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26.12.2013

14:27 Uhr

„Best of“ Familienunternehmer

„Bei uns können Sie den Sternenhimmel funkeln lassen“

Familienunternehmer sind vor allem sich selbst verantwortlich – und reden daher gerne Klartext. Wir haben dieses Jahr etliche Menschen gesprochen, die mit ihrem Namen für ein Produkt stehen. Eine Textauswahl.

Düsseldorf„Wir essen zu viel Fleisch“, hat uns Christian Rauffus erzählt, der Chef der Wurstfabrik Rügenwalder Mühle. Seine Abneigung gegenüber Strategiebarter teilte Michael Durach vom Senfhersteller Develey mit uns. Und Bodo Buschmann, Chef des Autotuners Brabus, machte uns deutlich, dass er eine Abneigung gegen den Begriff „aufmotzen“ hat. Lesen Sie die besten Wortlautauszüge aus unserer 14-tägig erscheinenden Serie „Familienunternehmer im Gespräch“ – alle Gespräche stehen vollständig hier zum Download zur Verfügung.

Bodo Buschmann, Chef des Autotuners Brabus. Dirk Hoppe/Netzhaut für Handelsblatt

Bodo Buschmann, Chef des Autotuners Brabus.

Auszug des Interviews vom 8. Oktober mit Bodo Buschmann, Brabus

[...] Ich weiß, dass Sie mal ein Auto in die Emirate verkauft haben, da waren die Schrauben mit Diamanten besetzt.

Bodo Buschmann: Das ist alter Kuchen von vorgestern. Wenn sie heute Autos mit Diamanten auf Schrauben verkaufen, dann haben sie nicht mehr viel Erfolg.

Aber man kann sich schon fragen, ob das, was Sie auch heute in Autos verbauen, wirklich nötig ist.

High Perfomance Automobile ist unser Motto - wir liefern ein Hochleistungsauto. Sowohl was die Leistung angeht, als auch was die Funktionalität und den Nutzwert angeht. Wir bauen einen Mercedes mit einer Business-Ausrüstung, das ist ein fahrendes Büro. Hierzu gibt es einen Sternenhimmel, den sie funkeln lassen können - das schafft Atmosphäre. Darüber hinaus hat das Fahrzeug einen Beduftungsautomaten, vom Sandelholz bis Eukalyptus ist alles möglich. Wir haben 2000 verschiedene Duftvarianten und können auch Düfte komplett eliminieren. Gerade in einer Stadt mit viel Smog wie Bangkok oder Peking können sie das gut gebrauchen.

Fakten zu Brabus

Gründungsjahr

1977 in Bottrop, im mittleren Ruhrgebiet.

Geschichte

Bodo Buschmanns Vater war Inhaber eines Mercedes-Autohauses. Sein Sohn widmete sich dem Tuning der Modelle und eröffnete nur wenige Meter entfernt sein eigenes Geschäft – mit einem Ausstellungsraum und einem angeschlossenen Auto-Hifi-Studio. Buschmanns Studienkollege Klaus Brackmann brachte die erste Silbe in den Firmennamen Brabus ein, stieg aber schnell aus dem Unternehmen aus.
Im Jahr 1986 vergrößerte sich Brabus und baute in unmittelbarer Nähe zum ursprünglichen Standort eine große Werks - halle mit Verkaufsraum. In diesem Jahr wurde das dritte Werk eröffnet, das vierte ist bereits im Bau.

Eigner und Führung

Unternehmensgründer Bodo Buschmann ist Geschäftsführender Alleingesellschafter. Buschmann ist auch Vorstandsvorsitzender des Verbands der Automobiltuner und Honorarprofessor in Sofia. Sein Sohn Constantin dürfte dem 58-Jährigen eines Tages an der Brabus-Spitze nachfolgen.

Produkte

Brabus tunt seit der Gründung Mercedes-Modelle. Die S-Klasse ist dabei das wichtigste Modell. Der Autotuner verschafft dabei nicht nur den Motoren mehr PS – auf der IAA in Frankfurt hat Brabus einen Achtzylinder-Motor mit 850 PS vorgestellt –, sondern trimmt das ganze Fahrzeug auf Leistung.
Im Fokus steht aber auch die Optik. Angefangen mit klassischen Felgen erfüllt das Unternehmen auch im Innenraum fast jeden Wunsch der zahlungskräftigen Kundschaft. Die Tochter CRD fertigt auch Fahrzeuge für andere Automarken wie aktuell eine Kleinserie für Infiniti – aber nicht unter dem Markennamen Brabus. Seit mehr als zehn Jahren tunen die Bottroper ebenfalls Smarts in einem Gemeinschaftsunternehmen mit Daimler. Ein weiteres Geschäftsfeld ist der Handel mit Oldtimern und wertvollen Sportwagen.

Geschäftsentwicklung

Das Geschäft von Brabus wird immer internationaler. Der Exportanteil des Unternehmens beträgt inzwischen 85 Prozent – Tendenz steigend. Die wichtigsten Märkte sind Deutschland, China, die Vereinigten Arabischen Emirate, die ehemaligen GUS-Staaten und die USA. Die Jahresproduktion liegt bei rund 17.500 Fahrzeugen pro Jahr – davon sind 10.000 Smarts. Im vergangenen Jahr machte Brabus nach eigenen Angaben einen Außenumsatz von 350 Millionen Euro.

Beschäftigte und Standorte

Brabus hat 360 Mitarbeiter in Deutschland. Weltweit sind es rund 2500 Beschäftigte – 550 davon in China. Neben dem Hauptstandort in Bottrop hat der Autotuner Niederlassungen in den USA (Irvine, Kalifornien) und in Dubai. Dazu kommen Vertretungen in 106 Ländern – allein 40 in China.

Sie sind jetzt 58 Jahre alt. In einem Porträt über Sie habe ich gelesen: 'Der Mann sieht alles, der Mann merkt alles. Und wenn es sein muss, dann kümmert er sich auch um alles.' Wie lange wollen Sie noch alles bei Brabus sehen?

Das ist eine charmant eingepackte Frage. Mein Sohn Constantin ist im Unternehmen und macht zurzeit die ersten Schritte. Er kümmert sich im Moment um Brabus-Aviation, dort machen wir Ausstattungen für Flugzeuge und Helikopter. Das läuft ganz gut an. Außerdem ist er dabei, die restlichen Themen auch noch zu lernen, sodass die Unternehmensnachfolge sicherlich gesichert ist.

Sie haben ihn nicht gezwungen, ins Unternehmen einzusteigen. Was ist seine Motivation?

Das müssen sie ihn fragen, ich unterstelle mal, die Mischung dieses Unternehmerlebens gefällt ihm. Das ist ja schon viel Einsatz, sie haben hier keine 40-Stunden-Woche - die ist bei uns am Mittwoch voll. [...]

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