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19.01.2010

10:01 Uhr

Bauwirtschaft

Südafrika steht vor einem schwierigen Jahr

VonCarsten Ehlers (gtai)

Südafrikas Bausektor bekommt die Konjunkturflaute immer deutlicher zu spüren. Der rückläufige Trend beim Bau von Wohnungen und Häusern dürfte 2010 weiter anhalten. Heftig eingebrochen ist 2009 auch der Industriebau. Vergleichsweise günstig stellt sich dagegen die Situation in den Bereichen Bürobau und gewerblicher Bau dar.

Südafrikas Bausektor steht vor einem schwierigen Jahr 2010. ap

Südafrikas Bausektor steht vor einem schwierigen Jahr 2010.

JOHANNESBURG. Das Thema Energieeffizienz von Gebäuden wird in Südafrika immer wichtiger. Auch in der Industrie setzt ein Umdenken ein. Anreize zum Energiesparen dürfte das südafrikanische Einkommensteuergesetz bieten. So kann eine Senkung der Einkommensteuer erfolgen, wenn nachweislich Strom gespart wurde. Die entsprechenden Zertifikate werden durch die National Energy Efficiency Agency ausgestellt.

Ein schwerwiegender Engpass wird - trotz des Auftragseinbruchs in der Bauindustrie - der Mangel an Fachkräften bleiben. Viele Ingenieure und Facharbeiter (fast alle Weiße) haben das Land in den vergangenen Jahren verlassen oder befinden sich inzwischen im Rentenalter. Auf 3 200 Einwohner kommt in Südafrika nur ein Ingenieur, zwanzig mal weniger als zum Beispiel in Australien oder Westeuropa. Innerhalb der schwarzen Bevölkerung sieht das Verhältnis mit 1: 50 000 noch schlechter aus.

Mittelfristig müssen etliche schwarze Ingenieure nachrücken. Allerdings ist die Bezahlung im südafrikanischen Bausektor eher schlecht, andere Branchen, beispielsweise der Finanz- oder der Beratungssektor, sind für junge Studenten deutlich interessanter, weil lukrativer. Aus diesem Grunde muss Know-how importiert werden. Die Einreisehürden für Ingenieure sind in Südafrika sehr niedrig, die Erlangung eines Arbeitsvisums kaum ein Problem. So kommen inzwischen eine ganze Reihe asiatischer oder auch osteuropäischer Facharbeiter ins Land. Problematisch ist diese Situation allerdings vor dem Hintergrund, dass bei öffentlichen Ausschreibungen nur noch derjenige zum Zuge kommen kann, der die Kriterien des Black-Economic-Empowerment (BEE) erfüllt. Dazu gehört auch das Einstellen schwarzer Fachkräfte.

Während ein Großteil der Projekte von südafrikanischen Baufirmen wie Group Five, Grinaker LTA, Murray & Roberts oder WBHO abgedeckt werden, übernehmen die technisch komplizierten Lösungen häufig Unternehmen aus Europa. Südafrika ist kein armes Land und kann höherwertige Produkte in einem gewissen Rahmen ohne Probleme bezahlen. Allerdings sollte ein ausländisches Unternehmen, das sich langfristig in Südafrika engagieren möchte, angesichts des Fachkräftemangels die Aus- und Weiterbildung lokaler Kräfte erwägen.

Dies können auch einfachere handwerkliche Schulungen sein. Damit würden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Zum einen fällt die Aus- und Weiterbildung von schwarzen Mitarbeitern unter Corporate Social Responsibility (CSR) und wird damit auch auf der BEE-Scorecard mit Punkten gewürdigt. Darüber hinaus aber können mittelfristig die Know-how Engpässe, zum Beispiel bei der Instandhaltung von Gebäuden, reduziert werden.

Energieeffizientes Bauen ist das neue Thema in Südafrika. Die Wärmedämmung birgt viele Möglichkeiten. In den kommenden Jahren will der Stromversorger Eskom die Preise mindestens verdoppeln. Hinzu kommen öffentliche Fördermaßnahmen fürs Stromsparen, sodass sich Investitionen in Energieeffizienz für Haushalte in einigen Bereichen bereits rechnen. Mittelfristig benötigt Südafrika energieeffiziente Dachkonstruktionen (bislang werden in der Regel Wellblech oder Beton verwendet), Verglasungssysteme, Häuserwände mit Isoliermaterialien (bis dato werden fast nur Ziegelsteine verwendet, vorgefertigte Betonteile kommen langsam auf, Isolierstoffe wie Styroporplatten werden bislang kaum eingesetzt) und solarbetriebene Boiler.

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