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13.02.2004

12:43 Uhr

Die Zeiten werden härter

Pharma-Mittelstand auf dem Prüfstand

VonIngo Reich

Ausmaß, Tempo und Konsequenzen der Veränderungen im weltweiten Pharmamarkt zwingen mittelständische deutsche Pharmaunternehmer zum baldigen Handeln.

LUDWIGSHAFEN. Denn als wesentliche Folge der sich derzeit abzeichnenden Entwicklung steigt in vielen Fällen – gerade bei kleineren Unternehmen – das Geschäfts-, Investitions- und Finanzierungsrisiko. Wettbewerbsfähigkeit, Ertragskraft und damit der Unternehmenswert, der bei vielen Unternehmerfamilien vielfach den wesentlichen Teil des gesamten Vermögens ausmacht, stehen auf dem Spiel.

Trotz anhaltender globaler Konsolidierung in der Pharma-Industrie und ausgeprägten Übernahmeaktivitäten ist der Pharma-Markt weltweit stark fragmentiert. „Es besteht ein großer Pharma-Mittelstand, der angesichts einer verschärften Markt- und Wettbewerbsdynamik vor der Herausforderung steht, sich in dem veränderten Umfeld neu zu positionieren“, erläutert Werner Hoffmann, Professor für Corporate Finance und Unternehmensstrategie an der Fachhochschule Ludwigshafen, der gerade in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Corfina AG eine Studie über den deutschen Pharmamittelstand erarbeitet hat.

Der wachsende Einfluss der Patienten und Konsumenten, des Internets, bevorstehende umfangreiche Patentausläufe sowie die wachsende Bedeutung der Biotechnologie als Innovationsmotor treiben die Veränderungen in der Pharmaindustrie voran. Gleichzeitig reduzieren die Finanzierungsprobleme im deutschen Gesundheitssystem und in den übrigen reifen Märkten die zukünftigen Wachstums- und Ertragsaussichten insbesondere der mittelständischen Pharma-Unternehmen mit einem Tätigkeitsschwerpunkt im Inland teilweise dramatisch.

Die von der Gesundheitspolitik zur Steuerung eingesetzten Instrumente, wie Arzneimittelbudgets, Festpreise, Zwangsrabatte und verordnete Preissenkungen trafen im Ergebnis allerdings die einzelnen Markt-Segmente in unterschiedlicher Weise: Während bislang die angeführten Sparmaßnahmen vor allem bei den deutschen Anbietern von rezeptfreien und älteren Originalprodukten sinkende Absatzpreise, Umsätze und Gewinnmargen bewirkten, sind nunmehr verstärkt auch die Hersteller von patentgeschützten Arzneimitteln betroffen. So beziffert manch mittelständiges Unternehmen die Ertragseinbuße aus dem 16%-igen Zwangsrabatt für das Jahr 2004 auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

Dass die Zeiten für den Pharma-Mittelstand härter werden, bestätigen die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten GemeinschaftsStudie des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) und der Steinbeis University. Hiernach erwarten vier Fünftel der befragten Unternehmen ein „Sterben des Pharma-Mittelstandes“. Rund die Hälfte der Firmen sehen die eigene Existenz gefährdet. Eine Vielzahl der Unternehmen rechnet mit einer Verminderung des Unternehmenswertes.

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