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12.01.2013

16:15 Uhr

Arbeitsbedingungen

Asiatische Nähereien unter der Lupe

Die schrecklichen Arbeitsbedingungen in asiatischen Fabriken sorgen mehr und mehr für Aufregung. Jetzt arbeiten Mittelständler an einer Verbesserung der Lage. Unabhängige Organisationen überprüfen die Betriebe.

Näherei in Bangladesch: Nur China exportiert mehr Textilien. dpa

Näherei in Bangladesch: Nur China exportiert mehr Textilien.

Stuttgart / München / DüsseldorfEs waren schreckliche Bilder, die auf der ganzen Welt für Entsetzen sorgten: Ende November verbrannten mehr als 100 Arbeiter in einer Textilfabrik in Bangladesch, die für westliche Modeketten Kleidung fertigte. Seither stehen nicht nur die Lieferanten in Fernost in der Kritik, sondern auch die westlichen Kunden asiatischer Textilfabrikanten. Und das sind nicht nur Billiglabel. Fast alle Markenhersteller lassen in Asien fertigen. Mark Bezner lässt sich von der Kritik nicht abhalten. Die Klagen der Überlebenden klangen den TV-Zuschauern noch in den Ohren, da schloss der Chef des schwäbischen Hemdenherstellers Olymp eine Produktionskooperation mit einem neuen Partner in Bangladesch.

Mark Bezner wusste, was für ihn auf dem Spiel stand - und suchte seinen Partner sorgfältig aus. Infrage kamen nur Hersteller, die sich von externen Prüfern begutachten lassen und ein entsprechendes Zertifikat vorweisen können.

So erfüllt der neue Olymp-Partner die internationale Umweltmanagement-Norm und nimmt an der Global Reporting Initiative (GRI) teil. Die von den UN finanzierte Non-Profit-Organisation erstellt einen Bericht, für den sie 120 Indikatoren für Nachhaltigkeit auswertete - darunter Einhaltung der Menschenrechte, Arbeitspraktiken, soziale und ökologische Leistung.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Zudem unterstützt das Unternehmen den United Nations Global Compact, die freiwillige Verpflichtung von bislang 7 000 Unternehmen zur nachhaltigen unternehmerischen Verantwortung und Corporate Social Responsibility. "Unser Partner hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2015 der beste Arbeitgeber von Bangladesch zu werden", sagt Bezner. Die Firma mit dem Namen Viyellatex schüttet fünf Prozent des Gewinns an die Mitarbeiter aus und gibt jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht heraus.

"Es ist in der Verantwortung des Auftraggebers, mit wem er zusammenarbeitet", betont Bezner. Der Unternehmer besucht jeden Partnerbetrieb meist mehrmals im Jahr. Er kauft Stoffe und Garne selbst ein und hat direkten Zugriff auf die Produktion. Der neue Partner in Bangladesch soll künftig 15 bis 20 Prozent der Olymp-Produktion von jährlich zehn Millionen Hemden herstellen.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

12.01.2013, 23:07 Uhr

Die Sucht ausserhalb Europas zu fertigen - insbesondere in der Textilindustrie - ist erschreckenderweise unbemerkt an Politikern vorbei gegangen, welche sich noch brüsten, die unselige "Globalisierung" zu fördern.

Noch vor 10 Jahren hat man z.B. in Rumänien massenweise Textilien for die EU, insbesondere für italienische Firmen gefertigt. Da kostete für die italienische Firma eine gut gemachte Jeans ca. 2 Euro. Die Waren wurden dann in Italien gewaschen und als italiensiche Produkte der besseren Kategorie in der EU vetrieben, wobei ein sehr guter Profit wartete bei einem ca. Verkaufspreis von 80 - 100 Euro.
Die letzte Welle der Auslagerungen ist wieder eine Ohrfeige ins Gesicht der Menschen in der EU. Allein wegen der Profitmaximerung geht man nach Asien, und man erfreut sich riesiger Gewinne dank Merkels Initiative der Zollsenkung für Importe aus Asien. Nein, es geht nicht um die Konkurrenzfähigkeit bei Auslagerungen, sondern nur um vielfach höhere Gewinne als die Rumänen sie erlauben würden. In Rumänien sind inzwischen die Mindestlöhne 3 mal so hoch wie in den einschlägigen asiatischen Staaten, wo Löhne gezahlt werden, von denen nicht mal eine Mini Familie unter einfachsten Bedingungen satt werden kann. Wann endlich nehmen sich die EU Führer dieser Probleme an, die ihnen natürlich von der Industrie verschwiegen werden?

ottohuebner

13.01.2013, 00:45 Uhr

selten soviel schwachsinn gelesen. woher beziehen sie denn ihre weisheiten. niemand geht wegen des profits nach asien, sondern um konkurrenzfaehig zu bleiben.

und wenn du fuer ein hemd 150 euro bezahlen willst, dann kann man das auch in europe fertigen.

Account gelöscht!

17.01.2013, 21:14 Uhr

Wir waren hier in der DDR bis 1989/90 auch Billiglohnland für die BRD, ca 30%der Konsumgüter kamen aus der Produktion vom Territorium der DDR mit westlichem Knowhow überwiegend erstellte Produktionslinien, aber auch mit unserer DDR-Technik.
Jedenfalls erfrolgten vorab Geschäftskontakte mit westlichen Auftraggebern und anschließender Montagehilfe.

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