Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.10.2013

08:21 Uhr

Bilanzen

Mittelstand blecht Strafen wegen geringer Transparenz

ExklusivAuch mittelständische Unternehmen müssen Bilanzen offenlegen. Doch zehntausende Unternehmen tun dies nicht rechtzeitig oder gar nicht. Sie zahlen lieber Bußgelder, die fünfstellig ausfallen können.

Demonstration für mehr Transparenz bei Abgeordneteneinkünften: Auch viele Unternehmen sperren sich gegen zu viel Einblicke. dapd

Demonstration für mehr Transparenz bei Abgeordneteneinkünften: Auch viele Unternehmen sperren sich gegen zu viel Einblicke.

DüsseldorfMittelständische Unternehmen haben nach Informationen des Handelsblatts (Freitagausgabe) seit dem Jahr 2008 insgesamt 387 Millionen Euro an Ordnungsgeldern zahlen müssen, weil sie ihre Bilanzen nicht rechtzeitig oder gar nicht vorlegten. Wie das Bundesamt für Justiz auf Anfrage bestätigte, wurden allein 2012 rund 92 Millionen Euro an Ordnungsgeldern verhängt. Betroffen waren 57.000 Kapitalgesellschaften aus dem Mittelstand.

Grund für die Pflicht zur Offenlegung der Bilanz ist der politische Wunsch nach mehr Transparenz. Wenn ein Bürger vor der Entscheidung steht, ob er mit einem Unternehmen einen Vertrag schließt, soll er sich informieren können, wie es diesem Unternehmen geht. Die Bilanzen werden deshalb in ein elektronisches Register eingestellt.

Wer sich gegen dieses Prinzip sperrt, soll zahlen. Das Ordnungsgeld beträgt anfangs 2.500 Euro, kann für Kleinstunternehmen auf 500 Euro gesenkt, aber im Falle der fortgesetzten Weigerung auch auf 25.000 Euro erhöht werden.

Seit vier Jahren weigert sich eine gleichbleibende Anzahl von rund 150.000 der 1,1 Millionen Kapitalgesellschaften in Deutschland, ihrer gesetzlichen Pflicht zur Transparenz nachzukommen (Offenlegungsregeln laut Bundesanzeiger). 60 Prozent der dann angemahnten Unternehmen zahlen danach in der vorgeschriebenen sechswöchigen Frist, der Rest sperrt sich weiter.

Von

iw

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

O.K.

18.10.2013, 09:39 Uhr

Die Offenlegungsfrist gibt es schon lange.
Dass das Bundesamt für Justiz Unternehmen mit Ordnungsgeldern in dieser Grössenordnung belegt ist demgegenüber erst seit einführung des "elektronischen Bundesanzeigers" richtig "in Schwung" gekommen.
Es werden auch nicht alle Unternehmen mit Ordnungsgeldern belegt sondern nur solche, bei denen Anfragen nach der Bilanz vorliegen. Das kommt in der Regel von irgendwelchen Auskunfteien.
Das Vorgehen des Bundesamtes ist meiner Meinung nach klarer Rechtsmissbrauch, weil die Behörde nicht nach Rechtsvertoß tätig wird sondern nach Anfrage; und dann auch bei Kleinstunternehmen entsprechend rigoros durchgreift und offenbar auf die Gelderlöse abzielt, sonst könnte sie auch mit Augenmaß agieren.
Zudem ist die Veröffentlichungspflicht nicht abhängig davon ob überhaupt schon eine Steuererklärung fertig ist. Bei mir hat auch schon der Gerichtsvollzieher für das Bundesamt für Justiz angeklopft (für die Mahngebühr zu einem Ordnungsgeld das ich bereits gezahlt habe), weil ich zu spät veröffentlicht habe weil die Bilanz samt Steuererklärung noch nicht fertig war -- Das bei einem Ein-Mann-Betrieb.
Die Offenlegungspflicht sollte erst dann eintreten, wenn auch die entsprechenden Offenlegungspflichen unserer Steuerhoheit gegenüber erfüllt sind. Bzw. es sollte die Rangfolge der Durchsetzung der Offenlegungspflichen sinnvoll gewählt werden, alles andere ist Missbrauch des Steuer-Viehs.
Es wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen die Zwangsweise dann noch den Betreiber des Bundesanzeigers mit alimentieren.
Auch bei der Pflicht den e-Bundesanzeiger nutzen zu müssen mit unerklärlich hohen Gebühren, bleibt wohl mehr als ein "Geschmäckle".
Ich würde allen höheren Beamten des Bundesamts für Justiz die Pensionsansprüche aberkennen, die nicht aktiv an einer Verbesserung der Situation arbeiten.
Im Zeitalter von elster kann die Offenlegungspflicht auch vom Finanzamt gemacht werden, da es ohnehin über elster alle Daten den Amis zur Speicherung überlässt.

O.K.

18.10.2013, 09:46 Uhr

Ich wollte natürlich sagen, die OffenlegungsPFLICHT gibt es schon lange.

Account gelöscht!

18.10.2013, 10:09 Uhr

Mit der Offenlegungspflicht für mittelständische Betriebe ist das so eine Sache, insbesondere seit nicht nur die Vermögensbilanz, sondern auch die G+V-Rechnung zu veröffentlichen ist.

mondahu ist auch Gesellschafter einer solchen Gesellschaft, die hochspezialisiert ist und nur eine Handvoll Kunden hat, mit denen Jahresverträge abgeschlossen werden. Außerdem kennen sich die Kunden und reden miteinander.

Beim Aushandeln der Jahresverträge liegen die HR-Auszüge offen auf dem Tisch und dienen als Diskussionsgrundlage, um die Preise zu drücken.

Glücklicherweise gibt es Wege, den Gewinn dauerhaft zu verstecken, um zu überleben. Aber ist das der Sinn der Sache?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×