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24.01.2007

20:39 Uhr

Cryotec Anlagenbau

Von Bennewitz nach Bagdad und zurück

VonHeike Baldauf

Vor einem Jahr wurden zwei Ingenieure der Leipziger Firma Cryotec im Irak entführt. Sie hatten einen Millionenauftrag abschließen wollen, als sie in die Gewalt von Bewaffneten gerieten. Seitdem schickt Geschäftsführer Peter Bienert keine Mitarbeiter mehr in den Irak. An dessen Markt glaubt er dennoch weiter. Eine Handelsblatt-Reportage.

Schickt niemanden mehr in den Irak: Anlagenbau-Firma Cryotec im sächsischen Bennewitz. Foto: dpa dpa

Schickt niemanden mehr in den Irak: Anlagenbau-Firma Cryotec im sächsischen Bennewitz. Foto: dpa

BENNEWITZ. Peter Bienert kann wieder lachen. Herzlich, laut. Noch vor einem Jahr wäre der Geschäftsführer der kleinen Firma Cryotec in Bennewitz bei Leipzig am liebsten im Boden versunken. Vor Selbstzweifel, vor Machtlosigkeit, vor Angst um das Leben von zwei seiner 15 Angestellten.

Am 24. Januar 2006, heute vor einem Jahr, waren die Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nitzschke im Nordirak entführt worden. Bienerts Mitarbeiter hatten in der Industriestadt Baidschi einen Millionenauftrag für Cryotec abschließen wollen, als sie in die Gewalt von Bewaffneten gerieten. 99 Tage verbrachten sie in Erdlöchern, ehe sie – nach 27 Mahnwachen Leipziger Bürger und wohl einer Lösegeldzahlung durch die Bundesregierung – freikamen.

Heute schickt Peter Bienert keine Mitarbeiter mehr in den Irak. Im Geschäft mit dem Land blieb Cryotec dennoch: „Der Irak ist für uns der Haupthandelspartner“, sagt Bienert.

Was eine kleine Firma für diesen Markt braucht? Improvisationsgabe, Geduld und Durchhaltewillen, ein gutes Produkt, Gespür für die irakische Geschäftskultur – und eine nüchterne Abschätzung der Risiken.

Cryotec-Geschäftsführer Bienert bringt all das mit. Als Reisekader des VEB Maschinenfabrik Wurzen, des Vorgängers der Cryotec Anlagenbau GmbH, vertrat er schon die DDR in der Golfregion. Die engen Kontakte zur arabischen Geschäftswelt hat er bis heute halten können, obwohl er selbst kein Arabisch spricht.

Die Entführung seiner beiden Kollegen brachte seine Firma dennoch an den Rand der Pleite, weil das Eine-Million-Euro-Projekt in Baidschi nicht anlaufen konnte. Keine Vertragserfüllung, kein Geld: Das gilt auch im Irak. Ein Kredit half Cryotec über die Notlage hinweg. CDU-Parteifreunde Bienerts hatten bei den Banken ein gutes Wort eingelegt.

Cryotec stellt Anlagen zur Komprimierung und Lagerung von Industriegasen wie Sauerstoff und Stickstoff her. Der Clou: Die Gase werden direkt aus der Luft gewonnen. Ölfirmen nutzen sie, um sie über Erdölprodukte zu legen und so deren Explosionsgefahr zu verringern – wie die Raffinerie von Baidschi im Nordirak.

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