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25.01.2010

13:22 Uhr

„Boot“ 2010

Traumschiffe geraten in die Flaute

VonEberhard Krummheuer

Auch die Superreichen müssen sparen: Der kleine Markt für Megayachten schrumpft, gleichzeitig überschwemmen Second-Hand-Yachten die Meere. Dennoch haben Werften wie Abeking & Rasmussen, die Auftragsbücher noch gut gefüllt. Das Familienunternehmen zehrt von seinem guten Ruf.

Vorbereitungen zur Messe "Boot" in Düsseldorf. Das Geschäft mit Luxusyachten läuft schlecht, Traditionsunternehmen wie Abeking & Rasmussen geht es aber vergleichsweise gut. Reuters

Vorbereitungen zur Messe "Boot" in Düsseldorf. Das Geschäft mit Luxusyachten läuft schlecht, Traditionsunternehmen wie Abeking & Rasmussen geht es aber vergleichsweise gut.

DÜSSELDORF. Repräsentative Messeauftritte liegen Till von Krause nicht so sehr. Ihm ist die Mund-zu-Mund-Propaganda seiner Kunden lieber: Während Wettbewerber zur Düsseldorfer Wassersportschau "Boot 2010" (bis 31.1.) ihre Luxusyachten vom Rhein in die nahen Messehallen hieven ließen, begnügt sich der Verkaufsdirektor von Abeking & Rasmussen mit einer unauffälligen Präsenz im Stand der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Yachten.

Das ist norddeutsches Understatement und kühles Kalkül zugleich: "A&R", wie das Werftunternehmen aus dem niedersächsischen Lemwerder am Weserufer gleich gegenüber Bremen weltweit in Fachkreisen heißt, baut Luxusyachten vom Feinsten. Und da biete die "Boot", so von Krause, nun einmal nicht das klassische Publikum.

"Abeking ist Rolls-Royce unter den Motoryachten"

Das seit letztem Jahr als nicht börsennotierte AG firmierende, über hundert Jahre alte Familienunternehmen gehört zum international handverlesenen Kreis von Werften, die für gutes Geld für eine kleine, zahlungskräftige Klientel individuelle, hochseetüchtige Motoryachten der Spitzenklasse baut - und dafür weltweit höchste Wertschätzung erfährt.

"Eine Abeking erkennt der Fachmann schon auf den ersten Blick. Das ist schon etwas ganz Besonderes, der Rolls-Royce unter den Motoryachten", urteilt Cornelius Gerling, Experte des international operierenden Yachtbrokers Edmiston in Monte Carlo. Da kämen auch die schnieken Schiffe aus italienischer Designerhand nicht mit. Für ein Schiff von A&R würden deshalb auch "ganz andere Preise fällig als für eine italienische Yacht.".

Das hat seine Gründe, beschreibt von Krause: Im Schiff made in Germany werde Spitzentechnologie eingebaut und Service mitverkauft: Wenn es auf einem Turn mal eine Panne gebe, dann würden Kundendienst-Mitarbeiter und Ersatzteile rund um den Globus geschickt.

Viele Reiche trennen sich als erstes von ihrer Yacht

Doch in Krisenzeiten ist der kleine Markt noch weiter geschrumpft. Claus-Ehlert Meyer vom Deutschen Boots- und Schiffbauerverband (DBSV): "Die Russen fehlen - die Superreichen, die sich noch Megayachten leisten können." Broker Gerling stellt fest, dass viele Werften vor allem unterhalb des High-End-Marktes erhebliche Stornierungen hinnehmen mussten. Das Geschäft sei um 40 bis 50 Prozent gesunken, und zugleich überschwemmten "Second-Hand-Yachten" die Meere. Das eigene Schiff sei für viele Reiche das erste, von dem man sich trenne.

Das Neugeschäft sei im letzten Jahr "so schlecht wie lange nicht" gewesen, räumt Verkaufschef von Krause ein. Grund zur Panik sei das nicht: "Wir sind noch bis 2013 mit Aufträgen ausgelastet." Zudem rechnet er damit, dass sich der Markt belebt.

Das bestätigt auch DBSV-Funktionär Meyer. Es gebe Gerüchte, dass derzeit rund um den Globus "acht bis zehn Leute unterwegs sind, die 70-Meter-Schiffe suchen." Das wäre schon ein enormes Potenzial für die darauf spezialisierten Werften, die nicht selten mal gerade zwei, drei Neubauten pro Jahr an ihre Kunden abliefern. Allein mit solchen kleinen Stückzahlen haben die Superyacht-Bauer laut DBSV im letzten Jahr 25 Prozent des deutschen Schiffbauumsatzes erzielt.

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