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26.01.2005

11:59 Uhr

Beirat sorgt beim Düsseldorfer Verkehrsgastronomen Stockheim für Stetigkeit

Erfahrene Mitarbeiter sind das Kapital

VonSiegried Grass (Handelsblatt)

Das Wort „Erfahrung“ nimmt Karl-Heinz Stockheim bei seinen Ausführungen häufig in den Mund: 55 Jahre Praxis in der Verkehrsgastronomie, die Mitarbeiter beherrschen ihren Job. Der seit zehn Jahren bestehende Beirat soll die Kontinuität im Unternehmen sichern. Und zwar über die Zeit hinaus, wenn sich der heute 60-jährige Vorsitzende der Düsseldorfer Stockheim Holding in etwa fünf Jahren aus dem operativen Geschäft zurückziehen will.

HB DÜSSELDORF. Der Beirat setzt sich zusammen aus externen Mitgliedern und kümmert sich um die Bereiche Organisation, Personal, Budgetierung und Controlling sowie Bilanzen und Steuern. Derzeit hat er beratende Funktion.

Firmenchef Stockheim will bis zum 65. Lebensjahr als Geschäftsführer der Gastronomie-Holding fungieren. Danach will als er Vorsitzender in den Beirat wechseln und die unternehmerische Verantwortung auf mehrere Personen verteilten, die schon heute in der dezentralen Organisation als Geschäftsführer und Prokuristen arbeiten. Der Beirat wird dann – vergleichbar dem Aufsichtsrat einer Kapitalgesellschaft – als Kontroll-Gremium fungieren.

Die Stockheim-Gruppe, 1947 von Heinz Stockheim mit 35 Mitarbeitern gegründet und 1989 auf den Sohn Karl-Heinz Stockheim übertragen, beschäftigt rund 1 600 Mitarbeiter und erreicht einen Jahresumsatz von zuletzt rund 110 Mill. Euro. Sie hat sich aus dem weiten Feld der Gastronomie die Nische Verkehrsgastronomie ausgesucht. Reisende auf den Flughäfen Düsseldorf, Köln/Bonn, Mönchengladbach und Münster/Osnabrück werden ebenso versorgt wie Reisende auf den Bahnhöfen Aachen, Bonn, Düsseldorf und Köln. Zudem betreibt die Stockheim-Gruppe das Air-Catering in Dortmund, Dresden, Leipzig und Paderborn und versorgt die Messen Karlsruhe und Düsseldorf. In der Rheinmetropole Düsseldorf werden außerdem die Rheinterrasse, die Philipshalle und die Tonhalle bewirtschaftet.

Um den verschiedenen Aufgabenbereichen gerecht zu werden, hat Karl-Heinz Stockheim unter dem Dach einer Holding sechs Geschäftsfelder definiert – „jedes mit einem erfahrenen Geschäftsführer“, wie er betont. Neben der Verkehrsgastronomie und den lokalen Catering-Geschäften gehören dazu ein Management-Service (zentraler Dienstleister wie Rechnungswesen, EDV, Entwicklung), die Farmhaus Produktions- und Handelsgesellschaft (Zielgruppe Gastronomie, Hotel- und Cateringbetriebe), die Hagatec mit der Planung und Realisierung von Gastronomie- und Handelsbetrieben sowie die Hagacon, die filialisierbare Handels- und Gastronomiebetriebe mit Eigenmarken (Cafetiero, Meister Bock, Brezel bub’) entwickelt.

„Gerade weil die Märkte sich ständig wandeln,“ so erklärt Stockheim, „ist es wichtig, dass wir Mitarbeiter haben, die viel Gespür für den Markt haben.“ Es mache für ihn keinen Sinn, ältere Mitarbeiter mittels Vorruhestandsregelungen in Rente zu schicken, um anschließend mühsam neue Erfahrung aufzubauen. Stockheim: „Es gehört zum Stil meines Unternehmens, dass organisatorische Maßnahmen und personelle Veränderungen mit Umsicht und Sorgfalt durchgeführt werden.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2:Auf die eigenen, in vielen Jahren gewonnenen Erkenntnisse kann Karl-Heinz Stockheim ebenfalls nicht verzichten.



Auf die eigenen, in vielen Jahren gewonnenen Erkenntnisse kann Karl-Heinz Stockheim, der selbst zehn Jahre im Ausland Erfahrungen sammelte, ebenfalls nicht verzichten: „Das ist schließlich das Kapital des Unternehmens.“ Und: „Daher geht unsere Personalplanung davon aus, dass jeder Mitarbeiter bis zum 65. Lebensjahr arbeitet.“ Nur so lassen sich effiziente Strukturen erhalten. Die Qualitätssicherung bestehe nämlich nicht nur in exzellenten Produkten, sondern vor allem in leistungsstarken Mitarbeitern. Gerade im Gastgewerbe, wo der Kontakt zum Kunden sehr nah und wichtig ist, spiele Erfahrung eine große Rolle. Deshalb ist es für Stockheim kein Problem, Staatsbesuche ebenso wie Empfänge, Bankette, Hauptversammlungen oder Messen zu bewirtschaften. In seinem Büro hängen Fotos berühmter Staatsoberhäupter, Schauspieler und Unternehmenschefs, die von Stockheim bewirtet wurden. 1949 etwa richtete die Stockheim-Gruppe den ersten Staatsempfang des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss im Düsseldorfer Schloss Brühl aus. Und der Besuch der englischen Königin sorgte 1958 für einen „totalen gastronomischen Ausnahmezustand“, wie es im Buch über die Firmengeschichte heißt.

Wie leistungsfähig die Organisation ist, zeigt die Tatsache, dass die Gastronomie schon innerhalb von 48 Stunden nach dem schweren Düsseldorfer Flughafenbrand bereits wieder funktionierte. Lohn der Anstrengungen: 2003 wie 2004 wurde die Stockheim Veranstaltungsgastronomie zum „Caterer des Jahres“ ausgezeichnet.

Das Thema Erfahrung spielt natürlich auch in den Zukunftsszenarien eine Rolle. Stockheims Sohn, 18 Jahre alt, soll erst mit 35 Jahren im Unternehmen wichtige Entscheidungen treffen dürfen – „damit er sich nicht einen Ferrari kauft, statt das Geld für eine notwendige Spülmaschine auszugeben“.

Konzepte und Partnerschaften

Flughäfen, Bahnhöfe, Messen und Center sind Orte, an denen sich viele Menschen aufhalten. Wie in diesen Laufzonen sich die Kunden verhalten, wird bei Stockheim genau untersucht. Daraus werden Verhaltensmuster der Kunden für bestimmte Betriebstypen entwickelt. Diese Konzepte werden auch in Zusammenarbeit mit den Betreibern, z.B. den Flughafen-Gesellschaften, abgestimmt.

Wie wichtig Erfahrung und Partnerschaften sind, verdeutlicht Karl-Heinz Stockheim an einem Beispiel: „Wir wussten bereits im Vorfeld der Drupa, dass die Messe einen guten Verlauf nehmen wird.“ Als auf der Ausstellung der Druck- und Medienindustrie tatsächlich mehr Abschlüsse getätigt wurden, war Stockheim auf die mit Vertragsabschlüssen verbundenen Festessen gut vorbereitet.

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