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14.11.2011

10:00 Uhr

Balanced Scorecard

Den Blick in die Zukunft gerichtet

VonAnke Brillen

Zwar bringt die Balanced Scorecard zahlreiche Vorteile mit sich, doch setzen die Mittelständler nur sehr zögerlich auf die systematische Zukunftsplanung. Viele fürchten einen Machtverlust - zu Unrecht.

Der Einsatz der Balanced Scorecard bringt Mittelständlern entscheidende Vorteile - auch beim Beantragen neuer Kredite. dpa

Der Einsatz der Balanced Scorecard bringt Mittelständlern entscheidende Vorteile - auch beim Beantragen neuer Kredite.

WertherVolker Kirschbaum kommt viel herum in mittelständischen Unternehmen. Der Strategieberater tourt durch ganz Deutschland, besucht die verschiedensten Branchen, analysiert Umsätze und sucht nach Strategien. Letztere meistens vergeblich: „Geführt wird oft sehr sprunghaft, anstatt sich systematisch an Zahlen, Daten und Fakten auszurichten“, findet er. Wenn er dann die Rede auf die Balanced Scorecard (BSC) bringt, muss er erst recht Überzeugungsarbeit leisten. Dabei lohnt sich eine BSC auch für Firmen mit weniger als 500 Mitarbeitern und kann das Rating verbessern.

Kirschbaum zählt seit Jahren landauf, landab die Vorteile einer BSC auf. Seine Mission ist es, die Praxis der einseitigen Finanz- und Vergangenheitsorientierung von Kennzahlsystemen zu beenden. Zu den vergangenheitsorientierten Ergebniskennzahlen sollen ergänzend zukunftsorientierte Indikatoren und Leistungstreiber hinzukommen, mit denen die Entwicklung des Unternehmens besser gesteuert werden kann. Die BSC bildet die Strategie durch Kennzahlen ab und macht den Strategiefortschritt somit messbar. Ihre Erarbeitung kostet zwar Zeit und Engagement neben dem Tagesgeschäft, aber verbessert am Ende die Performance des Unternehmens deutlich.

Doch nur wenige Mittelständler ziehen dieses Instrument überhaupt in Erwägung - und noch weniger realisieren sie dann auch. „Das sind zum einen Firmen, denen die Bank sonst die Kredite streichen würde und die BSC zur Auflage gemacht hat“, so Kirschbaum. „Zum anderen Betriebe, die genau wissen, dass sie mit der BSC ein Ass im Ärmel haben.“

Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen Wurst Stahlbau GmbH in Bersenbrück. Die Gesellschaft führte BSC ohne akute Not ein. Ziele: Führungsstruktur stärken und Umsatzrendite steigern. Das Unternehmen wird seit 2007 mittels Balanced Scorecard geführt und hat seitdem alle Kennzahlen - von der Mitarbeiterfluktuation bis zur Umsatzrendite - verbessert. Zur Freude der kreditgebenden Banken, die sich nun nicht mehr nur ein Bild von der Vergangenheit, sondern auch von der Zukunft der kapitalintensiven Geschäfte machen können. „Beim Jahresgespräch liegt die Gewichtung zu 25 Prozent auf der Vorjahresbilanz und zu 75 Prozent auf strategischen Zahlen“, sagt Geschäftsführer Thomas Wurst. Dank BSC bewegte sich sein Unternehmen auf der Ratingskala der Sparkasse vom Mittelfeld bis ganz nach oben.

Laut Expertenschätzungen machen gerade einmal 16 Prozent der mittelständischen Unternehmen von der BSC Gebrauch. Fast zwei Drittel der Unternehmen, die sich mit der Einführung einer BSC beschäftigen, scheitern laut einer Studie von Dr. Wieselhuber & Partner schon an der eindeutigen Formulierung strategischer Ziele. Und am Widerstand der Geschäftsleitung - denn kleine und mittlere Unternehmen (KMU) befinden sich zu 95 Prozent in der Hand von Familien und die wollen sich oft „weder von Mitarbeitern noch von Banken in die Karten schauen lassen, obwohl nach Basel III Betriebe eine langfristige Strategie haben sollten“, sagt Kirschbaum. Doch viele nähmen eher höhere Kreditkosten in Kauf, als ihre Mitarbeiter an der Strategiefindung zu beteiligen.

Bei Wurst Stahlbau werden die Führungskräfte systematisch an der Entwicklung der strategischen Ziele und Maßnahmen im Rahmen von Workshops einbezogen. Dabei werden Zielgrößen wie Eigenkapitalquote und Umsatzrendite offen kommuniziert. „BSC bedeutet auch eine Dezentralisierung von Verantwortung, damit Führungskräfte und Mitarbeiter gemeinsam einen sinnvollen Beitrag zum Erfolg des Unternehmens leisten können,“ sagt Thomas Wurst. „Das wird oft als Machtverlust interpretiert. Aber nicht bei uns.“ Denn ihm geht es eher um eine gute Stellung am Markt. Auch dies ist ein Ziel auf der Balanced Scorecard.

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