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25.10.2011

09:53 Uhr

Darf es etwas weniger sein?

Familienunternehmen und ihre geheimen Karten

VonUlf Sommer

Kennzahlen? Von wegen. Familienbetriebe sind mit der Veröffentlichung von Bilanzen so geizig wie es eben nur geht. Vor allem Einzelhändler. Denn die Konkurrenz soll im Dunkeln tappen - und die Erben möglichst auch.

Besonders Einzelhändler lassen sich ungern in die Tüten schauen. dpa

Besonders Einzelhändler lassen sich ungern in die Tüten schauen.

DüsseldorfNicht nur der Familienbetrieb um die Ecke, auch Giganten wie der weltgrößte Rohstoffhändler Vitol veröffentlichen über den Umsatz hinaus keine Kennzahlen. Andere Unternehmen präsentieren mehr Daten und Fakten – allerdings oft mit ganz eigener Prägung.

So veröffentlichte Ikea im vergangenen Jahr das erste Mal in seiner 68-jährigen Firmengeschichte eine Art Bilanz. Doch mit dem Geschäftsbericht eines börsennotierten Konzerns haben die 27 Seiten wenig gemein: spärlicher Text, dafür viele Bilder und Sonderangebote. „Immer mehr Menschen wollen mehr über Ikea erfahren“, begründen die Schweden ihre Entscheidung, die „wichtigsten Entwicklungen des letzten Jahres“ künftig vorzustellen.

Zweifellos, ein wenig mehr darf es schon sein. Denn auch in der neuen Zeitrechnung mit Gewinn, Cash, Schulden und Umsatz nach Regionen lässt sich die Möbelhauskette nicht wirklich in die Karten schauen. Angaben zu Marketingbudgets, Preiskalkulationen, Zielgruppen oder Verkaufszahlen auf Produktebene werden nicht veröffentlicht.

Am wenigsten Details geben zweifellos die Einzelhändler preis. Bei Aldi und der Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) basiert sogar der Umsatz nur auf Schätzungen. Weniger geht nun wirklich nicht.

Möglich ist derart viel Verschwiegenheit, wenn sich eine Personengesellschaft in viele kleine eigenständige Firmen aufteilt, um so der Publizitätspflicht zu entkommen. Als Grund für ihren Eifer nach wenig Kommunikation verweisen die Firmen stets auf Wettbewerber. Diese möchte niemand schlau machen.

Doch es gibt noch eine weitere Ursache für die geringe Transparenz. „Genauso wenig wie nach außen wollen viele Familienunternehmen auch nach innen ihre Vermögensverhältnisse offenlegen“, sagt Tom Rüsen, geschäftsführender Direktor des Instituts für Familienunternehmen an der Uni Witten-Herdecke. Der Grund: Die Erben und künftigen Bosse sollen möglichst spät vom Reichtum erfahren, „damit das große Vermögen Firma und Menschen nicht verdirbt“.

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