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15.02.2016

20:30 Uhr

Alberto Alessi

„Ich habe alle sechs Monate einen Flop“

VonCarina Kontio

Er führt eines der wichtigsten Designunternehmen der Welt: Alberto Alessi, Visionär, Träumer und Winzer. Ein Gespräch über die essenzielle Bedeutung von Fiaskos, einen angefangenen Design-Thriller und ein Metall-Parfüm.

Alberto Alessi, der einst sechs Espressi zum Frühstück trank, strahlt die Ruhe und Gelassenheit des Erfolgreichen aus.

Alberto Alessi in seinem Weinberg

Alberto Alessi, der einst sechs Espressi zum Frühstück trank, strahlt die Ruhe und Gelassenheit des Erfolgreichen aus.

Alberto Alessi blickt mit stahlblauen Augen auf sein Smartphone, als er mit schwarzer Jacke, schwarzen Jeans und nagelneuen futuristisch anmutenden schwarz-grünen Turnschuhen die Lobby des Kölner Maritim betritt. Das Gespräch mit dem 70-Jährigen findet an einem Januarmorgen in einer Ecke des Hotel-Restaurants statt, das noch nicht geöffnet hat. Es zieht und Alessi kramt eine schwarze Fischermütze mit Rollrand aus der Jackentasche heraus und setzt sie sich auf. Während des ganzen Interviews nimmt er sie nicht mehr vom Kopf. Ein Gespräch über Familientraditionen, missratenes Design und die Frage, ob Schönheit die Welt retten kann.

Herr Alessi, stimmt es, dass Sie täglich sechs Espressi zum Frühstück brauchen?
Nicht mehr. Das war früher mal so. Aber woher wissen Sie das?

Nun, das schreiben andere über Sie!
Die meinen wohl die sechs Zitronen, die ich mir jeden Tag gegen Erkältungen auspresse.

Oh, sind Sie krank?
Nein nein, sehen Sie doch, mir geht es prima.

Welche Management-Fehler fatal für Firmen sein können

Fehler eins

Frühwarnsignale, z.B. für Markt- oder technologische Veränderungen, werden nicht wahrgenommen oder sogar aktiv verdrängt.

Fehler zwei

Regulatorische und politische Einflüsse auf die künftige Unternehmensentwicklung werden systematisch unterschätzt.

Fehler drei

Markt- und Kundenveränderungen werden im Vorstand nicht (hinreichend) analysiert und diskutiert.

Fehler vier

Geschäftsmodelle werden nicht kritisch reflektiert.

Fehler fünf

Man hält zu lange an traditionellen (und bislang erfolgreichen) Vorgehensweisen fest.

Fehler sechs

Es mangelt an Mut, gegen die herrschende Meinung zu argumentieren.

Fehler sieben

Bei spürbaren Veränderungen wird zu zögerlich gehandelt, man ergeht sich in Aktionismus und Effekthascherei "auf der Bühne" ohne konkrete Maßnahmen.

Fehler acht

Es fehlt eine klar und überzeugend kommunizierte Veränderungsvision und Strategie.

Quelle

Umfrage unter Partnern von Roland Berger Strategy Partners. Zitiert in „Gute Führung“ von Burkhard Schwenker und Mario Müller-Dofel. Erschienen 2012 bei BrunoMedia Verlag.

Da bin ich beruhigt, fangen wir an. Sie führen eines der wichtigsten Designunternehmen der Welt. Können Sie in drei Sätzen erklären, was Alessi auszeichnet?
Was uns am meisten auszeichnet, ist die Tatsache, dass wir Teil eines Phänomens sind, das als italienische Designfabriken beschrieben wird. Eine Gruppe von vielleicht sechzig Firmen aus der Gegend rund um Milano, die in der Nachkriegszeit gegründet wurden und die schon früh mit den besten Designern der Welt zusammenarbeiteten. Wenn Sie sich heute Klassiker des französischen oder britischen oder brasilianischen Designs anschauen, müssen Sie nur einen Blick in die Kataloge der italienischen Designschmieden werfen und Sie werden sehen, dass wir die absolut beste Qualität im Bereich von High-End-Design präsentieren.

Worauf sind Sie besonders stolz als Familienunternehmer?
Ich, als Familienunternehmer? Woher soll ich wissen, wie es ist ein Unternehmen zu führen, bei der es keine Familie gibt und bei dem man nur der Geschäftsführer ist. Ich war ja schon immer Familienunternehmer. Was ich Ihnen aber sagen kann ist, dass das nicht einfach ist…

Verraten Sie auch, warum nicht?
Nun, auf der einen Seite gibt es die Beziehungen innerhalb der Familie und auf der anderen Seite das Geschäft und beides lässt sich nicht immer gut unter einen Hut bringen. Ich könnte beispielsweise einen Sohn haben, den ich sehr liebe, aber vielleicht ist er am Ende gar nicht der richtige, um meine Firma weiter fort zu führen. Sowas ist schwierig. Aber ich kann mich eigentlich nicht beklagen.

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