Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.09.2012

15:20 Uhr

Anleihemarkt

Mittelständler versuchen wieder ihr Glück

VonChristoph Kapalschinski

Die Kapitalmärkte verbreiten wieder mehr Optimismus, und schon sind auch Mittelständler wieder frohen Mutes. Einige bekannte Marken-Hersteller wollen Anleihen begeben. Für die Firmen bedeutet das große Veränderungen.

Der Spirituosenhersteller Berentzen prüft die Begebung einer Anleihe. picture alliance/dpa

Der Spirituosenhersteller Berentzen prüft die Begebung einer Anleihe.

Hvar-StadtPeter Rentsch hat sich viel vorgenommen. Der Chef des traditionsreichen deutschen Hemdenherstellers Eterna blättert durch eine Broschüre: Jünger sollen die Hemden daherkommen - und gleichzeitig weiter die ältere Kernkundschaft ansprechen. "Unser Ziel ist es, langfristig die begehrteste Hemdenmarke Europas zu werden", sagt der Modemanager, der das Geschäft unter anderem beim spanischen Großkonzern Inditex mit seiner Kette Zara kennengelernt hat. Für sein Ziel braucht er Geld. Mittel zum Zweck: Eterna begibt eine Mittelstandsanleihe. 35 Millionen Euro will Rentsch so einnehmen - bei nur 96,5 Millionen Euro Umsatz.

Seit die Kapitalmärkte freundlicher gestimmt sind, versuchen wieder etliche bekannte Mittelständler, sich Geld über solche Anleihen zu besorgen. Die Meldungen häuften sich in den vergangenen Wochen. Doch eine Anleihe verändert Mittelständler nachhaltig. Ihren Anlegern muten sie oft einiges an Risiko zu.

Finanzierungsquelle

Alternative

Mit Mittelstandsanleihen zapfen Unternehmen den Kapitalmarkt an und machen sich damit unabhängiger von der Kreditfinanzierung.

Börsenbetreiber

Börsen wie Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg-Hannover profitieren von dem Trend, der sich zuletzt durch die Erfolge von Seidensticker und des Recycling-Spezialisten Scholz verstärkt hat. Mit 20 neuen Emissionen wird im Laufe des Jahres gerechnet.

Transparenz

Anleger bemängeln, dass es keine Informationen darüber gibt, ob die Anleihen komplett platziert werden oder nur teilweise. Die Unternehmen sollten damit offener umgehen, heißt es.

Gerd-Oliver Seidensticker etwa hat bereits erfahren, was eine Anleihe bedeutet. "Wir sind jetzt quasi an der Börse", scherzt er. Als der Bielefelder Hemdenfabrikant vor einigen Wochen die Lizenz der US-Marke Arrow übernahm, musste der Mitinhaber erst einmal Stillschweigen bewahren. Schließlich gelten für Firmen mit Anleihe ähnliche Regeln wie für börsennotierte Unternehmen. Seidensticker muss also Anleger gleichzeitig informieren - per offizieller Mitteilung. Auch die Halbjahreszahlen sind jetzt transparenter denn je. Und: Plötzlich braucht das Familienunternehmen eine Wachstumsstory, um die Anleger bei der Stange zu halten. Für Gerd-Oliver Seidensticker sind das eigene Läden: Derzeit lädt er Geschäftspartner zur Eröffnung eines großen neuen Ladens in der Essener Innenstadt ein.

Für die meisten Mittelständler bedeutet das ungewohnte Werben um Anleger einen erheblichen Mehraufwand. Um Investoren zu gewinnen, schalten sie Agenturen ein, die auf Kapitalmarkt-Kommunikation spezialisiert sind. So bereitet etwa gerade der Apfelkorn-Hersteller Berentzen zusammen mit der süddeutschen Agentur Engel & Zimmermann die Märkte darauf vor, dass Berentzen eine Anleihe begeben könnte. Wachstumsstory hier: Berentzen expandiert ins Ausland. Vergangene Woche erst verschickte die Agentur im Auftrag von Berentzen die Meldung, die Brennerei habe in China eine zusätzliche Vertriebspartnerschaft geschlossen. Eigentlich keine große Sache: Der börsennotierte Mittelständler ist schon länger in China aktiv - bislang mit mäßigem Erfolg.

Doch Klappern gehört zum Handwerk: Anleger zu finden ist zentral für die Anleihen, die häufig keine Selbstläufer sind. Etliche Mittelstandsanleihen sind im Laufe des Jahres 2012 von den Ratingagenturen herabgestuft worden - das macht die Anleger nervös. Der Anlagenbauer Biogas Nord etwa musste im August die Begabe einer Anleihe über zehn Millionen Euro verschieben. Mit dem Windkraft-Anlagenbauer SIAG Schaaf kennt der Mittelstandsanleihen-Markt seit März dieses Jahres den ersten Pleitier. Anleger-Blätter wie die "Fuchsbriefe" warnen bereits vor Mittelstandsanleihen als Hochrisikoanlage - vergleichbar mit Junk-Bonds.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×