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23.04.2015

03:16 Uhr

DIHK-Umfrage

Viele Bachelor-Absolventen enttäuschen die Firmen

Mit der „Bologna-Reform“ wurde der Bachelor-Abschluss auch in Deutschland etabliert. Die Wirtschaft ging freudig davon aus, dass damit mehr gute junge Mitarbeiter bereitstehen. Doch die Euphorie hat sich stark abgekühlt.

Der Bachelor-Abschluss: Viele Unternehmen sind nicht zufrieden mit den Absolventen.

Bachelor

Der Bachelor-Abschluss: Viele Unternehmen sind nicht zufrieden mit den Absolventen.

BerlinIn der deutschen Wirtschaft regt sich Unzufriedenheit mit der Praxistauglichkeit von Bachelor-Absolventen. Bei einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gaben nur noch 47 Prozent der Unternehmen an, dass Berufseinsteiger mit diesem Hochschulabschluss ihre Erwartungen erfüllten. 2007 waren 67 Prozent aller Firmen mit den Absolventen zufrieden, 2011 noch 63 Prozent. Für die Erhebung, über die zunächst die Zeitung „Die Welt“ (Donnerstag) berichtete, wurden 2000 Unternehmen befragt.

Besonders kleine Firmen, Tourismus- und Service-Unternehmen wie Gesundheitsdienstleister sind demnach von den Fähigkeiten der Bachelor-Absolventen enttäuscht. Etwa jedes dritte Unternehmen aus diesen Wirtschaftszweigen wünscht sich eine stärkere Praxisorientierung der Studiengänge.

Der Bachelor ist ein mit der Bologna-Reform 1999 in mittlerweile 47 Ländern eingeführter akademischer Grad. Er soll der erste berufsqualifizierende Hochschulabschluss sein. In den meisten Fällen hat das Bachelor-Studium nur drei bis vier Jahre Regelstudienzeit.

DIHK-Präsident Eric Schweitzer nannte die Entwicklung besorgniserregend. „Nur 15 Prozent der Betriebe sagen, dass die Bachelor-Absolventen gut auf den Arbeitsmarkt vorbereitet sind.“ Lediglich große Firmen könnten sich „eine Nachqualifizierung in der Regel auch zeitlich und finanziell leisten. Kleine Unternehmen stoßen da schnell an ihre Grenzen.“ Die Universitäten müssten „in erster Linie dafür sorgen, dass die Bewerber für den Arbeitsmarkt gerüstet sind“, sie dürften das nicht auf die Wirtschaft abschieben.

Der DIHK-Chef forderte unter Hinweis auf hohe Abbruchquoten gerade auch bei Bachelor-Studenten Konsequenzen: „Die Zahl der Studienplätze kann nicht grenzenlos steigen. Ich bin sogar dafür, sie wieder zu verknappen.“ So sollten die Hochschulen „mit sinnvollen Zulassungsbeschränkungen, die sich nicht nur an Abiturnoten orientieren dürfen, geeignete Kandidaten für die richtigen Fächer finden“.

Er könne sich vorstellen, „dass die wachsende Unzufriedenheit mit den Bachelor-Kandidaten auch mit dem sinkenden Alter der Absolventen zusammenhängt“, sagte Schweitzer. Dagegen seien nämlich die Betriebe mit - in der Regel älteren, weil länger studierenden - Master-Absolventen sehr zufrieden: „78 Prozent sehen ihre Erwartungen in sie erfüllt, 2011 waren es nur 65 Prozent“, so die DIHK-Befragung.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Herr Fred Meisenkaiser

23.04.2015, 08:10 Uhr

Wir haben ein Bildungssystem, bei dem Schüler nach 10 Klassen manchmal noch nicht richtig lesen und schreiben können. Zusammenhänge werden bewußt nicht vermittelt.
Ob dies nur an unserem desolaten, unterfinanzierten Bildungssystem liegt oder gemäß dem Motto "Über ein dummes Volk zu regieren ist einfacher, als über gebildete Menschen zu herrschen" bereits Methode hat, möchte ich nicht bewerten.

Und die Hochschulen können dann auch nichts mehr retten. Und das Niveau der Schüler sinkt von Jahr zu Jahr.

Vergleiche sowohl auf mehrere Jahre gesehen oder auch über Bundesländer sind kaum möglich, die Kleinstaaterei bei der Bildung in Deutschland verhindert dies zuverlässig.

Deutschland als resourcenarmes Land hat nur den Faktor Wissen, damit hatte es sich in der Welt etabliert. Und den verspielen wir gerade.


Herr Niccolo Machiavelli

23.04.2015, 08:10 Uhr

Das Bachelor-Studium können Sie sparen, was soll das bringen?
Wenigstens bewahrt Sie der Bachelor-Abschluss davor, einen Job mit 80-Stundenwoche und Seelenverkauf zu finden.

Dann besser Knowmads, da lernen Sie mehr für das Leben.

Herr Klaus Hofer

23.04.2015, 09:12 Uhr

Wir haben an den Schulen G 8 eingeführt und zahlreiche Studiengänge nach anglo amerikanischem Vorbild ausgerichtet. Dies z.B. auch beim Studium der Ingenieurwissenschaften, obwohl uns die ganze Welt um unsere hochqualifizierten Ingenieure beneidet hat. Die Konzequenz ist nun, daß uns in vielen Studiengängen, welche für die Wirtschaft von erheblicher Bedeutung sind - allen voran den sog. MINT Studiengängen nun der Nachwuchs ausgeht. Die " Bildungsreformen " werden primär von denjenigen verantwortet, die Pädagogig oder Soziologie studiert haben und wenig von dem tatsächlichen Bedarf der Wirtschaft und den Zukunftsperspektiven junger Menschen verstehen. Es sind vermutlich auch dieselben Experten, die uns nun einreden wollen, daß wir für unsere Zukunft auf die Migrantenströme aus Afrika angewiesen sind.

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