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26.11.2016

14:33 Uhr

Digitale Revolution

Wo Gründer auf Kohle treffen

VonKatrin Terpitz

Die einen begründen ihr Geschäftsmodell darauf, die anderen sehen ihres dadurch bedroht. Das Thema Digitalisierung brachte auf der Zeche Zollverein alte Familienunternehmen, Mittelständler und Start-ups zusammen.

Investor Frank Thelen (M.) und die Gründer von Richtiggutbewerben.de, Adil und Bilal Zafar (v.l.). Julius Gnoth

Sieger vom DW NRW-Battle 2016

Investor Frank Thelen (M.) und die Gründer von Richtiggutbewerben.de, Adil und Bilal Zafar (v.l.).

EssenDer Kontrast hätte stärker kaum sein können. Im Schatten des Doppelbocks von Schacht 12 der Zeche Zollverein in Essen – Inbegriff der „Old Economy“ - traf sich die Digitalszene von Nordrhein-Westfalen. Rund 800 Personen waren zum ersten Summit Digitale Wirtschaft NRW gekommen, um zu diskutieren und zu netzwerken. Eine bunte Mischung aus Gründern, Investoren und Traditionsunternehmen – wobei die Anzugträger das Bild deutlich dominierten. Alle eint eine umwälzende Entwicklung: die Digitalisierung. Die einen begründen darauf ihr Geschäftsmodell, die anderen sehen ihr bisheriges dadurch bedroht.

„Ich weiß, dass ich nichts weiß“ – diese antike Weisheit ist Stephan Gemkows offene und ehrliche Antwort auf die Digitalisierung. Eines aber weiß der Vorstandsvorsitzende der Familienholding Franz Haniel sicher: „Die Art der Unternehmensführung muss sich radikal ändern.“ Haniel könne sich nicht auf den Lorbeeren von 260 Jahren Firmengeschichte ausruhen.

Unternehmen könnten heute keine anderthalb Jahre mehr ein neues Geschäftsmodell testen bis zu einer Entscheidung. „Wir müssen ausprobieren, machen, schnell aufhören, wenn’s nicht klappt. Dann wieder etwas Neues machen“, so Gemkow. Dafür bekommen die Mitarbeiter Freiräume und mehr Verantwortung.

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Die Dominanz der US-Internetgiganten ist erdrückend. Viel zu lange hat die deutsche Wirtschaft die Herausforderungen der digitalen Revolution ignoriert. Heute erkennen immer mehr Firmen die Vorteile der Digitalisierung.

Haniel hat eine „digitale Werkbank“ aufgebaut – einen geschützten Raum, in dem gemischte Teams an digitalen Projekten schrauben. Die Digitaleinheit „Schacht One“ wurde vor wenigen Monaten ganz bewusst auf dem Gelände des Industriedenkmals Zeche Zollverein gegründet – dort, wo Franz Haniel einst begann, Fettkohle zu fördern. „Franz Haniel würde heute scheitern“, sagt Gemkow.

Haniel vernetzt sich zudem über seinen Wagniskapitalfonds mit der Gründerszene. Von den Start-ups wollen die Unternehmen der Holding von Metro bis Celesio vor allem lernen. „Wissen ist Macht“ – das stimme im Zeitalter der Digitalisierung nicht mehr, so Gemkow. „Lernen ist heute Macht!“

Eine neue Macht, die eine Branche über Nacht auf den Kopf gestellt hat, ist das Start-up Uber. „Wir sind kein Taxiunternehmen, sondern ein Technologieunternehmen“, stellt Christopher Burghardt, Politik- und Kommunikationschef von Uber Deutschland, klar. In Deutschland ist Uber umstritten und erst in Berlin und München am Start. Burghardt betont: Veränderungen durch die Digitalisierung seien zwar zuweilen schmerzhaft, brächten aber mehr Positives als Negatives.

So seien durch Uber 23 Millionen Liter Benzin eingespart worden, weil sich die Menschen Fahrten mit Uber Pool teilten. Jeder Düsseldorfer Autofahrer stehe jährlich 50 Stunden im Stau. Gemeinsam genutzte Mobilität könne viel für Menschen und Umwelt verbessern. Uber denkt noch weiter: Uber Eats liefert in den USA Essen aus, in Pittsburgh sind bereits selbstfahrende Taxis unterwegs. Selbstfahrende LKW, die etwa Bier für Anheuser Busch ausfahren, sind keine Zukunftsvision mehr.

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