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13.06.2015

17:39 Uhr

Brettspiel „€uro Crisis“ im Test

Wie wir Europa an den Abgrund drängten

VonSteffen Daniel Meyer

Ein kleines Entwickler-Team will per Crowdfunding-Kampagne ein Brettspiel zur Euro-Krise herausbringen. Die Handelsblatt-Redaktion hat es ausprobiert – und als skrupellose Banker zwei Staaten in den Bankrott getrieben.

Video zum Brettspiel „€uro Crisis“

Zocken wie die Banken

Video zum Brettspiel „€uro Crisis“: Zocken wie die Banken

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DüsseldorfHeute werde ich die Sparkasse Harburg-Buxtehude zum Sieg führen – auch wenn Europa dabei untergeht. Meine Gegner sind die Vorstandsvorsitzende der Birmingham Bank of Capitalism, Sara Zinnecker, und der Generalsekretär der Cuban Fidelio, Alexander Möthe. Vor uns liegt „€uro Crisis“, ein Brettspiel, bei dem die Teilnehmer in die Rolle von Banken während der Euro-Krise schlüpfen. Sie zocken mit Anleihen, privatisieren Staatseigentum, drücken Reformen durch und schlagen Aufstände nieder.

Wer sich nach drei Spieljahren das meiste Kapital unter den Nagel gerissen hat, hat das Spiel gewonnen. „Haben Sie Mut zum Risiko, ein gutes Gespür für die Pläne der Konkurrenz und vor allem keine Skrupel, Europa in den Ruin zu treiben!“, steht es in der Anleitung.

Vor einem Jahr habe ich die erste Version auf der Spielemesse in Essen angespielt und mit dem Entwickler gesprochen. Hinter dem Projekt stehen fünf Freunde, die sich während Schulzeit und Studium kennengelernt haben. Seit drei Jahren arbeiten sie unter dem Verlags-Namen „Doppeldenk-Spiele“ an „€uro Crisis“. Entwickler „Galgor" hat mittlerweile selbst einen Job in der Finanzbranche, weswegen er seinen Namen nicht nennen will – aus Angst, von seinen Kollegen in die Anti-Banken-Ecke gestellt zu werden.

Brettspiel „Finanzkrise“: Wie ich fast ganz Griechenland privatisierte

Brettspiel „Finanzkrise“

Wie ich fast ganz Griechenland privatisierte

Im satirischen Brettspiel „Finanzkrise“ schlüpfen die Spieler in die Rolle von Banken: Sie investieren, privatisieren und intervenieren. Der Entwickler will lieber unbekannt bleiben – er arbeitet in der Finanzbranche.

Um ihr Werk zu produzieren, hat das kleine Team jetzt mit dem Crowdfunding begonnen: 13.400 Euro will es einsammeln. Wer 39 Euro investiert, bekommt das Spiel voraussichtlich im Oktober 2015 zugeschickt. Für 2000 Euro bekommt man die „Gold Edition“; statt 20 Goldmarkern aus Holz liegen in der Box dann 20 Mal ein Gramm Echtgold im Scheckkartenformat.

Die Crowdfunding-Kampagne ist erst vor wenigen Tagen angelaufen, das Spiel ist also noch nicht erhältlich. Wir durften aber schon einmal den Prototypen testen. Auf der Rückseite der Banknoten sieht man noch die Linien der Karteikärtchen, die offenbar als Druckunterlage dienten, die Anleitung haben wir selbst ausgedruckt.

Wir nutzen den Schnelleinstieg: Anstatt von Anfang an alle Entscheidungen selbst zu treffen, sind die ersten Spielzüge hier vorgegeben. So sind die Regeln leichter nachzuvollziehen. Nach dem ersten Quartal hat meine Sparkasse je eine Anleihe in Frankreich, Spanien und Griechenland gekauft. In Hellas gehören mir außerdem die ehemals staatlichen Häfen – im Gegensatz zur Realität ging die Privatisierung hier ganz fix. Mit kleinen Holz-Steinchen markiert man sein Hab und Gut auf dem Spielfeld, gewürfelt wird nie, Glück spielt kaum eine Rolle.

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