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18.05.2014

16:36 Uhr

Die Klebstoffindustrie

Deutschland hält zusammen

VonChristoph Kapalschinski

Geklebt wird immer. Das Geschäft mit der zähen Masse zahlt sich vor allem für deutsche Konzerne wie Henkel, Beiersdorf und Delo aus. Doch es gibt auch eine Kehrseite des Erfolgs.

Klebstoffhersteller wie Delo, Henkel und Beiersdorf sind recht konjunkturempfindlich. dpa

Klebstoffhersteller wie Delo, Henkel und Beiersdorf sind recht konjunkturempfindlich.

DüsseldorfAls hochspezialisierter Klebstoffhersteller ist Delo nur Fachleuten bekannt. Doch auch der Weltmarktführer auf diesem Gebiet kommt aus Deutschland: Der Düsseldorfer Dax-Konzern Henkel macht rund die Hälfte seines Umsatzes von gut 16 Milliarden Euro mit Klebern, überwiegend für die Industrie.

So halten Klebstoffe von Henkel zum Beispiel Produkte wie das iPhone und iPad des US-Elektronikkonzerns Apple zusammen. In der Nähe von Schanghai eröffnete Henkel-Chef Kasper Rorsted daher vor wenigen Monaten die größte Klebstofffabrik der Welt.

So profitieren Mittelständler von der Globalisierung

Wachstumstreiber

Die Weltexporte sind weitaus stärker gestiegen als die nationalen Bruttoinlandsprodukte. Die Globalisierung war und bleibt auch in Zukunft ein Wachstumstreiber.

(Quelle: Hermann Simon, "Hidden Champions - Aufbruch nach Globalia")

Kaufkraft

Die Musik wird weiterhin in Amerika und Europa spielen. Das gilt nicht nur für die Höhe der Bruttoinlandsprodukte, sondern auch für deren absolute Zuwächse. Hinzu kommt China als dritter Pol mit dem größten Zuwachs an Kaufkraft. Viele weitere Regionen werden an Bedeutung gewinnen, aber dennoch im Jahr 2025 deutlich hinter diesen drei Polen der Weltwirtschaft zurückbleiben.

Marktposition

Deutsche Mittelständler, die im globalen Wettbewerb mithalten wollen, müssen die erste Priorität darauf legen, ihre Marktpositionen in Europa und den USA zu halten beziehungsweise in vielen Fällen die Position in den USA zu stärken.

Marktstellung

An zweiter Stelle steht der Aufbau starker Marktstellungen in China und Indien.

Perspektive

ASEAN, Osteuropa/Russland, Lateinamerika und längerfristig Afrika bieten ebenfalls attraktive Wachstumsperspektiven. Die treibende Kraft in Afrika ist dabei die Bevölkerungsexplosion. Die Nutzung all dieser Chancen beinhaltet für Mittelständler eine Herkulesaufgabe.

Rückschläge

Trotz der grundsätzlich optimistischen Einschätzung lassen sich Rückschläge in der Globalisierung - insbesondere im Zuge von Krisen - nicht ausschließen. Protektionismus, Globalisierungsgegner oder die Bevorzugung nationaler Champions können den freien Handel behindern.

Die richtige Balance

Die Welt ist zwar "flacher" als vor 20 Jahren, aber "flach" ist sie bis heute nicht. Regionale, nationale und lokale Unterschiede werden weiter bestehen. Es geht deshalb auch in Zukunft darum, die richtige Balance zwischen Standardisierung und Differenzierung zu finden. Mittelständler dürften hier im Vorteil sein, da sie im Hinblick auf die resultierenden Anpassungsnotwendigkeiten flexibler sind als Großunternehmen.

Auch in der Autoindustrie wird immer mehr geklebt. Dort ist unter anderem die Firma Tesa aktiv, eine Tochter des Hamburger Kosmetikkonzerns und Nivea-Produzenten Beiersdorf. Sie stellt vor allem Klebebänder her, nicht nur den bekannten Tesa-Film fürs Büro, sondern vor allem für Industrieanwendungen.

Der Kehrseite des Erfolgs: Die Kleberhersteller sind recht konjunkturempfindlich. Derzeit aber erfreuen sowohl Henkel als auch Beiersdorf die Aktionäre mit guten Renditen. Der Industrieverband Klebstoffe betont, das Plus der Branche habe in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt zweieinhalb bis fünf Prozent über dem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts gelegen.

Grund: Es tun sich immer neue Anwendungsgebiete auf: Wo Schweißarbeiten durch Kleber ersetzt werden, sparen die Anwender Energie. In Mobiltelefonen leiten Klebestellen teilweise zugleich Strom und sparen so Gewicht. Der Gesamtumsatz in Deutschland liegt laut dem Industrieverband bei 3,4 Milliarden Euro.

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