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26.12.2011

16:34 Uhr

Badischer Tunnelbauer

Herrenknecht fordert Soli reicher Griechen

ExklusivDer Chef des Tunnelbauers Herrenknecht hält die EU-Hilfen für Griechenland für zwecklos. Das Land benötige eine Art Solidarzuschlag der reichen Griechen. Indes sei für die Energiewende die Geothermie ein Schlüsse.

Martin Herrenknecht, Vorstandschef der Herrenknecht AG. PR

Martin Herrenknecht, Vorstandschef der Herrenknecht AG.

StuttgartMartin Herrenknecht, Chef des gleichnamigen Weltmarktführers im Tunnelbau, sieht wenig Chancen, dass die Griechenland-Hilfen fruchten. „Solange es in Griechenland kein funktionierendes Finanz- und Steuersystem gibt, sind die Hilfen zwecklos. Ein Fass ohne Boden“, sagt Herrenknecht im Interview mit dem Handelsblatt. Der Unternehmer hat in Athen einen Teil der U-Bahn-Tunnel gebaut.

Eine ganz kleine Oberschicht profitiere und schaffe ihr Vermögen ins Ausland. Europa hätte sich die Finanzspritzen sparen können. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis noch mehr Milliarden nötig sind. Herrenknecht fordert die Griechen zu mehr Selbstinitiative auf: „Als erstes brauchen wir einen Beitrag der reichen Griechen, eine Art Solidarzuschlag.“ Rund 200 Milliarden Euro auf Schweizer Konten stammten aus Griechenland, meist aus der Oberschicht. Das sei zum größten Teil nicht versteuertes Geld. Davon müssten die Griechen mindestens 25 Prozent als Solidarbeitrag für ihr Land zusteuern. Das wären 50 Milliarden Euro, mit denen die Leistungsfähigkeit des Landes gestärkt würde.

Zudem fordert Herrenknecht den Aufbau eines soliden Finanz- und Steuersystems nicht nur in Griechenland, sondern für auch einheitlich für alle Euro-Länder. „Es ist doch offensichtlich, dass genau die Länder ein Schuldenproblem haben, die nicht nur über ihre Verhältnisse leben, sondern bei denen auch nicht vernünftig Steuern bezahlt werden“, betont Herrenknecht. Es sei nicht einzusehen dass der Rest der Gemeinschaft dafür bezahlt. „Wenn Europa das nicht in den Griff bekommt, kann man den Euro vergessen“, befürchtet Herrenknecht.

Der badische Unternehmer hat in einer Generation aus seinem Ingenieurbüro den Weltmarktführer im maschinellen Tunnelbau mit 4000 Beschäftigten und einer Milliarde Umsatz aufgebaut. In der Geothermie sieht Herrenknecht den Schlüssel für die Energiewende. „Ich bin immer überzeugt, dass die Geothermie sich durchsetzen wird. In 20 Jahren wird 20 Prozent der Wärme durch Geothermie erzeugt werden“, sagt Herrenknecht.

Erdwärme könne sowohl zur Stromerzeugung als auch zum Heizen und Kühlen eingesetzt werden und sei wegen der permanenten Verfügbarkeit anders als Sonnen- und Windenergie grundlastfähig. Bislang fehle aber eine systematische Förderung. „Es geht um Chancengleichheit gegenüber den anderen regenerativen Energien, und da ist ein gewaltiges Missverhältnis. In den nächsten zehn Jahren bräuchte die Geothermie jährlich mehrere 100 Millionen Euro Fördermittel“, sagt Herrenknecht. Die Risiken hält der Tunnelbauer für „absolut beherrschbar“, wenn fachmännisch gebohrt würde.

Von

mwb

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