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03.01.2009

10:33 Uhr

Darlehen

Kredit vom Chef

VonCarmen Salvenmoser

Arbeitgeberdarlehen sind für Mitarbeiter nicht nur eine günstige Alternative zum Bankkredit. Häufig verzichtet der Chef auch auf Sicherheiten, die Rückzahlkonditionen meistens flexibel. Auch wenn mittelständische Betriebe sich zurückhaltender zeigen als Konzerne – den Vorteil der Darlehen haben sie längst erkannt: Geld vom Chef bindet die besten Mitarbeiter an den Betrieb.

Wenn Angestellte frisches Geld brauchen, können sie auch ihren Chef fragen. Foto: Archiv

Wenn Angestellte frisches Geld brauchen, können sie auch ihren Chef fragen. Foto: Archiv

KÖLN HB. Das neue Auto ist schon ausgesucht, die Eigentumswohnung bereits besichtigt und das Dolby-Surround Heimkino-System im Katalog markiert – doch noch fehlt das nötige Kleingeld für den Kauf. Ist ein Mitarbeiter knapp bei Kasse und der Kredit bei der Bank zu teuer, springt häufig der Chef mit einem Arbeitgeberdarlehen ein.

Was in großen Konzernen schon lange üblich ist, gestaltet sich im Mittelstand noch schwierig. Denn der Verwaltungsaufwand von Arbeitgeberdarlehen sei Familienbetrieben oft zu groß, die Buchhaltung müsse sich laufend darum kümmern, sagt Rolf Leuner, Steuerberater bei Rödl & Partner in Nürnberg. Erschwerend komme jetzt noch die Wirtschaftskrise hinzu, gibt der Kölner Rechtsanwalt Fenimore von Bredow zu Bedenken: „Es dürfte derzeit schwieriger als sonst sein, mittelständische Unternehmer dazu zu bewegen, zinsgünstige Darlehen zu vergeben. Sie sind selber auf Kredite seitens der Hausbanken angewiesen, und die benötigen ihrerseits häufig dringend Geld.“

Aber auch in wirtschaftlich guten Zeiten sind die begehrten Darlehen längst nicht für alle Mitarbeiter erhältlich: Die geregelten Sonderkonditionen stehen meistens nur langjährigen Angestellten und Führungskräften zur Verfügung. So haben rund 15 Prozent der leitenden Mitarbeiter in Deutschland die Möglichkeit, einen Kredit vom Chef zu bekommen. Das belegen Zahlen der Unternehmensberatung Kienbaum. Im Durchschnitt leihen sich die Mitarbeiter 25000 Euro und zahlen dafür moderate fünf Prozent Zinsen.

Denn attraktiv sind Arbeitgeberdarlehen vor allem, weil sie oft zinslos oder mit besonders günstigem Zinssatz gewährt werden. Die Rückzahlung funktioniert wie bei der Bank: Über eine vereinbarte Laufzeit tilgt der Mitarbeiter den Kreditbetrag - oder lässt die Rate von seinem monatlichen Gehalt abziehen. Weiterer Vorteil: Der Arbeitgeber verzichtet im Gegensatz zur Bank häufig auf Sicherheiten.

Kienbaum-Vergütungsexperte Tom Feldkamp weiß, dass Unternehmer die Kredite nicht aus Selbstlosigkeit gewähren: „Mit einem vergünstigten Darlehen wollen sie Mitarbeiter an sich binden“, sagt Feldkamp, „Wer einen Kredit von seinem Arbeitgeber aufgenommen hat, wird das Unternehmen schließlich nicht so schnell verlassen.“ Rechtsanwalt von Bredow nennt ein zweites Motiv für den Geldsegen: „Der Unternehmer will seine Arbeitnehmer ganz einfach für ihre Betriebstreue belohnen.“

Doch Arbeitgeberdarlehen haben auch einen Nachteil für die Angestellten: Wer Zinsen unter dem aktuellen Marktniveau zahlt, muss das als geldwerten Vorteil versteuern – laut einem aktuellen Schreiben des Bundesfinanzministerium an die Finanzbehörden der Länder allerdings erst dann, wenn der Zinssatz niedriger ist als beim günstigsten hierzulande gebotenen Kredit mit vergleichbarer Laufzeit. Und eine zweite Auflage gilt laut Rechtsanwalt von Bredow: Das Geld vom Chef darf nicht dazu verwendet werden, Waren des Arbeitgebers zu kaufen. „Dem Arbeitnehmer eigene Produkte auf Kredit zu verkaufen und die Raten vom Lohn abzuziehen ist unzulässig.“

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