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20.01.2010

08:35 Uhr

Carl von Linde

Pionier, Gelehrter, Unternehmer

VonWolfgang Gillmann

Das Handelsblatt ehrt weitere Pioniere der Wirtschaft und nimmt sie posthum in die Hall of Fame der Familienunternehmen auf. Heute: Carl von Linde. Wechsel zwischen anwendungsorientierter Forschung an der Universität und erfolgreicher Unternehmertätigkeit machen ihn einzigartig, den Forscher, Gelehrten und Unternehmer.

Carl von Linde im Alter von 26 Jahren, als junger Professor. Später machte er als Unternehmer Karriere. (Quelle: pr) Pressebild

Carl von Linde im Alter von 26 Jahren, als junger Professor. Später machte er als Unternehmer Karriere. (Quelle: pr)

DÜSSELDORF. Dass Wissenschaftler von der Universität in die Wirtschaft wechseln und ihre eigenen Unternehmen gründen, ist heute keine Seltenheit. Dass die Unternehmer dann wieder in die Forschung wechseln, ist eher die Ausnahme. Carl von Linde hat beides schon vor über einhundert Jahren getan. Er ging als junger Ingenieur an die Universität, gab dann die gesicherte Beamtenlaufbahn wieder auf und gründete sein eigenes Unternehmen. Nach zehn Jahren kehrte er an die Hochschule zurück, blieb seinem Unternehmen aber als Aufsichtsratsvorsitzender verbunden und kontrollierte weiter die Geschicke seiner erfolgreichen Firma.

Diese Wechsel zwischen anwendungsorientierter Forschung an der Universität und erfolgreicher Unternehmertätigkeit machen ihn einzigartig, den Forscher, Gelehrten und Unternehmer. „Lindes Leben liest sich wie ein versuchter Beweis der gegenseitigen Durchdringung von Theorie und Praxis“, schreibt Hans-Liudger Dienel in seinem Buch „Die Linde AG“.

Doch nicht nur das: Linde war als Unternehmer und Bürger Symbolfigur der deutschen Gründerzeit, er gehörte dem Kuratorium der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften an, 1903 war er an der Gründung des Deutschen Museums beteiligt, das sein Herzensanliegen wurde. 1897 mit dem Verdienstorden der Bayerischen Krone ausgezeichnet, wurde er als einer der großen deutschen Forscher-Unternehmer 1916 erster Preisträger des Siemens-Rings.

Dabei ist Carl Linde (den Adelstitel erhielt er erst 1897) weder die wissenschaftliche Laufbahn noch die Unternehmertätigkeit bei seiner Geburt am 11. Juni 1842 im oberfränkischen Berndorf in die Wiege gelegt worden. Er wächst auf in Kempten als drittes von neun Kindern im bescheidenen Hause eines evangelischen Pastors, der ihn im Geiste des protestantischen Arbeitsethos’ erzieht und ihn Theologie studieren lassen will.

Begeisterung für Turbinen und Dampfmaschinen

Doch der Junge begeistert sich für die Turbinen und Dampfmaschinen in der Wollspinnerei einer befreundeten Familie. Der Vater genehmigt ihm das Studium des Maschinenbaus und der Sohn wählt die damals beste Hochschule aus: das Eidgenössische Polytechnikum Zürich. „Dem bestimmt ausgesprochenen Wunsche, Maschinenbauer zu werden, setzte übrigens mein Vater keinen Widerspruch entgegen, dagegen konnte ich die Erlaubnis zum Besuche des Zürcher Polytechnikums nur schwer erlangen“, schreibt Linde in seinem Buch „Aus meinem Leben und von meiner Arbeit“.

Trotz guter Studienleistungen schließt Linde die Universität ohne Diplom ab. Er wird wegen der Beteiligung an einem Studentenprotest zwangsexmatrikuliert, erhält aber Empfehlungsschreiben von zwei Professoren. Diese nutzen ihm mehr als ein Diplom: „Niemals bin ich nach jenem Diplome gefragt worden, während die beiden Zeugnisse mir wesentliche Dienste geleistet haben“, schreibt Linde in seinen Erinnerungen. Die Empfehlungen und Zeitungsausschnitte, die ihm der Vater schickt, verhelfen Linde zu seinen ersten Stellen in der Industrie, zunächst bei den Berliner Borsig-Werken, dann bei der neuen Lokomotiv-Fabrik Krauss in München.

Obwohl er nur zwei Jahre Erfahrung im Bau von Lokomotiven hat und erst 24 Jahre alt ist, bewirbt er sich gleich um die Leitung des Konstruktionsbüros – und erhält die Stelle. 1868 wechselt Linde von der Industrie an die Hochschule. Gegen den Willen der Ministerialbürokratie, aber dank der Förderung des Gründungsprofessors Carl Maximilian Bauernfeind wird Linde außerordentlicher Professor und zwei Jahre später ordentlicher Professor für Maschinenlehre an der Universität in München – der einzige Hochschullehrer, der aus der Privatwirtschaft berufen wird. Hier legt er das Fundament für seine Unternehmerlaufbahn.

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