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28.07.2012

17:50 Uhr

Bürokratie bremst

Der Fachkräftemangel blockiert das Wachstum

VonAnja Steinbuch

Viele Firmen würden ihr Personal lieber gestern als heute aufstocken. Die passenden Leute finden sich nur oft nicht in der Heimat. Und wer Mitarbeiter außerhalb der EU sucht, darf sich auf lange Wartezeiten einstellen.

Die deutsche Wirtschaft beklagt den zunehmenden Fachkräftemangel und warnt vor dramatischen Folgen. picture-alliance / Christian Hag

Die deutsche Wirtschaft beklagt den zunehmenden Fachkräftemangel und warnt vor dramatischen Folgen.

HamburgKonstantin Nikulin ist sauer. Obwohl der 41-jährige Gründer der Onlinespiele-Firma Intenium sich bemüht, gelassen zu bleiben, ist ihm seine Verärgerung deutlich anzusehen. Das Hamburger Unternehmen bezeichnet sich selbst als Marktführer für Casual Games, also Spiele, die man auf dem PC oder im Internetbrowser mal eben schnell spielen kann.

Intenium stellt im Schnitt jeden zweiten Tag ein neues Spiel online, verkauft alle 60 Sekunden eine CD-Rom oder DVD mit einem Spiel und beschäftigt 70 Mitarbeiter. Doch es könnten deutlich mehr sein.

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Langweiler mit dicken Hornbrillen und fettigem Haar? Das war mal. Inzwischen sind die Computerspezialisten auf dem Vormarsch, denn der Expertenmangel lässt die Branche zittern. Selbst Quereinsteiger haben gute Chancen.

Das Problem liegt wie so oft in der deutschen Bürokratie. "Wir wollen einige Programmierer und einen Produktionsleiter aus Kaliningrad in unser Entwicklungsteam nach Hamburg holen", erläutert Nikulin. Denn in Deutschland und den EU-Ländern findet er solche Leute nur sehr schwer - "obwohl wir permanent aktiv suchen und bereit sind, sofort neue Mitarbeiter aus Deutschland anzustellen."

Bis Nikulin und seine Kollegen Fachkräfte aus einem Nicht-EU-Land nach Deutschland geholt haben, "dauert es leider mindestens drei Monate oder sogar länger". Dass dem Mittelständler seit vielen Monaten dringend benötigte Fachkräfte fehlen, bremse das Wachstum seiner Firma: "Wir könnten neue Spiele entwickeln und verkaufen, müssen aber warten, weil wir nicht genügend Leute haben."

Um die Programmierer, Produktionsleiter, IT-Administratoren oder Ingenieure aus einem Land, das nicht zur EU gehört, einstellen zu können, müssen Unternehmer in Deutschland ein umständliches Prozedere bewältigen.

Sie müssen Formulare beim deutschen Konsulat einreichen, die Ausländerbehörde einschalten und die Genehmigung der lokalen Arbeitsagentur einholen. Diese schaltet auch noch die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) in Duisburg ein. "Das dauert", weiß Konstantin Nikulin.

Aber ohne Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis darf kein russischer oder indischer Arbeitnehmer zwischen Flensburg und Passau beschäftigt werden.

Kommentare (26)

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Tabu

28.07.2012, 18:20 Uhr

Intenium stellt im Schnitt jeden zweiten Tag ein neues Spiel online, verkauft alle 60 Sekunden eine CD-Rom oder DVD mit einem Spiel und beschäftigt 70 Mitarbeiter. Doch es könnten deutlich mehr sein.
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Da braucht es eigentlich keinen Wachstum..
laßt die Kinder wieder draußen in der Natur spielen.
Gut für die Augen und der Psyche.

Und deren Eltern,sich wieder auf ihre Aufgaben besinnen.

Fehrmann

28.07.2012, 18:23 Uhr

Dies ist doch nichts Neues. Bereits 1970 haben wir mit Hilfe des Arbeitsamtes Arbeitskräfte aus den arabischen Staaten für unseren Betrieb "eingeführt". Es gibt wohl einen großen Unterschied zwischen Arbeitswilligen, die man anlernen kann und die nach einigen Jahren dasselbe wie gute Facharbeiter leisten und die die Meisterprüfung machen. Auf der anderen Seite stehen viele Arbeitslose die außer Verbalbekenntnisse nichts zu bieten haben.

MikeM

28.07.2012, 18:24 Uhr

Es gibt keinen Fachkräftemangel. Wenn überhaupt, dann mangelt es an Arbeitskräften, die bereit sind, für einen Hungerlohn zu arbeiten. Man will die Arbeitskosten mit Hilfe ausländischer Arbeitnehmer drücken. Das ist alles.

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