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14.01.2014

06:33 Uhr

Buchhandelskette Hugendubel

„Wir sind nicht so gefährdet wie andere Händler“

VonChristian Wermke

Harte Konkurrenz durch Amazon und jetzt die Pleite des Partners Weltbild – Buchhändlerin Nina Hugendubel steuert ihr Unternehmen schon elf turbulente Jahre lang. Trotz Ungewissheit bereut sie den Schritt bis heute nicht.

Nina Hugendubel, Geschäftsführerin der Buchhandelskette Hugendubel: Auf keinen Fall will sie mal mit George Clooney essen gehen. Thomas Einberger für Handelsblatt

Nina Hugendubel, Geschäftsführerin der Buchhandelskette Hugendubel: Auf keinen Fall will sie mal mit George Clooney essen gehen.

MünchenEigentlich ist Hugendubel ein Hoffnungsfall im deutschen Buchhandel: Das Weihnachtsgeschäft lief gut, das Onlinegeschäft legt weiter zu und auch der E-Book-Reader Tolino verkauft sich prächtig. Das Problem ist nur: Hugendubel hat sich mit dem falschen Partner eingelassen. Die Verlagsgruppe Weltbild musste am Freitag Insolvenz anmelden – und könnte nun auch das Münchner Familienunternehmen in Schwierigkeiten bringen.

Seit 2007 sind Hugendubel und Weltbild an der Holding Deutsche Buch Handelsgesellschaft (DBH) beteiligt, beide Seiten halten jeweils 50 Prozent. Wird Hugendubel nun einen Teil des Weltbild-Verlags kaufen? Wird es die DBH künftig überhaupt noch geben?

„Wir sind bereits in intensiven Gesprächen mit unseren Geschäfts- und Finanzierungspartnern“, sagt die geschäftsführende Gesellschafterin Nina Hugendubel im Gespräch mit Handelsblatt Online (vollständiges Interview zum Download). Für eine endgültige Aussage sei es zu diesem Zeitpunkt aber noch viel zu früh. Zumindest auf den Geschäftsbetrieb soll die Insolvenz keine unmittelbaren Auswirkungen haben.

Frau Hugendubel, vervollständigen Sie ...

Wenn ich nicht Unternehmerin geworden wäre…

... wäre ich vielleicht Architektin geworden. Auch Journalismus hat mich immer gereizt, vielleicht auch die Arbeit im Verlag.

Mein unerkanntes Talent...

... habe ich selbst noch nicht erkannt. Vielleicht das Saxophon. Das habe ich früher mal gespielt, aber nicht wahnsinnig gut. Wer weiß: Wenn ich das vielleicht intensiver gemacht hätte...

Einen guten Mitarbeiter erkenne ich an...

... seinem unternehmerischen Denken. Denkt der auch ein bisschen frei, nach vorne, will er Dinge mitgestalten und mitentwickeln? Auch Loyalität finde ich ganz wichtig bei einem Mitarbeiter.

Es lief mir neulich kalt den Rücken herunter als...

... Michael Schumacher verunglückt ist. Wir selber fahren Ski, meine Kinder auch. Ich habe furchtbare Angst, dass sie auch einen Unfall haben könnten. Und da habe ich mir schon Gedanken gemacht, wie schnell das gehen kann, so von jetzt auf gleich.

Abendessen würde ich gern mal mit...

... einem Autor wie Goethe oder Schiller. Von den Lebenden vielleicht mit Angela Merkel. Auf größeren Veranstaltungen habe ich sie schon erlebt, sie kann sehr viel erzählen. Auf keinen Fall würde ich mich mit George Clooney treffen wollen. Da muss man andauernd gucken, ob alles sitzt und man nicht doch zu alt aussieht.

Es sind keine einfachen Zeiten, durch die die Geschwister Hugendubel den altehrwürdigen Buchhändler gerade navigieren müssen. Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 2005 übernahmen Nina und Maximilian Hugendubel die Geschicke des Unternehmens, bereits seit 2003 sitzen sie in der Geschäftsführung. Vater Heinrich revolutionierte den Buchmarkt 1979 noch mit vergleichsweise einfachen Mitteln: Er eröffnete am Münchner Marienplatz eine Filiale mit vier Stockwerken, Rolltreppen, Leseinseln und freiem Zugang zu den Büchern – damals ein Novum im Handel. Zuvor glich ein Einkauf im Buchladen eher dem Gang zur Apotheke.

Heute ist das Geschäft schwieriger geworden, nicht zuletzt dank Amazon. Für Nina Hugendubel sei der große Konkurrent „einfach ein guter Internetshop mit einem richtig guten Service“ – das müsse man neidlos anerkennen. Trotzdem sieht sie für Hugendubel riesige Chancen. „In den Filialen ist der persönliche Kontakt zu den Kunden unser Vorteil“, erklärt sie. Die Menschen würden auch heute noch gern in die Geschäfte kommen und sich beraten lassen.

Auch in anderen Branchen gebe es diese Beratung, die Preise im Internet seien dann aber meist viel niedriger. Die Kunden würden die kostenlose Beratung mitnehmen – und dann bei Amazon kaufen. Zumindest dieses Problem hätten die deutschen Buchhändler nicht: das Zauberwort heißt Preisbindung. Ein neues Buch bei Amazon kostet genau so viel wie ein Buch im Laden. „Dadurch sind wir nicht so sehr gefährdet wie andere Händler“, sagt Nina Hugendubel.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

14.01.2014, 09:10 Uhr

Gegen Amazon ist kein Kraut gewachsen. Das spüren nicht nur Buchhändler, sondern der klassische Einzelhandel in teuren Innenstadtlagen generell.- Und nicht nur die, sondern alle, die mit irgendetwas handeln. Für Leute wie mich, die auf dem Land sitzen, kann Amazon fast als Vollversorger dienen.
Meine letzten Online-Aufträge bei Amazon:
Trocken-Hülsenfrüchte (gibts bei keinem Discounter mehr), Niederegger-Marzipan, Schrumpfschläuche und Lötzinn, Kopfrolle fürs Bett (ein Bettenhaus hat sowas nicht am Lager), 1 Minibeamer (20% billiger als bei Media-Schreihals: ich bin doch blöd..., Bluray-DVDs, 2 Hörbücher, 1 Sachbuch, Coffeepress-Kanne von WMF, Lavazzo-Kaffee etc, etc.
Die meisten bestellten Produkte erhalte ich als Prime-Kunde (Jahresgebühr) frachtfrei innerhalb 1-2 Tagen.
Reklamierte Artikel oder bei Nichtgefallen zurück mit kostenlosem Rücksende-Etikett.
Bei Amazon werden Produkte innerhalb der Garantiezeit nicht zur Reparatur irgendwohin geschickt, sondern sofort gutgeschrieben.
Bis die deutschen Luschen kapiert haben, dass da einer mit unbegrenztem Sortiment fast alles blitzartig und auch noch preiswerter liefert, mit perfektem und kulanten After Sales-Service ausgestattet, also kundenorientiert vorgeht, wird man noch viele Insolvenzen erleben.
Daran ändern auch nichts die künstlich ins Leben gerufenen Kampagnen gegen Amazon wg. schlechter Mitarbeiter-Behandlung und angeblichen Hungerlöhnen.
Dieser Laden wird die deutschen Luschen mit ihrem Wegduck-Personal im klassischen Kaufhaus in Grund und Boden stampfen.

Account gelöscht!

14.01.2014, 10:00 Uhr

Also dem Schreiber "statesman" stimme ich zu 100 % zu - der hat es erfasst !
Schon 1998 habe ich gelesen, daß in Zukunft kein Ladengeschäft alle Artikel auf Lager hABEN könne, anders als Online.
Nun sind viele Jahre vergangen - und die Rechnung geht immer weiter auf.
Ich selber - kauf seit langem alles auf eBay und Amazon, auch Kleidung.

Freidenker

14.01.2014, 10:15 Uhr

@statesman

Na wie schön....Ihre Bequemlichkeit bezahlen dann die prekär zutiefst ausgebeuteten Lohnsklaven!!

Es lebe die Bequemlichkeit und der Egoismus im Kapitalismus. Wenn solche Konzerne wie Amazon wachsen, dann werden hier sehr viele Menschen zutiefst verarmen. Macht ja nüschte wa....Hauptsache ich bin geil...

Das das Internet viele Vorteile auf dem Gebiet hat, ist unumstritten. Das Menschen aber dabei auf der strecke bleiben, steht auch ausser Frage! Uns geht die Arbeit aus bzw. will sie keiner mehr gerecht und menschenwürdig bezahlen! Mir tun schon jetzt die Kinder von Morgen leid. Die sich die Schädel wegen dem Kampf um die Arbeit gegenseitig einhauen werden.

Wer bei amazon einkauft ist für mich ein totaler Egoist! Da der Konzern dank Politik KAUM STEUERN IN D BEZAHLT! Wie heißt es so schön...als Deutscher steht es mir zu von einem Deutschen ausgebeutet zu werden...

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