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16.01.2009

16:45 Uhr

Dorma-Gruppe

Ennepetaler Fluchtwege

VonAxel Granzow

Mittelständler Dorma sieht den Abschwung als Chance für Zukäufe. Der Hersteller von Beschlägen rund um die Tür will Unternehmen im In- und Ausland übernehmen, um die Expansion zu beschleunigen. Zur Sicherheit liegt ein Notfallplan in der Schublade.

Die Dorma-Gruppe kooperiert mit Deutschlands zweitgrößten Baukonzern Bilfinger Berger. Foto: AP ap

Die Dorma-Gruppe kooperiert mit Deutschlands zweitgrößten Baukonzern Bilfinger Berger. Foto: AP

ENNEPETAL. "Wenn starker Wind aufkommt, bauen die einen Schutzmauern, die anderen Windmühlen." Michael Schädlich, der Geschäftsführer der Dorma Gruppe aus dem sauerländischen Ennepetal, zählt sich zu den Anderen. Mit Weisheit führt er das 1908 gegründete Familienunternehmen durch die Finanzkrise.

Neue Märkte und neue Anwendungen will Schädlich für den Hersteller von Beschlägen rund um die Tür erschließen. Übernahmen im In- und vor allem im Ausland sollen die Expansion beschleunigen. Schädlich will die Krise als Chance nutzen. Er peilt mittelfristig die Milliardengrenze beim Umsatz an. Die Umsatzrendite sollte dann zweistellig sein, sagte Schädlich dem Handelsblatt.

"Ich glaube, dass im Frühjahr das ein oder andere Unternehmen am Wegesrand liegen bleibt", sagt er und setzt auf die "Reinigungsfunktion" der Finanzkrise, bei der so manches schlecht finanzierte Unternehmen verschwinden dürfte. Die Krise ist auch eine Zeit für Akquisitionen. Mit einer Eigenkapitalquote von 59 Prozent hat der Dorma-Manager gut reden. Solide finanzierte Familienunternehmen wie Dorma machen derzeit das Rennen.

Mit der Übernahme von zwei Handelsunternehmen in Mumbai und Delhi verstärkte Dorma gerade seine Präsenz im Wachstumsmarkt Indien. Insgesamt zählen die Sauerländer 71 eigene Gesellschaften in 46 Ländern. Boommarkt ist Dubai mit einem Plus von nahezu 40 Prozent, gefolgt von China mit einem Plus von 35 Prozent. Für das höchste Gebäude der Welt, den Burj Dubai, hat Dorma Türschließer, Türdrücker, Flucht- und Rettungswegtechnik für rund fünf Mio. Euro geliefert.

Durch die frühzeitige Internationalisierung hat Alleininhaber Karl-Rudolf Mankel die Beschäftigung in Deutschland gesichert. Bereits in den 70er-Jahren hat er, der heute eher im Hintergrund agiert, mit der Eröffnung des ersten Werks in Singapur den Weg ins Ausland geöffnet.

Schädlich, allein für das operative Geschäft zuständig, will außerdem den Vertrieb öffnen und Türbeschläge auch an private Bauherren verkaufen. Erstmals wird es daher auf der Branchenmesse Bau in München im Frühjahr gleich zwei Messestände geben, den einen für Büro und Gewerbeanwendungen ("Office") und den zweiten für den neuen Bereich "Home". Wichtigste Ansprechpartner bleiben für Dorma die Architekten, der Vertriebsweg bleibt der Fachhandel.

Doch auch Kooperationen helfen weiter, wie etwa die mit Deutschlands zweitgrößtem Baukonzern Bilfinger Berger. "Seit zwei Jahren haben wir eine Kooperationsvereinbarung mit Dorma", sagt Dieter Rettner, Leiter Zentraleinkauf des Mannheimer Baukonzerns. Jährlich wickeln die Unternehmen zehn bis 15 Projekte ab, wie zum Beispiel das Lufthansa Training & Conference Center Seeheim mit einem Bauvolumen von 80 Mio. Euro. Im Geschäftsjahr 2007/08 (30. Juni) lag der Umsatz von Dorma bei 894 (Vorjahr 838) Mio. Euro. Das Ergebnis vor Steuern stieg um 4,3 Prozent auf 65 Mio. Euro. Beschäftigt werden weltweit 7 000 Mitarbeiter.

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