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08.06.2012

10:15 Uhr

Aufwärtstrend

Zahl der Freiberufler auf Rekordhoch

VonThomas Sigmund

Selbstständige Anwälte, Steuerberater, Ärzte und Architekten erwirtschafteten vergangenes Jahr mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Zahl steigt. Wenigstens dieser Aufwärtstrend ist ungebrochen.

Immer mehr Ärzte, Steuerberater und Anwälte machen sich selbstständig. Die freien Berufe werden als Arbeitgeber immer wichtiger. dapd

Immer mehr Ärzte, Steuerberater und Anwälte machen sich selbstständig. Die freien Berufe werden als Arbeitgeber immer wichtiger.

BerlinDie Zahl der Freiberufler in Deutschland steigt auf ein neues Allzeithoch. Nachdem zu Beginn des vergangenen Jahres die Marke von einer Million bereits überschritten worden war, weisen die jüngsten Zahlen erneut ein Plus von 4,3 Prozent auf rund 1,2 Millionen Freiberufler aus. Das geht aus der aktuellen Statistik des Bundesverbands der Freien Berufe (BFB) hervor, die am Montag offiziell vorgestellt wird und die dem Handelsblatt vorliegt.

"Offenbar haben auch die krisenhaften Erscheinungen auf den Finanzmärkten und in der Wirtschaft die Nachfrage nach Vertrauensdienstleistungen stimuliert", sagte BFB-Präsident Rolf Koschorrek auf Nachfrage. Die selbstständigen Anwälte, Steuerberater, Ärzte und Architekten hatten zuletzt 2011 zusammen mit ihren Beschäftigten mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet.

Der Trend einer wachsenden Zahl von Freiberuflern ist seit Jahren ungebrochen. Dabei zeigt sich: In den klassischen Berufen wie der Anwaltschaft, Wirtschaftsprüfern oder Steuerberatern klettern die Zahlen nach wie vor umgebremst weiter. Am stärksten wachsen derzeit die freien Heilberufe.

Zudem werden laut Statistik die freien Berufe als Arbeitgeber immer wichtiger. Die Zahl der Beschäftigten - ohne Auszubildende - stieg um drei Prozent, auf 2,78 Millionen. Die Zahl der Auszubildenden sank dagegen leicht von rund 128 000 auf 125 000. Insgesamt waren damit mehr als 4,3 Millionen Personen in diesem Bereich beschäftigt.

Diese Entwicklung könnte bald aber an ihre Grenzen stoßen. Um dies zu verhindern, muss nach Ansicht des Verbands der Fachkräftemangel behoben werden. "Besonders für freie Berufe muss es leichter werden, sich im Ausland nach Mitarbeitern umzusehen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die direkt zusammenkommen wollen, brauchen unbürokratische und direkte Unterstützung", forderte BFB-Präsident Koschorrek. Den Arbeitnehmern seien Mobilitäts- und Eingliederungshilfen anzubieten, etwa in Form eines Darlehens von bis zu 25 000 Euro. Damit sollten Sprachkurse und Umzugskosten abgemildert werden, sagte Koschorrek.

Die insgesamt positive Entwicklung führt nicht automatisch dazu, dass neue Arbeitsplätze entstehen. Dazu nötig seien auch neue Geschäftsfelder. Diese könnten zum Beispiel mit einer beschleunigten Energiewende entstehen. "Ob technisch, bauplanerisch, verfahrenstechnisch, beratend oder auch rechtlich, die freien Berufe werden ihrer besonderen Verantwortung auch in puncto Energieeinsparung und Energieträger durch ihre hochqualitative Leistung nachkommen", versicherte Koschorrek.

Zudem muss nach Angaben des Verbands so früh wie möglich ein positives Bild von Selbstständigen und Unternehmern gezeichnet werden. "Spätestens in der Schule muss der Nachwuchs vorurteilsfrei mit der Möglichkeit vertraut gemacht werden, dass er sein Geld nicht nur als Beschäftigter, sondern auch als Freiberufler, Selbstständiger oder Unternehmer verdienen kann", heißt es weiter in einem Positionspapier des BFB. Existenzgründungen seien für eine dynamische Wirtschaftsentwicklung schließlich "unverzichtbar."

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

08.06.2012, 10:31 Uhr

Absoluter Schwachsinn, die gut ausgebildeten und gut verdienenden Selbständigen sitzen längst in der Schweiz und England. Die Selbständigenberufe die bei uns zunehmen sind Regaleinräumer, Zeitungsausträger, Packler, Gartenarbeiter,etc. Bei uns wird doch selbst die Krankenschwester schon in die Selbständigkeit gedrängt, dami ja in allen Wirtschaftsfeldern 30% Rendite erwirtschaftet wird. Und noch was zu unseren ausländischen Fachkräften, die müßten schon selten dämlich sein hier bei uns für Stundenlöhne zu 5.- Euro abzüglich allem zu arbeiten.

Ameise

08.06.2012, 10:35 Uhr

Wenn jemand vor mir steht und den wenig schmeichelhaften Eindruck erweckt, er könne kaum seinen eigenen Namen schreiben und meine Nachfrage zur Berufstätigkeit mit "Freiberufler" beantwortet, dann weiß ich spätestens dann, dass ich es mit einem Hartzer zu tun habe und suche schnellstens das Weite...

muunoy

08.06.2012, 10:37 Uhr

Warum wird denn nun auch schon in diesem Zusammenhang die Mär vom Fachkräftemangel verbreitet? Diese Propaganda, die lediglich dem Lohndumping dienen soll, wird langsam unerträglich. Ich bin selbst Freiberufler, allerdings im IT-Bereich. Fachkräftemangel ist kein Problem. Problematisch ist die extrem hohe Besteuerung, völlig undurchsichtige Steuergesetzgebung und Schikane durch Behörden. Außerdem ist man als Selbständiger ganz besonders den Neidreflexen unserer sozialistischer Politiker ausgesetzt. Hierzu sei nur an die geplante Rentenversicherungspflicht und Gewerbesteuerpflicht erinnert. Kommt beides, bleibe ich auch hier in Fernost, wo ich gerade meine Steuern verdiene.

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