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03.01.2007

14:24 Uhr

Alternativen zur Kreditfinanzierung

Landwirte leasen Legehennen

VonPeter Köhler

In der Landwirtschaft ist es traditionell zwar üblich, Ackerfläche zu pachten, bei der Technik steht aber immer noch das Besitzdenken im Vordergrund. Deshalb ist das Maschinen-Leasing im Vergleich zu anderen Branchen noch unterrepräsentiert. Mit dem Generationswechsel auf vielen Höfen hält aber mehr betriebswirtschaftliches Denken Einzug.

FRANKFURT. „In der Agrarwirtschaft verzeichnen wir zweistellige Zuwächse im Neugeschäft“, sagt Daniel van Wyk, Geschäftsführer bei Leasconcept in Essen. Die Leasing-Quote schätzen Branchenbeobachter in der Landwirtschaft auf höchstens acht bis neun Prozent, in der übrigen Wirtschaft liegt sie dagegen bei den Mobilien bei etwa 26 Prozent. Dominiert wird das Leasing beweglicher Güter von PKWs und Kombis mit gut 50 Prozent, danach folgen Busse, LKWs und Anhänger mit 14 Prozent. Im technischen Bereich werden in der Landwirtschaft hauptsächlich Traktoren und Mähdrescher geleast, vor allem die Großbetriebe in Nord- und Ostdeutschland greifen vermehrt auf das Leasing als Alternative zum Betriebsmittelkredit oder zur Eigenfinanzierung zurück.

Laut Leasingexperten van Wyk wird aber nicht nur Technik geleast, Kuh-Leasing sei beispielsweise schon seit Jahren in der Schweiz der Renner. Mittlerweile nutzten auch deutsche Landwirte die Möglichkeit, „die Kuh mit der Milch zu bezahlen“ – mit Leasingverträgen von bis zu 60 Monaten Laufzeit. Auch in der Legehennenhaltung sei Leasing seit langem bekannt, so van Wyk. Als „Geringwertiges Wirtschaftsgut“ (GWG) würden die Hennen über zwölf Monate direkt vom Lieferanten geleast. Der Bauer müsse – je nach Produktionsrichtung – monatlich 27 Cents bis 60 Cents pro „geleastes Huhn“ zahlen.

Herstellerunabhängige Gesellschaften wie Leasconcept konkurrieren im Agrarmarkt unter anderem mit den herstellerabhängigen Finanzierungsgesellschaften, darunter Claas Financial Services oder John Deere Credit. Nicht selten beziehen die Leasing-Anbieter auch mögliche Fördermittel wie etwa kommunale Unterstützungen oder Hilfen der KfW und der Landwirtschaftlichen Rentenbank ein.

Leasinggesellschaften haben generell einen ganz anderen Ansatz bei der Kundenbeurteilung als die Banken. Sicherheiten wie ein Aktiendepot, Grundvermögen oder ein unzweifelhafter Bürge stehen für eine Leasinggesellschaft nicht im Vordergrund. Entscheidend ist, dass der Kunde mit dem zur Verfügung gestellten Leasinggut tatsächlich wirtschaftlich erfolgreich ist. Außerdem sollte das Leasingobjekt am Ende der Leasingzeit noch möglichst werthaltig sein.

Mit der Einführung der neuen Eigenkapitalregeln (Basel II) wächst bei den Banken die Bedeutung von relativ schematisierten Rating-Einstufungen für die Kunden. Die Bonitätsnoten entscheiden letztlich, wie kreditwürdig ein Kunde ist. Dagegen sind die Leasinggeber näher am Alltag der Unternehmer, weil sie auch die Restwerte und die Verwertung gebrauchter Maschinen einschätzen müssen. Landwirtschaftliche Betriebe seien in der neuen Rating-Welt teilweise benachteiligt, weil die Banken stark auf Eigenkapital achteten, während Agrarbetriebe naturgemäß ihr Vermögen in Grund und Boden gebunden hätten, sagt Heinz-Peter Jennissen von der LBB Ländliche Betriebsgründungs- und Beratungsgesellschaft mbH in Bonn. Neben dem klassischen Kredit bekomme Leasing daher nicht nur bei Großmaschinen, sondern auch bei „lebendem Anlagevermögen“ eine immer größere Bedeutung, so Jennissen, der als Geschäftsführer der Siwuk Agrargesellschaft mbH einen großen Ackerbaubetrieb im Oderbruch bewirtschaftet.

Leasconcept-Manager van Wyk sieht aber auch in den teilweise hohen Anschaffungspreisen steigende Anreize für den Abschluss von Leasingverträgen. Immerhin koste ein Melkroboter bis zu 140 000 Euro, ein Mähdrescher sogar bis zu 250 000 Euro.

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