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22.10.2013

06:47 Uhr

Develey Senf & Feinkost

„Wir müssen jedem Senfkorn hinterherlaufen“

VonMartin Dowideit

Als Lieferant von McDonald’s ist der Löwensenf- und Gurkenproduzent Develey groß geworden. Geschäftsführer Michael Durach spricht über „Los Wochos“, deftige Saucen – und verrät, warum er keine Unternehmensberater mag.

Michael Durach (Bild) vertritt den Saucen- und Senfhersteller Develey nach außen. Sein Bruder und Mit-Geschäftsführer Stefan Durach gibt den „Innenminister“. Thomas Einberger für Handelsblatt

Michael Durach (Bild) vertritt den Saucen- und Senfhersteller Develey nach außen. Sein Bruder und Mit-Geschäftsführer Stefan Durach gibt den „Innenminister“.

UnterhachingVor der Senffabrik von Develey in Unterhaching ist ein Parkplatz direkt am Eingang immer reserviert – für McDonald's. Mitarbeiter des Fast-Food-Konzerns kommen ständig vorbei, um etwa neue Aktionen zu besprechen. Denn seit mehr als 40 Jahren ist die Firma der Familie Durach Lieferant der Burger-Kette. Develey produziert außer Senf auch Ketchup, Soßen und Gurken im Auftrag. Geschäftsführer Michael Durach weiß also, wann die nächsten „Los Wochos“ anstehen. Wann genau? Darüber darf er dann doch nicht reden.

Erzählen darf er aber von den Gurken. „Ich gehe oft zu McDonald's und gucke, wer die Gurke vom Burger puhlt“, sagt der Develey-Geschäftsführer im Gespräch mit Handelsblatt Online (das vollständige Interview zum Download). Doch eine Scheibe zu produzieren, die allen schmeckt, liegt jenseits seiner Entscheidungsbefugnis. „Zu den Burgern gehört diese vergorene Gurke einfach dazu. Und sie schmeckt auch weltweit gleich, das ist ja das Tolle am System.“

Die Systemgastronomie der Amerikaner hat der Familie Durach – Michaels Bruder Stefan ist Mit-Geschäftsführer – zu ungekannter Größe verholfen. Etwa 400 Millionen Euro Umsatz macht das Unternehmen mittlerweile, über Details schweigt die Familie. Man wachse gemeinsam weiter – und auch mit eigenen Produkten.

Fakten zu Develey

Gründungsjahr

Johann Conrad Develey gründete die Firma, die seinen Namen trägt, im Jahr 1845.

Geschichte

Develey gilt als Erfinder des süßen Senfs, der heute klassisch zur Weißwurst gereicht wird. Johann Conrad Develey hatte im Jahr 1854 französischen Senf mit Zucker vermischt und mit einem glühenden Schürhaken umgerührt. Der Zucker karamellisierte und ein Verkaufsschlager war geschaffen. Die Firma ging 1971 an den Sauerkraut- und Gurkenproduzenten Durach, die den Namen und den Geschäftsführer übernahm und sich später vor allem auf Senf und Saucen konzentrierte.

Eigner und Führung

Michael Durach und sein Bruder Stefan führen die Firma gemeinsam, wie es eine Generation zuvor der Vater und Onkel vorgemacht hatten. Nach dem Tod des Onkels war der Geschäftsführer der zugekauften Firma Develey der Sparringspartner geworden, der dann später an die Junior-Brüder übergab. Michael Durach hat eine Tochter und einen Sohn, die noch im Teenager-Alter sind.

Produkte

Von Senf über Ketchup und Saucen bis zu Gurken reicht das Produktspektrum des Unternehmens. Die Burger der Fast-Food-Kette McDonald’s in Deutschland und einigen andern Ländern werden mit Develey-Produkten hergestellt.
Nach der abgesetzten Menge sieht sich Develey als Senf-Marktführer in Deutschland. Zu den Marken gehört Bautz’ner Senf, der vor allem in Ostdeutschland beliebt ist, Löwensenf und Develey. Unter dem Firmennamen wird nicht nur Senf, sondern etwa auch Salat-Dressing verkauft. Die österreichische Senfmarke Mautner Markhof stammt ebenfalls von Develey.

Die Firma ist außerdem Vertriebspartner für verschiedene ausländische Hersteller und bringt in Deutschland etwa die Würzsauce Tabasco in die Supermarktregale. Auch der in Flaschen abgefüllte McDonald’s-Ketchup stammt von Develey.

Geschäftsentwicklung

Der Umsatz der Firma beträgt etwa 400 Millionen Euro. Sie ist vor allem mit McDonald’s gewachsen, deren Lieferant Develey seit dem Markteinstieg der Amerikaner in Deutschland in den 1970er-Jahren ist. Derzeit plagt Develey vor allem der gestiegene Senfsaat-Preis, der auf den Gewinn drückt.

Beschäftigte und Standorte

Nach eigenen Angaben hat Develey etwa 1700 Mitarbeiter. Am Firmensitz in Unterhaching wird vor allem Senf produziert, in Dingolfing Saucen und Dressing. Weitere Produktionsstandorte in Deutschland sind unter anderem in Düsseldorf (Löwensenf) und Bautzen.

Doch mehr Umsatz, heißt nicht mehr Gewinn. Beim Überschuss gebe es dieses Jahr „eben mal weniger“, so Durach. Denn der nach Menge größte Senfhersteller Deutschlands (Marken „Löwensenf“, „Bautz'ner“ und „Develey“) kämpft mit gestiegenen Rohstoffkosten. Die Preise für Senfsaat seien wegen des feuchten Wetters zu Beginn des Jahres durch die Decke geschossen und lägen immer noch 30 Prozent über Vorjahr. Diesen Anstieg an den Handel weiterzugeben, falle extrem schwer – und daher leide der Überschuss. Überhaupt an qualitativ hochwertige Rohstoffe zu kommen, sei derzeit schwer: „Im Moment müssen wir jedem Senfkorn hinterher laufen.“

Einsparpotenzial, um den Gewinn anzukurbeln, gebe es zwar, sagt der 45-jährige Hobby-Boxer. Doch was ein Strategieberater sagen würde, sei ihm klar: „Der würde empfehlen, alle Fabriken zu schließen und stattdessen eine große in der Mitte Deutschlands zu bauen. Bei uns kommen aber keine Berater angerannt und fordern Entlassungen, das ist unser Glück.“ Develey produziert etwa in Düsseldorf Löwensenf, in Unterhaching Senf für McDonald's und die Stammmarke, in Bautzen für den in Ostdeutschland mit gigantischem Marktanteil von zwei Dritteln glänzenden Bautz'ner. Dressings und Saucen kommen auch aus einem Werk in Dingolfing.

Kommentare (8)

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marvelmaus

22.10.2013, 07:43 Uhr

Und warum mag er nun keine Unternehmensberater?!!!

Account gelöscht!

22.10.2013, 08:16 Uhr

Weil die ihm empfehlen würden, alle Werke zu schließen und stattdessen ein großes Neues aufzumachen.

Unternehmensberater

22.10.2013, 08:20 Uhr

das steht natürlich im Download .... ;-)

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