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02.01.2006

10:55 Uhr

Bilanzierung

Mittelständler fürchten Substanzverlust

VonJoachim Weber

Arnold Kawlath zweifelt nicht mehr daran: „Die Zeiten der HGB-Bilanz sind vorbei.“ Der geschäftsführende Gesellschafter des Familienunternehmens Schubert & Salzer nennt auch die Gründe: „Alle mittelständischen Unternehmen brauchen langfristig Finanzmittel. Die aber werden von den Banken immer häufiger über Fonds eingesammelt und gehen früher oder später nur noch an Unternehmen, die nach einheitlichen Standards vergleichbar sind, nämlich nach den IFRS.“

FRANKFURT. Kapitalmarktorientierte, also überwiegend börsennotierte Unternehmen müssen bereits in diesem Jahr ihre Jahresabschlüsse nach den neuen Rechnungslegungsregeln der International Financial Reporting Standards (IFRS) erstellen. Eine Umstellung auf diese IFRS-Regeln sehen viele Mittelständler kritisch: Sie fürchten hohe Kosten und – als Folge der auszuweisenden fiktiven Gewinne – neue Begehrlichkeiten bei Gesellschaftern, Kunden und Belegschaft. Die Konsequenz wären Substanzverluste der Unternehmen.

In Arbeit ist daher eine vereinfachte IFRS-Version für mittelständische Unternehmen. Weil deren Definition schwierig ist, hat sich das privat organisierte International Accounting Standards Board (IASB) in London, das die Normen aufstellt, für die Bezeichnung der „not publicly accountable enterprises“ entschieden – der nicht zur öffentlichen Rechenschaft verpflichteten Unternehmen.

Noch steht die Arbeit an den Mittelstands-IFRS ganz am Anfang. Deshalb rechnen sich deutsche Unternehmer, Institutionen und Verbände durchaus Chancen aus, Einfluss auf die neue Norm nehmen zu können. Das Ziel: „Wir wünschen uns eigenständige Spielregeln für kleine und mittlere Unternehmen, keine kleine Schwester der vollen IFRS“, fordert Andreas Möhlenkamp, Hauptgeschäftsführer des mittelständisch geprägten Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung.

Der Bochumer Bilanzprofessor Bernhard Pellens, Vorstandsmitglied im deutschen IASB-Ableger DRSC, meint dagegen, dass sich eine mittelständische Publizitätsbilanz nach IFRS nur in den „Disclosures“, den Offenlegungspflichten, vom Original unterscheiden sollte. Aus seiner Sicht verspricht die Rechnungslegung nach vollen IFRS auch den Mittelstandsunternehmen selbst bessere Informationen intern wie auch im externen Vergleich. Seine ketzerische Frage mit Blick darauf, dass die IFRS auf dem Umweg über die EU auch in Deutschland allgemein verbindlich werden könnten: „Muss ein Gesetzgeber den Handwerker zwingen, sich besser über sein Unternehmen zu informieren?“

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