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31.01.2007

11:45 Uhr

Banken fordern anerkannte Maßstäbe

Patente richtig bewerten

VonGisela Demberg

Rund 60 000 Patentewurden 2005 in Deutschland angemeldet, mehr als zwei Drittel davon durch den Mittelstand. Doch viele Schutzrechte bleiben ungenutzt, weil die Umsetzung der Ideen weiteres Kapital erfordert. Und potenzielle Lizenznehmer zögern nur zu oft, denn bislang fehlen anerkannte Maßstäbe für die finanzielle Bewertung von Patenten.

Patentanmeldungen 2005

Patentanmeldungen 2005

FRANKFURT. Schätzungsweise 40 Prozent aller Patente bleiben ungenutzt – obwohl eine Anmeldung Kosten verursacht. In Deutschland sind die mit 3 000 bis 5 000 Euro vergleichsweise gering. Ein europäisches Patent kostet rund 31 000 Euro, in den USA sind es umgerechnet 17 000 Euro.

Die Umsetzung der patentierten Ideen erfordert weiteres Kapital, sowohl für die Herstellung entsprechender Produkte als auch für deren Vermarktung. Will oder kann man die Produkte nicht im eigenen Haus nutzen, so stehen Verkauf oder Lizenzvergabe zur Wahl. Für Lizenzinhaber ist dabei wichtig, den tatsächlichen Wert ihrer Patente zu kennen. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer, denn bislang fehlen anerkannte Maßstäbe für die Bewertung.

Expertenmeinungen zufolge sind etwa 90 Prozent aller angemeldeten Patente von wirtschaftlich geringem Wert. Die restlichen zehn Prozent machen den wesentlichen Gesamtwert der in Deutschland insgesamt rund 430 000 Patente aus. Für einen Patentinhaber und die finanzierenden Banken stellt sich somit als erstes die Frage nach dem tatsächlichen Wert der Schutzrechte. Dabei stellen alle Beteiligten fest, dass Bewertungskriterien zwar bestehen, über deren Gewichtung jedoch keineswegs Einigkeit besteht. Die Kostenmethode setzt bei den tatsächlichen Ausgaben für ein Patent einschließlich der anrechenbaren Entwicklungskosten an. Sie kann jedoch keinen Aufschluss über dessen wirtschaftlichen Wert geben. „Wir bringen grundsätzlich ein modifiziertes Ertragswertverfahren zur Anwendung, in das selbstverständlich auch Marktwertgesichtspunkte einfließen“, erläutert Alexander Wurzer. Er nimmt als Geschäftsführer der Patev seit Jahren Patentbewertungen vor.

Gegenwärtig sind DIN-Normen für eine Patentbewertung in Vorbereitung, für die seit Ende 2006 die ersten schriftlichen Empfehlungen als „Publicly Available Specifications“ (PAS) des DIN-Instituts in Berlin vorliegen. Wurzer ist Vorsitzender des damit befassten Arbeitskreises, der sich unter anderem aus Patentbewertern, Patentanwälten, Wirtschaftsprüfern sowie Vertretern mittelständischer Unternehmen zusammensetzt. Der Kreis hat sich grundsätzlich für die Anwendung des Ertragswertverfahrens „als maßgebliche wirtschaftliche Größe“ ausgesprochen – gegebenenfalls modifiziert durch Marktkomponenten. Ein so festgelegter standardisierter Ansatz kann für Patentbewertungen allerdings kein allgemein gültiges Rezept sein: Dazu ist die Materie zu komplex. Alle Beteiligten hätten damit jedoch nachvollziehbare anerkannte Bewertungskriterien an der Hand, um so auch die Voraussetzungen für die kapitalmäßige Verwertung von Patenten zu schaffen.

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