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14.10.2015

12:05 Uhr

Aldi und Lidl

Thermomix-Klone mischen den Markt auf

VonClaudia Panster

Der Thermomix bleibt heißbegehrt. Selbst um Billig-Klone von Aldi und Lidl gibt es Handgreiflichkeiten und Bietergefechte auf Ebay. Doch Hersteller Vorwerk muss die Discounter-Konkurrenz wohl nicht fürchten.

Die Küchenmaschine ist nach wie vor heiß begehrt. dpa

Thermomix

Die Küchenmaschine ist nach wie vor heiß begehrt.

DüsseldorfKaum ein Küchengerät ist im Moment so gefragt wie der Thermomix von Vorwerk. So sehr, dass sogar billige Klone jetzt zu überteuerten Preisen verkauft werden. Am vergangenen Donnerstag hatte Aldi eine Alternative zum Original angeboten – die innerhalb von Minuten ausverkauft war. In der Werbung hatte sie den „Alleskönner für Ihre Küche“ groß angekündigt. Bei Lidl war es ähnlich. Statt 1109 Euro bei Vorwerk kostete die Maschine hier nur rund 200 Euro.

Laut Medienberichten kam es in einigen Aldi-Märkten sogar zu Handgreiflichkeiten. Viele schlugen aber offensichtlich nur zu, um die Geräte bei Ebay zu Geld zu machen. Hier bieten sie die „Küchenmaschine mit Kochfunktion“ (Aldi) oder den „Monsieur Cuisine“ (Lidl) teilweise für den doppelten Preis zum Direktkauf an.

Warum Aldi billig ist

Es ging ums Sattwerden

Es ist eine Gretchenfrage: Wie viele Artikel biete ich meinen Kunden an? 1946 ging es um nichts mehr als ums Sattwerden. Die Aldi-Brüder schauten auf ihren Tages- und Wocheneinkauf. Erst im Laufe der Jahre kamen Non-Food-Artikel hinzu – anfangs waren sie verpönt.

Zahl der Artikel

Mit der Zeit pendelte man sich bei 400 Artikeln ein. Inzwischen – in Zeiten der feiner werdenden Nuancen – ist die Zahl auf 900 Artikel gewachsen. Der Stellplatz in den Filialen hat natürliche Grenzen. Zudem ist Produktpflege ein aufwändiges Geschäft.

Das oberste Gebot

Von Beginn an galt bei den Albrechts das Gebot der Warengleichheit: In allen Filialen sollten die Kunden dieselben Produkte finden. Schnell ging es soweit, dass sie es sogar an derselben Stelle fanden.

Die Revolution

Eine echte Revolution war die Einführung von Kühlware in den 70er-Jahren. Sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd gingen Grundsatz-Diskussionen voraus. Entgegen der Behauptungen gab es darüber aber keinen brüderlichen Zwist. Allerdings musste der vorpreschende Karl Überzeugungsarbeit leisten beim abwägenden Theo. Doch die Kühltruhe kam, erst im Kleinformat, dann immer mehr.

Markenartikel? Nein, Danke!

Seit Jahren macht andere Discounter wie Netto (vorher Plus) gute Geschäfte mit Markenartikeln. Aldi hat stets eine Aversion gegen sie gehabt. Auf der anderen Seite taten sich die Hersteller von Markenartikeln anfangs auch sehr schwer, bei einer Billigkette zu listen, als die Aldi galt.

Aldis Problem

Vereinfacht gesagt besteht Aldis größtes Problem darin, die erforderlichen Liefermengen von mehreren Anbietern zu beziehen. Bei vergleichenden Qualitätsstandards heißt es immer wieder: Bedarfsdeckung versus Preis. Gerade zu Ostern und Weihnachten ist es eine Sisyphusarbeit in Planung und Organisation, für ausreichend Waren zu sorgen und sie auf die Filialen zu verteilen.

Harte Gespräche mit Lieferanten

Die Preisfindung in diesem „Wettkampf“ ist das eigentliche Erfolgsrezept Aldis. Als Marktführer, ausgestattet mit dem Hebel der Mengemacht, hat man hier natürlich Vorteile. Dabei bündeln Aldi Nord und Aldi Süd ihre Einkaufsstrategie in vielen Sortimenten. Auf der anderen Seite hat Aldi auch kein Interesse, die Lieferanten so sehr zu schröpfen, dass sie in den Ruin gehen. 

Die große Verlockung

Lieferanten unterliegen leicht der großen Verlockung, mit Aldi so zu verhandeln, dass die eigentlichen Kapazitätsgrenzen überschritten werden. Zwar kann man mit Aldi vermögend werden, aber das Risiko, sich zu sehr abhängig zu machen, ist groß. Denn Aldi streicht durchaus schnell einen Lieferanten. Fachleute raten dazu, maximal 50 Prozent seiner Produkte an Aldi zu verkaufen.

Das Preisdiktat

Die Wettbewerber sind dem Preisdiktat ausgesetzt. In den vergangenen Jahres war gut zu beobachten, was passiert, wenn Aldi die Preise für Alltagsprodukte wie Milch senkte: Die Konkurrenz zog innerhalb weniger Stunden nach. Preisvergleich und Preispolitik sind Tagesaufgaben.

Wie preissensibel ist der Kunde

Doch warum agieren die Discounter eigentlich so nah am „gerechten Preis“? Die Frage ist durchaus berechtigt, denn die Durchschnittskunde ist eigentlich sehr wenig mit den Preisen vertraut. Er stellt seinen Warenkorb den Bedürfnissen und Gepflogenheiten zusammen. Die meisten gehen nicht mit offenen Augen durch die Läden. Angebote werden auch bei Aldi sehr deutlich mit andersfarbigen Schildern gekennzeichnet, damit sie überhaupt auffallen. Umso wichtiger ist also, dauerhaft der Preisführer zu sein – und dieses Image zu pflegen.

Die Nachfrage stockt dennoch nicht. Viele Kunden hatten sich enttäuscht von Aldi gezeigt. Teilweise habe es in den Filialen nur vier oder fünf Geräte gegeben – selbst wer früh anstand, hatte kaum eine Chance. Aldi tröstet halbherzig: Es könne vorkommen, dass ein Produkt unerwartet stark nachgefragt wird, heißt es. Kunden könnten sich für ein Gerät vormerken lassen. Aber: „Wir können nicht versprechen, dass wir genügend Küchenmaschinen organisieren können.“


Bereits in der vergangenen Woche hatten Thermomix-Imitate, die bei Ebay angeboten wurden, für Aufruhr gesorgt. Hier zum Preis von 699 Euro. Es sollte sich um den Original-TM5 handeln, der nun seit einem Jahr auf dem Markt ist. Doch Vorwerk warnte: Das Unternehmen verkauft die Küchenmaschine nur über den Direktvertrieb, bei den Angeboten handelte es sich um Fälschungen.

Wer einen Thermomix kaufen will, kann dies nur über die offizielle Thermomix-Repräsentanten. Selbst in den Vorwerk-Shops können sich Interessenten das Gerät nur anschauen. Erstehen kann das Gerät nur, wer vorher seine Kontaktdaten hinterlassen und eingewilligt hat, dass er auch eine richtige Einführung in das Gerät bekommen möchte. Sonst, so die Sorge von Vorwerk, könne der Thermomix nicht in allen Vorzügen genossen werden und hinterlasse unzufriedene Kunden, die das Gerät nicht regelmäßig nutzen.

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