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27.01.2011

09:40 Uhr

Christian Blüthner-Haessler

„Liszt und Mahler haben sich vom Blüthner-Ton inspirieren lassen“

VonMarie-José Kann-Hüting, Creditreform
Quelle:Creditreform-Magazin

Im 19. Jahrhundert zählte die Julius Blüthner Instrumentenmanufaktur zu den größten europäischen Klavierbauern. 1994 übernahm Christian Blüthner-Haessler in fünfter Generation die Geschäftsführung der "Blüthner Pianofortefabrik". Im Interview erklärt der Familienvater, warum er dafür seinen Arztkittel an den Nagel gehängt hat und BWL studierte.

Christian Blüthner-Haessler: "Leipzig hat mit seiner Musikgeschichte ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland." Pressebild

Christian Blüthner-Haessler: "Leipzig hat mit seiner Musikgeschichte ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland."



In der Musikstadt Leipzig gründete im Jahr 1853 der Tischlermeister Julius Blüthner eine Instrumentenmanufaktur. Seither haben mehr als 150 000 Instrumente die Leipziger Produktionsstätten verlassen und wurden in alle Welt geliefert. Im 19. Jahrhundert zählte das Unternehmen zu den größten europäischen Klavierbauern. Und selbst in der DDR-Volkswirtschaft war das 1972 verstaatlichte Unternehmen der renditestärkste Devisenbringer.

Seit 1990 ist die Firma wieder im Familienbesitz. 1994 übernahm Christian Blüthner-Haessler in fünfter Generation die Geschäftsführung der "Blüthner Pianofortefabrik". Er kam über Umwege in das Unternehmen: Zunächst studierte er Medizin und arbeitete im Ausland als Urologe. Aber er hängte den Arztkittel an den Nagel und studierte BWL, um für Führungsaufgaben im väterlichen Unternehmen fit zu sein. Und die Firmengeschichte wird hoffentlich fortgeschrieben. Die nächste Blüthner-Generation wächst jedenfalls schon heran: Christian Blüthner-Haesslers dreijährige Tochter und die drei Kinder seines Bruders Knut.



Herr Dr. Blüthner-Haessler, vor 16 Jahren wurden Sie von Ihrer Mutter nach Leipzig ins Familienunternehmen gerufen. Sie waren zu dieser Zeit aufstrebender Mediziner in einem schweizerischen Krankenhaus. Was hat Sie zur Heimkehr und zum Bleiben veranlasst?

Den Grundstein dafür habe ich in die Wiege gelegt bekommen. Blüthner ist ein Kulturgut. Komponisten wie Liszt, Debussy, Prokofjew oder Mahler haben sich ausschließlich vom Blüthner-Ton inspirieren lassen. Diese Tradition fortzusetzen, ist keine Verpflichtung, es ist eine Ehre.

In fünfter Generation führen Sie nun gemeinsam mit Ihrem Bruder Knut, einem gelernten Klavierbaumeister, die Geschäfte der Blüthner Pianofortefabrik. Was bedeutet Familientradition für Sie?

Das Bewusstsein für die wichtigen Dinge zu schärfen und dies der nächsten Generation weiter zu vermitteln, sind Kernelemente jeglicher Tradition von Dauer.

Als Chef eines Unternehmens mit internationalen Niederlassungen und Präsident der deutschen Klavierbauer ist Ihr Termin kalender sicher sehr gefüllt. Gibt es ab und zu noch einen freien Platz? Und wofür?

Als Erstes kommt meine Familie, mit der ich jede freie Minute verbringe, dies geschieht bei Hausmusik genauso wie auf dem Golfplatz.

Sie haben die Vision, dass Leipzig wieder seine historische Bedeutung als Musikstadt zurückgewinnt. Wie realistisch ist diese Vorstellung?

Leipzig hat mit seiner Musikgeschichte sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland und zählt bis heute zu Recht zu den Metropolen in Punkto Musik. Die Stadt bietet schon heute Musik auf allerhöchstem Niveau und dies das ganze Jahr über. Auch Blüthner trägt dazu bei, wir veranstal ten regelmäßig Klavierabende mit internationalen Preisträgern und sehen uns mit in der Verantwortung.

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