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23.02.2012

16:06 Uhr

BJU-Unternehmertag

Junge Online-Gründer strotzen vor Zuversicht

VonGero Brandenburg

Beim Online-Unternehmertag präsentieren sich die Start-up-Gründer selbstbewusst. Sie stellen ihre Finanzkonzepte und Geschäftsmodelle vor, das Wort Euro-Krise fällt nur selten. So als wäre die Rezession kein Problem.

Jan Philipp Hinrichs, Captcha-Ad-Gründer, Marie-Christine Ostermann, Bundesvorsitzende Die Jungen Unternehmer und René Marius Köhler, Internetstores-Gründer (vlnr).

Jan Philipp Hinrichs, Captcha-Ad-Gründer, Marie-Christine Ostermann, Bundesvorsitzende Die Jungen Unternehmer und René Marius Köhler, Internetstores-Gründer (vlnr).

FrankfurtVon der Schuldenkrise in Europa bekommt Renè Marius Köhler nur wenig mit. Dabei hat der baden-württembergische Mittelständler mit 150 Mitarbeitern seine Kunden in ganz Europa sitzen. Lediglich im Februar knickten die Umsätze etwas ein, ohne dass Köhler dies auf den Konjunkturknick zurückführen möchte. Es lag eher am Wetter. "Bei eisigen Minusgraden denken die Leute einfach nicht ans Radfahren." Köhler ist Gründer und Vorstandschef der Internetstores AG, einem Multi-E-Commerce-Shop, zu dem auch fahrrad.de gehört. Im abgeschlossenen Geschäftsjahr lagen die Umsätze bei 37,5 Millionen Euro, im laufenden Jahr sollen es sogar mindestens 62 Millionen Euro werden.

Köhler ist nicht der einzige Internet-Entrepreneur, der mit Blick in die Zukunft vor Zuversicht strotzt. Beim Online-Unternehmertag der Jungen Unternehmer (BJU) in Frankfurt präsentieren sich die Start-up-Gründer selbstbewusst. Sie stellen ihre Ideen, Finanzkonzepte und Geschäftsmodelle vor, das Wort Euro-Krise fällt nur selten. So als wäre die Rezession im europäischen Währungsraum ein Problem der konventionellen, älteren Branchen.

Alternative Geldquellen für Gründer

Venture-Capital-Gesellschaften

Ist die Aussicht auf Geschäftserfolg mehr als riskant, benötigt ein Start-up Wagniskapital - das wird auch hierzulande englisch "Venture Capital" (VC) genannt. Das Geld stellen VC-Beteiligungsgesellschaften bereit, die kurzfristig in eine Unternehmensgründung investieren, um irgendwann mit einer Rendite wieder auszusteigen.

Das muss keineswegs zum Nachteil des Unternehmers sein: Der Kapitalgeber unterstützt das Management beim Aufbau eines Netzwerks oder bei der Suche nach Personal - nicht zuletzt, um den Erfolg der eigenen Investition sicherzustellen.

Wie man an Venture-Capital-Gesellschaften kommt

Die Beteiligung von Venture Capitalists an Start-ups liegt zumeist bei weniger als 30 Prozent. Der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) bietet zur Suche nach VC-Gebern eine Online-Datenbank an und hilft, einen Businessplan zu erstellen: www.bvkap.de.

Business Angels

Business Angels nennen sich erfahrene Unternehmer, Manager oder Investoren, die ihr institutionelles oder privates Portfolio um ein paar riskantere Geschäfte bereichern wollen. Der Vorteil, einen Business Angel an der Hand zu haben, liegt im Engagement seines Investments: Während der Gründungsphase unterstützen sie den Jungunternehmer nicht nur mit Kapital, sondern auch mit ihrer Erfahrung und den nötigen Kontakten.

Wie man an Business Angels kommt

In Deutschland gibt es etwa 40 Clubs von Business Angels, die regelmäßig Unternehmensgründer einladen, um ihre Businesspläne vorzustellen. Hier finden Interessierte Clubs in der Nähe und Tipps zur Einladung: www.business-angels.de.

Öffentliche Fördergelder

Die sicherste Art, an Geld zu gelangen, ist, die Fördertöpfe von Ländern, Bund oder der EU anzuzapfen. Der Nachteil: Es dauert oft Monate, bis das Geld fließt. Denn die Zuschüsse können in den meisten Fällen nur die eigenen Hausbanken beantragen, die bürokratischen Mühlen tun ihr Übriges, um auch die beste Geschäftsidee vorübergehend zum Stillstand zu bringen. Allerdings sind die Töpfe auch in Krisenzeiten stets gut gefüllt. Deshalb sind sie es somit wert, von Gründern unter die Lupe genommen zu werden.

Wie man an öffentliche Fördergelder kommt

Einen Überblick über öffentlich geförderte Finanzierungsmöglichkeiten bietet die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie: www.foerderdatenbank.de

Doch Marie-Christine Ostermann bringt das Thema in Erinnerung. Die Vorsitzende des Verbands Die Jungen Unternehmer verweist in ihrer Rede auf den geplanten Milliarden-Börsengang des sozialen Netzwerks Facebook, auf die 800 Millionen Mitglieder ("Mehr Konsumenten haben nur China und Indien") und sagt: "Viele Anleger entdecken Aktien wieder für sich, nachdem sich herumgesprochen hat, dass Staatsanleihen nicht unbedingt die sicherste Anlageform sein müssen." Mit Blick auf das zweite Rettungspaket für Athen fügt sie hinzu: "Griechenland ist ein Fass ohne Boden, das Land sollte aus der Euro-Zone austreten."

Als Co-Geschäftsführerin des Lebensmittel-Großhändlers Rullko im westfälischen Hamm kennt Ostermann die Sorgen der mittelständischen Unternehmen aus der täglichen Praxis. Was, wenn milliardenschwere Rettungspakete für die Euro-Schuldner und die Refinanzierung der Banken die Kreditvergabe weiter verschärfen? Die Unsicherheit ist groß, viele Unternehmer würden sich derzeit mit Investitionen schwer tun, erzählt Ostermann. Sie selbst plant mit ihrem Vater ein neues Tiefkühlhaus, eine Investition in Millionenhöhe, die größtenteils mit Eigenkapital gestemmt werden soll. "Das zumindest ist ein positiver Aspekt der Krise, viele Firmen haben ihre Eigenkapitalquote deutlich aufgestockt", sagt Ostermann.

Weitere positive Aspekte fordert sie mit Blick auf die vergleichsweise jungen Zuhörer im Hermann-Josef-Abs-Saal der Deutschen Bank ein. Die Altershöchstgrenze im Verband liegt bei 40 Jahren. Ostermann: "Wir wollen zeigen, dass von uns jungen Unternehmern ein Signal des Aufbruchs ausgeht."

Fast sicher ist, dass Renè Marius Köhler, 29, sich von solchen Worten angesprochen fühlt. Mit seinem Internet-Handel hat er eine beeindruckende Erfolgsgeschichte geschrieben, die 2010 mit dem Deutschen Gründerpreis belohnt wurde. Sein Vater hatte noch ein klassisches Fahrradgeschäft, der Filius begann als Jugendlicher damit, die Räder bei Ebay zu verkaufen. 2003 kaufte Köhler die Domain fahrrad.de für 42.500 Euro und gründete kurz darauf seinen ersten Online-Shop. Mittlerweile sind weitere Shops für Camping- und Fitnessbedarf sowie Möbel (Livingo) hinzugekommen.

Der Umsatz wächst rapide, das gesamte Sortiment umfasst 60.000 Artikel und Köhler, der 85 Prozents seines Geschäfts noch auf dem Heimatmarkt abwickelt, will in Ländern wie Frankreich und England weiter wachsen. 80 Prozent der Internetstores AG gehören Köhler, die restlichen 20 Prozent dem European Founders Fund der Samwer-Brüder.

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