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25.09.2013

06:31 Uhr

Busch Vakuumpumpen

„Wir machen aus Nichts Geld“

VonMartin Dowideit

ExklusivZu einer Zeit als deutsch-türkische Paare eine Seltenheit waren, heiraten Karl und Ayhan Busch. Gemeinsam formen sie einen Weltmarktführer im Maschinenbau – ohne Kredite und ohne „die Fesseln eines Tarifvertrags“.

Als „Hidden Champion“ von null auf 630 Millionen Euro Umsatz in 50 Jahren: Karl und Ayhan Busch (von links) bauen Vakuumpumpen. Markus Kirchgessner / laif für Handelsblatt

Als „Hidden Champion“ von null auf 630 Millionen Euro Umsatz in 50 Jahren: Karl und Ayhan Busch (von links) bauen Vakuumpumpen.

Maulburg„Bis unsere Konkurrenten gemerkt hatten, dass wir was können – da waren wir schon groß“, sagt Karl Busch. Der Ingenieur hat mit seiner Frau Ayhan in 50 Jahren in aller Verschwiegenheit einen Weltmarktführer des Maschinenbaus geformt. Mit einem Umsatz von 630 Millionen Euro stellt der Betrieb selbst den wesentlich bekannteren Konkurrenten Pfeiffer Vacuum in den Schatten.

Doch auch wenn die Buschs sich schelmisch über die eigene Verschwiegenheit freuen, die sie für Handelsblatt Online jetzt einmal durchbrochen haben: Das Fliegen unter dem Radar hat auch schon Tribut gefordert. Vor etlichen Jahren stand einmal ein Konkurrent zum Verkauf. Aber die Bank, die den Verkauf begleitete, dachte schlichtweg nicht daran, Busch zu informieren.

Die Rolle des „Hidden Champion“, eines versteckten Weltmarktführers, ist bei Busch wörtlich zu nehmen. Selbst die Firmenzentrale in Maulburg im äußersten Südwesten Deutschlands ist zwar teilweise grell orange angepinselt, aber die Größe der Firma wird nicht wirklich deutlich. Konkurrenten zweifeln hinter vorgehaltener Hand sogar an den Umsatzangaben des Konkurrenten.

Das globale Unternehmen hat 2600 Mitarbeiter und Fertigungswerke in acht Ländern. Den Grundstein des Aufstiegs legte eine Entwicklung des Ingenieurs Busch. Er baute 1963 eine Vakuumpumpe, die in Verpackungsmaschinen für die Lebensmittelbranche zum Einsatz kommt (siehe: „Worauf ich stolz bin“). Heute hat Busch in diesem Segment deutlich über 80 Prozent Marktanteil. Eine Kaffeepackung, die beim Öffnen zischt, eine versiegelte Wurstpackung – die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass eine Busch-Pumpe ihren Anteil zur Luftleere im Produkt beigetragen hat. „Wir machen aus Nichts Geld“, sagt Busch.

Fakten zu Busch Vakuumpumpen

Gründungsjahr

1963 im baden-württembergischen Schopfheim. Später Umzug nach Maulburg, nahe Lörrach.

Geschichte

Karl und Ayhan Busch führen die Firma gemeinsam. Das Ehepaar feiert mit dem ersten Produkt Erfolge als Lieferant für Verpackungsmaschinen. Das Wachstum der Firma wird dadurch begünstigt, dass im äußersten Südwesten mehrere Firmen der Branche und auch Kunden angesiedelt sind. Ingenieur Karl Busch entwickelt fortlaufend neue Vakuumpumpen und die Geräte kommen zunehmend in Anwendungen jenseits der Lebensmittelindustrie zum Einsatz. Schon früh entscheidet sich Busch für eine Expanion, gründet in den 1970er-Jahren eine Fertigung in der Schweiz und Großbritannien und eröffnet bereits sehr früh eine Vertretung in China.

Eigner und Führung

Die Firma gehört zu gleichen Teilen jeweils Karl Busch, seiner Frau Ayhan Busch, der Tochter Ayla Busch und den Söhnen Sami und Kaya Busch. Die Kreditaufnahme hat Karl Busch den Gesellschaften verboten. Wachstum finanziert das Unternehmen aus eigener Kraft.

Produkte

Den Grundstein für den Erfolg hat eine „Huckepack-Pumpe“ gelegt, die Karl Busch selbst entwickelt hat. Die R5-Pumpe entwickelte sich zum Kassenschlager und wurde weltweit 2,5 Millionen mal verkauft. Die Anwendungen der Pumpen sind vielfältig: Von der Nachbehandlung von Dampf in Kraftwerken über Hebevorrichtungen für Produktionsstraßen bis hin zur Beschichtung von Flachbildschirmen.

Geschäftsentwicklung

Nach eigenen Angaben setzte die Busch-Holding im Jahr 2013 knapp 400 Millionen Euro um und hat im Durchschnitt der 20 Jahre ab 1992 jedes Jahr durchschnittlich sieben Prozent zugelegt. Beim Umsatz spielt Busch in einer Liga mit Branchengrößen wie Edwards (kürzlich gekauft vom schwedischen Industriekonzern Atlas Copco) oder Pfeiffer Vacuum.

Beschäftigte und Standorte

Busch beschäftigt weltweit in 60 Tochterfirmen in 42 Ländern insgesamt 3000 Mitarbeiter.

Auch in Zukunft soll der Betrieb wachsen, sieben Prozent pro Jahr waren es durchschnittlich seit 1992. Dabei können auch Zukäufe eine Rolle spielen. „Wir haben Geld genug, um zu investieren – auch ohne Kredite“, sagt Ayhan Busch, Mitinhaberin und Geschäftsführerin. In etwa 60 Ländern ist Busch mit Tochterfirmen aktiv, doch überall gilt die Anordnung der Zentrale: Kredite verboten! Nicht die Banker schreckten ihn ab, sagt Busch, die Abhängigkeiten von Geldhäusern aber schon.

Kommentare (27)

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Bewunderer

25.09.2013, 07:03 Uhr

Das Ist ein Unternehmer worauf Deutschland stolz sein darf!!!

Gegen den Strom hoch rudern, mit eigen initiative und beachtsamkeit.

Laesst sich nicht einschuchtern von Mannesmann/Banken, zieht sein eigener Plan.

Respect

Demokrat

25.09.2013, 07:33 Uhr

Es ist mir zwar bewusst, dass sie hier die Meinung eines Unternehmers wiedergeben, jedoch da hier keinerlei Stellung zu genommen wurde und es keinen Artikel mit gegenteiliger Meinung gibt hat der Artikel einen Beigeschmack. Gleichzeitig gibt es einen Nachruf für die verlorenen Stimmen der Wähler von AfD und der FDP.
Mir war natürlich immer bewusst, dass Sie wirtschaftsliberal sind und der FDP nahe stehen aber obwohl die FDP mit Ihrem harten Kurs des Wirtschaftsliberalismus gescheitert ist, stehen Sie als das HB für noch mehr Freiheit und gegen Tarifverträge.
Zumindest lese ich dies zwischen den Zeilen.
Respekt für Ihren Mut, ich denke diese Meinung vertreten in Deutschland noch weniger als 4,8% der Wahlberechtigten :)

Account gelöscht!

25.09.2013, 07:36 Uhr

"...Abneigung gegen Tarifverträge bewahrt... auch die Tariferhöhungen der Gewerkschaft werden nicht eins zu eins umgesetzt."

Diese Haltung ist einer Gründe, warum es Gewerkschaften überhaupt gibt.
Also werden die Einkommensentwicklungen der Mitarbeiter kaum mit der Inflation mithalten, während Herr Schultz die Milliarde Umsatz anpeilt. Ich gehe auch davon aus, dass die Kinder der Angstellten nicht in Harvard studieren können: dafür dürfte die "Sorge" des Arbeitgebers dann doch nicht ausreichen... .

Erfolgreich, ja, Vorbildlich?: Nein.

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