht monetären“ Bereiche wie Umwelt- und Arbeitsstandards, Technologietransfer, Ausbildung lokaler Fachkräfte oder Qualitätssicherung in der Produktion.

Chinesische Unternehmen in Afrika geraten gerade unter diesen Aspekten immer wieder in die Kritik: Bergbauunfälle wegen Sicherheitsmängeln (Sambia), schlecht abgewickelte Straßenbau- und Flughafenprojekte (Kenia, Angola), Verstöße gegen Mindestlohn- und andere arbeitsrechtliche Vorschriften (Sambia) – um nur einige Beispiele zu nennen. Als westliche Reaktion auf die Macht aus Fernost gilt daher auch die eingeführte Auszeichnung „Badge of Honour“ des International Council on Mining & Metals in London für besondere Leistungen in den Bereichen Umweltstandards und Unternehmensethik in Afrika.

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