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14.01.2010

22:11 Uhr

Deutsche Bank

Mittelstand erhält Eigenkapitalfonds

VonPeter Köhler, Oliver Stock

Der deutsche Mittelstand soll bereits im ersten Quartal auf einen Fonds zur Stärkung des Eigenkapitals der Firmen zugreifen können. Einen entsprechenden Zeitplan kündigte der Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, am Donnerstagabend auf dem Neujahrsempfang des Instituts in Berlin an. Nun wartet er auf weitere Einzahler.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Die Erholung ist noch fragil. Reuters

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Die Erholung ist noch fragil.

FRANKFURT. In Frankfurter Finanzkreisen hieß es, das Vorhaben sei "auf gutem Wege", es gebe keine Verzögerungen. Details lägen den zuständigen Ministerien seit Weihnachten vor. Die Maßnahme sei der richtige Stellhebel, um die Finanzierungsprobleme der Firmen zu lindern.

Der Präsident des Industriebranchenverbandes (BDI), Hans-Peter Keitel, hatte Ackermann zuvor Tatenlosigkeit vorgeworfen. Er habe bislang kein Konzept für so einen Fonds gesehen. "Es wäre schade, wenn es bei einem Ankündigungseffekt bleiben würde", sagte er. Mehr Eigenkapital würde die Chancen auf Kredite erhöhen.

Der Fonds wird nach Auskunft der Deutschen Bank von ihr zunächst wie angekündigt mit 300 Mio. Euro ausgestattet. Andere Banken können sich an ihm beteiligen. Bislang sind nach Informationen aus Finanzkreisen aber noch keine weiteren Einzahler in Sicht. Das sei noch eine ziemliche "Soloveranstaltung der Deutschen Bank". Allerdings komme es jetzt auf die Konstruktion an. Je offener der Fonds gestaltet werde, desto eher werden sich weitere Einzahler finden.

Ackermann hatte auf dem Konjunkturgipfel bei Kanzlerin Angela Merkel Anfang Dezember vorgeschlagen, einen Eigenkapitalfonds zu schaffen, um Mittelständlern befristet nachrangiges Kapital zuzuführen. Banken und Versicherer sollten in den Fonds einzahlen.

Nach Angaben aus Finanzkreisen reagierten die anderen Kreditinstitute darauf zunächst verstimmt. Das sei nur mit der Kanzlerin abgestimmt gewesen, hieß es. Vertreter der Sparkassen machten dem Deutsche-Bank-Chef außerdem das Copyright für die Idee streitig. Die Initiative sei ursprünglich von den Sparkassen ausgegangen. Sie wollen ein Eigenkapitalprogramm in Form von Nachrangdarlehen auflegen. Die Mittel haben Eigenkapitalcharakter und würden damit die Chancen der Unternehmen erhöhen, Kredite zu erhalten.

Erholung noch fragil

Auch zur Konjunkturentwicklung äußerte sich Ackermann am Abend: "Die Erholung ist noch fragil und keineswegs selbsttragend." Selbstkritisch fügte er außerdem an, die Banken seien den Bürgern in diesem Jahr einiges schuldig. "Die Finanzinstitute weltweit haben in der Krise nicht nur viel Kapital verloren, sondern noch mehr Vertrauen. Dieser Verlust wiegt schwer. Um verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen, dürfen sich die Banken vor einer gesellschaftlichen Diskussion ihrer Verantwortung für die Krise und den Lehren, die sie daraus ziehen, nicht wegducken." Banken seien Teil der Gesellschaft, könnten in einer Parallelwelt nicht gedeihen und brauchten die Zustimmung der Menschen. Allerdings seien Vorwürfe falsch, dass die Banken keine Lehren aus der Krise gezogen hätten.

Kommentare (2)

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Watchdog

15.01.2010, 06:29 Uhr

Herr Ackermann....nicht nur die banken haben viel Kapital verloren. Ganz besonders haben Herr und Frau Musterkunde Geld verloren durch "schlechte Arbeit" der banken. Und die Kunden verlieren noch weiter. Da die banken nun am Tropf der SoFin haengen duerfen Sie nun auch keine Zinsen mehr auf Genusscheine bezahlen. Doch auf de anderen Seite "begluecken" sich die investmentbanker wieder mit immensen Gehaeltern. Man muss das auch verstehen, denn diese haben ja auch Ausgaben, kosten fuer das Sportcoupe', Yacht usw. Da muss man was tun. Herr und Frau Musterkunde haben ja Hartz 4.

Ackermann's Schmuserunde um Kundenvertrauen wieder zurueckzubekommen reicht nicht aus, zudem er mit "gespaltener Zunge" spricht. besser waere es, er wuerde keine Kommentare abgeben und seine Hausaufgaben machen.

michael

15.01.2010, 11:01 Uhr

Die Konstruktion würde mich auch interessieren.
Ein Darlehen ist ein Darlehen. Was ändert die Nachrangigkeit daran? Damit ist es eben kein Eigenkapital, und die tatsächliche Verschuldung steigt.
Als nachrangig besichertes Darlehen müßte es ja teurer sein, da das Risiko für den investor steigt.
Wenn ich das nun richtig verstehe, sollen Unternehmer, die derzeit keinen Kredit erhalten, zuerst das teure Darlehen aufnehmen, um damit dann der ersehnten Kredit zu bekommen?
Wer, außer den investoren, hat etwas davon?

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