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30.09.2015

17:27 Uhr

Breuninger-Prozess

Der Kampf um das Nobelkaufhaus geht weiter

VonVolker Votsmeier

Im Gesellschafterstreit um die Kaufhaus-Dynastie Breuninger werden wichtige Zeugen vernommen. Auch die Tochter des früheren Firmenchefs sagt aus. Die Streitparteien stehen sich weiter unversöhnlich gegenüber.

Der Streit um das Erbe beschäftigt die Gerichte. dpa

Breuninger in Düsseldorf

Der Streit um das Erbe beschäftigt die Gerichte.

StuttgartIn dem Streit um die Eigentümerverhältnisse beim Nobelkaufhaus Breuninger sind die Fronten weiter verhärtet. Auch nach dem Auftritt der Erbin Helga, Tochter des verstorbenen Heinz Breuningers, vor dem Oberlandesgericht Stuttgart am Mittwoch zeichnet sich keine Lösung ab. Helga Breuninger stellte sich gegen den Kläger, der einen Anteil an Breuninger fordert. Dagegen äußerte ein andere Zeuge Zweifel an dem Deal, mit dem die beiden heutigen Mehrheitseigner Willem von Agtmael und Wienand von Meilicke 80 Prozent an Breuninger übernommen hatten.

Van Agtmael und Meilicke werden vom dem ehemalige Stiftungsvorstand Wolfgang Blumers verklagt, der auf einen 16-prozentigen Anteil am Unternehmen pocht. Die Stiftung war 2004 aufgelöst worden, unmittelbar danach hatte die Alleinerbin Helga Breuninger ihren 80-Prozent-Anteil an die beiden anderen Stiftungsvorstände Willem van Agtmael und Wienand Meilicke verkauft.

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Heinz Breuninger wollte einen Konflikt um sein Erbe verhindern – mit einer Stiftung. Doch 35 Jahre nach dem Tod des Kaufhaus-Patriarchen gibt es die Stiftung nicht mehr. Der Streit wird vor Gericht ausgetragen.

Wolfgang Blumers fühlt sich bei dem Deal übergangen und verklagt deshalb seine beiden ehemaligen Mitstreiter. Er sei 2004 gehindert gewesen, direkt mit einzusteigen. Seinerzeit war Blumers Partner bei der Kanzlei Gleiss Lutz. Der Sozietätsvertrag habe eine direkte Beteiligung an Breuninger unmöglich gemacht.

Blumers argumentiert, dass er als einer der fünf Stiftungsvorstände der Auflösung der Stiftung nur zugestimmt habe, wenn er auch Anteile erwerben kann. Mit van Agtmael und Meilicke sei das so abgemacht worden. Bis 2011 habe er seine Rechte als Beirat wie zu Stiftungszeiten weiter wahrgenommen. Erst als die Frage nach der Beteiligung konkret wurde, sei er ausgebootet worden.

Die Breuninger-Tochter Helga widersprach dieser Version bei ihrer Vernehmung heftig. „Ich habe mich dafür eingesetzt, dass nur von Agtmael und Meilicke die Anteile übernehmen. Von Geheimabsprachen, nach denen auch die anderen Stiftungsvorstände später beteiligt werden sollen, wusste ich nichts. Ich hätte das auch nicht akzeptiert", sagte Breuninger.

Die Breuninger-Historie

1878

Eduard Breuninger gründet ein Kaufhaus in Stuttgart.

1947

Heinz Breuninger wird Firmenchef.

1962

Günther, Sohn der Breuningers, stirbt.

1968

Breuninger gründet mit seiner Tochter Helga die Heinz-Breuninger-Stiftung.

1980

Heinz Breuninger stirbt.

2004

Die Stiftung wird aufgelöst. Helga Breuninger verkauft die Anteile an zwei Stiftungsvorstände. Die anderen Stiftungsvorstände sollen später beteiligt werden.

2011

Ex-Stiftungsvorstand Wolfgang Blumers fordert eine Beteiligung.

2012

Vor dem Landgericht (LG) Stuttgart verklagt Blumers seine ehemaligen Kollegen.

2014

Das LG spricht Blumers 10 Prozent zu.

2015

Der Fall geht in die nächste Instanz.

Ihr sei es darum gegangen, die gemeinnützige Stiftung vom operativen Geschäft der Breuninger-Häuser unabhängig zu machen. „Heute läuft das Unternehmen gut und ich bin stolz auf die Erfolge der von mir geführten Stiftung“, sagte Breuninger. Auf die Frage, ob sie ihre Anteile mit zunächst 40 Millionen Euro womöglich zu billig verkauft habe, sagte Breuninger: „Ich bin ein bescheidener und pragmatischer Mensch. Deshalb war der Kaufpreis für mich in Ordnung.“

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