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04.07.2013

13:26 Uhr

Creditreform

Firmenpleiten in Deutschland steigen im Halbjahr

Ein Durchhänger beim Export und das Hochwasser in Süd- und Ostdeutschland fordern ihren Tribut. Erstmals seit 2009 gibt es wieder mehr Insolvenzen in Deutschland. Kleine Betriebe sind besonders betroffen.

Elbe-Hochwasser in Sachsen-Anhalt: Einige Unternehmen müssen nach den Überflutungen ihren Betrieb einstellen. dpa

Elbe-Hochwasser in Sachsen-Anhalt: Einige Unternehmen müssen nach den Überflutungen ihren Betrieb einstellen.

BerlinDie Konjunkturdelle und das Hochwasser in Deutschland treiben wieder mehr Firmen in die Pleite. Im ersten Halbjahr meldeten rund 15.430 Unternehmen Insolvenz an und damit 3,4 Prozent mehr als vor Jahresfrist, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Donnerstag mitteilte. Für das Gesamtjahr erwarten die Experten erstmals seit dem Rezessionsjahr 2009 wieder einen Anstieg der Pleiten. „Wir rechnen mit 30.000 bis 31.000 Firmeninsolvenzen“, sagte Creditreform-Chefökonom Michael Bretz. Das wäre ein Zuwachs zwischen sechs und knapp zehn Prozent. Grund sei die Konjunkturschwäche im Winterhalbjahr 2012/13 und als Sondereffekt das Hochwasser im Süden und Osten. „Das wird sich bemerkbar machen.“ Im vorigen Jahr waren die Insolvenzen noch um sechs Prozent auf den tiefsten Stand seit 2000 gesunken.

Das schlechtere Konjunkturumfeld macht laut Creditreform vor allem dem Mittelstand und sehr kleinen Betrieben zu schaffen. Hier habe es vergleichsweise mehr Pleiten gegeben, die Zahl größerer Unternehmensinsolvenzen hingegen sei spürbar gesunken. Mit einem Anstieg von mehr als zehn Prozent traf es überdurchschnittlich viele Betriebe im Verarbeitenden Gewerbe. Grund sei die Exportschwäche gewesen. Auch im Handel mussten gut fünf Prozent mehr aufgeben als im ersten Halbjahr 2012.

Welche Management-Fehler fatal für Firmen sein können

Fehler eins

Frühwarnsignale, z.B. für Markt- oder technologische Veränderungen, werden nicht wahrgenommen oder sogar aktiv verdrängt.

Fehler zwei

Regulatorische und politische Einflüsse auf die künftige Unternehmensentwicklung werden systematisch unterschätzt.

Fehler drei

Markt- und Kundenveränderungen werden im Vorstand nicht (hinreichend) analysiert und diskutiert.

Fehler vier

Geschäftsmodelle werden nicht kritisch reflektiert.

Fehler fünf

Man hält zu lange an traditionellen (und bislang erfolgreichen) Vorgehensweisen fest.

Fehler sechs

Es mangelt an Mut, gegen die herrschende Meinung zu argumentieren.

Fehler sieben

Bei spürbaren Veränderungen wird zu zögerlich gehandelt, man ergeht sich in Aktionismus und Effekthascherei "auf der Bühne" ohne konkrete Maßnahmen.

Fehler acht

Es fehlt eine klar und überzeugend kommunizierte Veränderungsvision und Strategie.

Quelle

Umfrage unter Partnern von Roland Berger Strategy Partners. Zitiert in „Gute Führung“ von Burkhard Schwenker und Mario Müller-Dofel. Erschienen 2012 bei BrunoMedia Verlag.

Die Insolvenzschäden stiegen insgesamt leicht auf 16,5 Milliarden Euro. „Vor allem die privaten Insolvenzgläubiger wie Lieferanten und Kreditgeber mussten höhere Ausfälle verkraften“, erklärte Creditreform. Bundesweit seien 148.000 Arbeitslätze wegen einer Insolvenz des Arbeitgebers gefährdet oder abgebaut worden. Dies sei etwas weniger als 2012, als 150.000 Beschäftigte um ihren Job fürchteten. „Hier machte sich der Rückgang von Großinsolvenzen positiv bemerkbar.“ Für eine der größten Pleiten im vorigen Jahr sorgte die Drogeriekette Schlecker. Auch mehrere Solarunternehmen mussten aufgeben.

Bei den Verbraucherinsolvenzen gab es in den ersten sechs Monaten Creditreform zufolge einen Rückgang um 4,2 Prozent auf knapp 48.000. Für 2013 erwartet Bretz rund 100.000 private Pleiten und damit in etwa so viele wie im vergangenen Jahr.

Von

rtr

Kommentare (1)

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OttmarK

07.07.2013, 22:47 Uhr

Konjunkturdelle hin oder her. Ein Unternehmen kann aus verschiedenen Gründen in eine etwas schwierige Phase kommen. Das geschieht häufiger als man denkt. Dies sind keine aussichtslosen Situationen. Wichtig ist zeitnahes handeln. Denn hierfür gibt es spezielle Programme, die schlimmeres verhindern können. Einfach mit den Industrie und Handelskammern sprechen. Oder einfach erlesen unter http://www.foerdermittel-deutschland.de/foerdermittel/sanierung-restrukturierung
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