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25.09.2011

10:08 Uhr

Deloitte, E&Y, PwC

Wirtschaftsprüfer verbünden sich gegen Brüssel

VonDieter Fockenbrock

Damit Brüssel nicht den Wettbewerb innerhalb der Branche beschneidet, gehen mittelständische Wirtschaftsprüfer nach langem Ringen gemeinsam gegen entsprechende EU-Regeln vor. Dabei drängen sie vor allem auf Transparenz.

Gemeinsam mit Deloitte, E&Y und PwC dominiert KPMG den Prüfmarkt. action press

Gemeinsam mit Deloitte, E&Y und PwC dominiert KPMG den Prüfmarkt.

FrankfurtEin Jahr haben die mittelständischen Wirtschaftsprüfer um eine gemeinsame Stimme gerungen. Jetzt schalten sie sich offiziell in die Debatte um die geplanten neuen Regeln der Europäischen Kommission für ihren Berufsstand ein. "Die Diskussion geht jetzt erst richtig los", sagt Jens Poll von der Prüfungsgesellschaft Moore Stephens.

Gemeinsam mit Grant Thornton, Baker Tilly, Crowe Horwath, PKF, Nexia und Mazars will Moore Stephens vor allem verhindern, dass im Regulierungseifer Brüssels der Wettbewerb in der Branche untergeht. Die EU-Kommission will mit den neuen Regeln die hohe Marktkonzentration in der Branche aufbrechen.

Weltweit wird das Geschäft mit den Abschlussprüfungen der Unternehmen von Deloitte, Ernst&Young, KPMG und PwC dominiert. Diese sogenannten Big Four konzentrieren 90 Prozent des gesamten Marktes auf sich. In Deutschland sind es sogar nur drei Marktführer, die die interessanten Topmandate in den Dax-Konzernen unter sich aufteilen. Deloitte mischt hier zurzeit nicht mit.

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier hatte vor knapp einem Jahr sein Grünbuch mit Vorschlägen zur Regulierung des Wirtschaftsprüfermarkts vorgelegt. Seitdem ist die Branche in Aufregung.

Wirtschaftsprüfer unter Druck

„The Big Four“

„The Big Four“ werden sie genannt, die vier großen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsunternehmen, wie man sie exakt bezeichnet. Nun will die EU ihre Macht beschränken. Die vier großen Wirtschaftsprüfer beschäftigen allein in Deutschland über 30.000 Mitarbeiter.

PwC

Pricewaterhouse Coopers ist in Deutschland Marktführer. 1,34 Milliarden Euro macht der US-Konzern 2010 hierzulande an Umsatz – und das mit 8.637 Mitarbeitern.

PwC

PwC wurde 1848 in London gegründet, hat heute aber seinen Hauptsitz in New York. 2010 machte der Konzern weltweit einen Umsatz von 26,6 Milliarden Dollar und beschäftigte rund 160.000 Mitarbeiter.

KPMG

Auf Rang zwei liegt in Deutschland KPMG mit einem Umsatz von 1,19 Milliarden Euro. 8.270 Mitarbeiter beschäftigt KPMG hierzulande.

KPMG

KMPGs Sitz ist in der Schweiz, die Hauptverwaltung liegt allerdings im kanadischen Toronto. Weltweit gesehen liegt der Konzern mit 140.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 20,6 Milliarden Dollar auf Rang drei.

Ernst & Young

Denn Ernst & Young ist mit einem Umsatz von 21,3 Milliarden Dollar etwas größer. Die Mitarbeiterzahl liegt mit 141.000 praktisch gleichauf mit dem Konkurrenten KPMG. Ernst & Young hat seinen Hauptsitz in New York.

Ernst & Young

In Deutschland macht Ernst & Young einen Umsatz von 1,06 Milliarden Euro und liegt damit auf dem dritten Platz. 6.776 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen hierzulande.

Deloitte

Die Nummer vier folgt mit einigem Abstand: Deloitte kommt in Deutschland „nur“ auf einen Umsatz von 577 Millionen Euro und beschäftigt 4.602 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr wollte Deloitte Roland Berger kaufen, um das Beratungsgeschäft auszubauen. Aber der Deal scheitere am Widerstand der Berger-Partner.

Deloitte

Im weltweiten Vergleich ist Deloitte aber die Nummer zwei mit einem Umsatz von 26,6 Milliarden Dollar. 170.000 Mitarbeiter beschäftigt das US-Unternehmen.

BDO

Auf Platz fünf liegt in Deutschland BDO. Doch der Abstand ist enorm: BDO macht hierzulande einen Umsatz von 180 Millionen Euro.

Rödl & Partner

Auf Rang sechs folgt Rödl & Partner mit einem Umsatz von 135,5 Millionen Euro. Immerbin sind das acht Prozent mehr als 2009.

Ecovis

Ecovis konnte zulegen, und zwar um rund vier Prozent und kommt nun auf einen Umsatz von 107 Millionen Euro.

Ebner Stolz Mönning Bachem

Langer Name, großer Zuwachs: Ebner Stolz Mönning Bachem hat seinen Umsatz im Jahr 2010 um über zwölf Prozent auf 106 Millionen Euro gesteigert.

Rölfs

Auf Platz neun liegt Rölfs mit einem Deutschland-Umsatz von 84 Millionen Euro. Das bedeutet ein Minus von sieben Prozent im Vergleich zu 2009.

PKF Fasselt Schlage

In die Top Ten hat es auch PKF Fasselt Schlage. Das Unternehmen kommt in Deutschland auf einen Umsatz von 56 Millionen Euro.

Die Mittelstandsinitiative mit PKF und Co. hat nun einen Forderungskatalog vorgelegt, der in weiten Teilen den Vorstellungen der EU-Kommissare entgegensteht und nicht nach dem Geschmack der Marktführer sein dürfte.

Die mittelständischen Prüfer wollen, dass Mandate künftig alle acht Jahre neu ausgeschrieben werden. Wichtig ist ihnen vor allem Transparenz bei den Auswahlkriterien. Den Vorschlag von Barnier, eine Rotation zu erzwingen, lehnen sie ab. Das könnte die Marktkonzentration noch weiter erhöhen, weil die Mandate nur unter den großen vier getauscht werden, befürchten die Mittelständler.

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