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05.07.2017

14:50 Uhr

Axel Bree

Mit Handtaschen aus Autoreifen auf Kundenfang

VonGeorg Weishaupt

Axel Bree schreckt auch vor exotischen Kooperationen nicht zurück: Der Chef des Taschenherstellers Bree arbeitet mit dem Reifenhersteller Continental zusammen. Sein Ziel: eine robuste Handtasche für modebewusste Kunden.

Das Familienunternehmen aus Isernhagen bei Hannover hat eine Reihe von Eigentümerwechseln hinter sich. PR

Boutique von Bree

Das Familienunternehmen aus Isernhagen bei Hannover hat eine Reihe von Eigentümerwechseln hinter sich.

BerlinAxel Bree ist kein Theoretiker. Der Chef des gleichnamigen Taschenherstellers aus Isernhagen bei Hannover probiert neue Produkte lieber selbst aus, bevor er sie verkauft. „Ich habe die große Tasche Punch Pro, die wir ab August verkaufen, selbst drei Monate getestet“, erzählt er bei einem Kaffee während der Fashion Week in Berlin.

Die Tasche, die zuerst von Inline-Kurieren in Hamburg erprobt wurde, ist aus einem neuen hautfreundlichen, strapazierfähigen Kunststoffmaterial. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Autoreifen-Hersteller Continental in Hannover. Sie ist robuster und leichter als die bisherigen Kunststoff-Taschen. Bei ihnen kommen LKW-Planen zum Einsatz.

Doch von der Kooperation mit Continental verspricht sich der Bree-Chef noch mehr: „Der Konzern entwickelt auch biologisch abbaubares Material, das wir künftig verwenden wollen.“

Bree hat es nicht leicht im Handtaschen-Markt. Er muss gegen große Marken wie Longchamp aus Paris und Furla aus Italien antreten. Deren Umsätze übersteigen den 50-Millionen-Jahreserlös von Bree um das Zehnfache. Außerdem verkaufen alle großen Modemarken und Modeketten eigene Handtaschen.

Das Unternehmen hat einen starken Umbruch hinter sich. Die 1970 von Renate und Wolf Peter Bree in Isernhagen bei Hannover gegründete Firma wird 2001 erschüttert, als der Vater überraschend stirbt und die Söhne Axel und Philipp Bree einspringen müssen. Einen weiteren Bruch gibt es 2012: Junior-Chef Philipp Bree steigt aus, um sich auf sein eigenes Edel-Label PB0110 zu konzentrieren. Seinen 50-Prozent-Anteil verkauft er an die beiden Unternehmer Klaus Schmidt (Ex-Dekra-Chef), Peter Wolf (Ex-Karstadt-Chef). und ein namentlich nicht bekanntes Family Office. Bruder Axel Bree bleibt als geschäftsführender Gesellschafter weiter im Amt.

Im vergangenen Jahr folgt ein weiterer Eigentümerwechsel: Die Investoren Wolf und Schmidt steigen aus – nun hält das Family Office die Mehrheit an Bree, Geschäftsführer Axel Bree hält eine Minderheit.

Zeitgleich treibt er den Umbruch im Sortiment voran: Er verkleinert das Sortiment, schließt Läden, modernisiert die Kollektion. Von den hochgesteckten Zielen, bis 2019 den Umsatz auf 100 Millionen Euro zu verdoppeln, muss sich der Firmenchef verabschieden: "Wir wollen lieber in kleineren Schritten und nachhaltig wachsen", gibt sich Bree heute bescheidener als vor drei Jahren.

Die Messen der Berlin Fashion Week

Eine Woche für die Mode

Die Berlin Fashion Week ist die Klammer für rund ein Dutzend Modemessen und zahlreiche Veranstaltungen mit etablierten und jungen Designern.

Panorama

Die Schau auf dem Berliner Messegelände wächst von Jahr zu Jahr und zeigt die sogenannte Mainstream-Mode von Bugatti bis Gerry Weber.

Premium

Auf der Veranstaltung der Berliner Messekönigin Anita Tillmann in einem ehemaligen Postgüterbahnhof am Gleisdreieck in Kreuzberg tummeln sich vor allem hochwertigere deutsche und internationale Marken.

Seek und Bright

Auf den beiden Schauen auf dem Arena-Gelände an der Spree zeigen die Aussteller vor allem trendige Freizeitkleidung.

Greenshowroom und Ethical Fashion Show

Die beiden Messen für grüne Mode waren bislang auf einem alten Postbahnhof im Osten Berlins statt. Inzwischen locken die beiden Messen für nachhaltige Mode aber immer mehr Aussteller und Besucher an. Jetzt sind sie in ein altes Funkhaus umgezogen.

Die Investitionen wie in einen neuen eigenen Laden in Wien sind teuer. Auch deshalb schrieb Bree in den beiden vergangenen Jahren rote Zahlen. Im nächsten Jahr will er aber mit den knapp 200 Mitarbeitern die Gewinnschwelle „und 2019 schwarze Zahlen erreichen“.

Dazu soll auch die Lederkollektion beitragen. Der Umsatz mit hochpreisigen Naturleder-Taschen wächst zweistellig. Denn trotz oder wegen der vielen Billigangebote im Taschenmarkt „spielt in der Mode die Echtheit, Qualität und Authentizität eine immer größere Rolle“, beobachtet der 49-Jährige. Für Bree eine Chance, sich von der Konkurrenz abzuheben: Er will künftig verstärkt damit werben, dass Bree bei der Produktion des Leders nachhaltig arbeitet.

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