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19.01.2010

16:48 Uhr

E-Learning

Weiterbildung á la Günther Jauch

VonChristina Kiesewetter

Einige Unternehmen scheuen noch immer den Einsatz von E-Learning. Dabei sind die Lernformen mittlerweile so vielfältig, dass jeder von ihnen profitieren kann, ohne nennenswert in Technik zu investieren. Und Spaß macht es auch noch.

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DÜSSELDORF. Bringen Sie die Punkte in die richtige Reihenfolge!" Beim E-Learning-Kurs "Gefahrenanalyse und HACCP" fühlt man sich zeitweise, als würde man Günther Jauch bei der Quizshow "Wer wird Millionär?" gegenübersitzen. "Obst in Saftpresse geben" kommt vor "Saftpresse betätigen" und nach "Obst zerkleinern". Was auf den ersten Blick leicht infantil wirkt, hat einen seriösen pädagogischen Sinn: Bevor Lebensmittelbetriebe die Gefahren im Produktionsprozess analysieren können, müssen zunächst die einzelnen Schritte klar sein. Erst dann kann man genau bestimmen, welcher Schritt mit welchem Risiko verbunden ist.

Durch solche kleinen Spielereien ist der Lerner mit einbezogen, sortiert die Schritte in seinem Kopf und macht sie sich bewusst. Die eBildung AG ist Dienstleister bei der Entwicklung dieses umfangreichen webbasierten Kurses. Alleinvorstand Marianne Schefczik- Dippel muss dabei noch immer gegen alte Vorurteile kämpfen. "E-Learning will nicht vorrangig einen Haufen Geld bei der Weiterbildung sparen, und man lernt damit auch nicht wie von selbst", sagt die Unternehmerin.

Es habe ein Jahr gedauert, bis dieser neue Kurs mit Hilfe mehrerer Partner entwickelt und einsatzbereit war. Die Teilnehmer müssten Zeit und Disziplin investieren, um von den Lerninhalten profitieren zu können. "Aber der Vorteil ist natürlich, dass sie sich das zeitlich und örtlich selbst einteilen können", so Schefczik-Dippel.

Bis dahin ist es allerdings ein weiter Weg. Unternehmen, die E-Learning zur Weiterbildung nutzen möchten, verlieren sich schnell im Dschungel der Anbieter, Zertifikate und Lernformen. "Der Markt ist total unübersichtlich", sagt Tim Schlotfeldt, der ein in der Branche anerkanntes E-Learning- Blog betreibt und sich als unabhängiger Berater selbstständig gemacht hat. Erwin Maier vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) kann das nur bestätigen: "Es kommen stetig neue Anbieter dazu, einige ziehen sich auch nach einigen Jahren vom Markt wieder zurück."

Das BIBB bietet die ausführlichste Anbieter-Datenbank ELDOC an. "Wir wollen die Qualität der E-Learning-Bildungsangebote durch Transparenz und Wettbewerb fördern und die Kontaktaufnahme von Interessierten zu Anbietern erleichtern." Wer bei all den Angeboten schnell den nächstbesten Kurs aussucht und seinen Mitarbeitern aufdrückt, habe schon verloren, so Tim Schlotfeldt. "E-Learning kann die komplette Lern- und Kommunikations-Kultur im Unternehmen verändern. Der Chef muss das Thema aber vorleben und mit einem kleinen engagierten Team testen", rät Schlotfeldt.

Dazu gehöre viel Vorarbeit, denn man müsse genau überlegen, welche computerbasierte Lernform für die eigenen Ziele nützlich sei. So sieht das auch Dr. Lutz Goertz vom Essener MMB-Institut für Medien- und Kompetenzforschung. Das Institut hat für das Bundeswirtschaftsministerium den Leitfaden "E-Learning in KMU - Markt, Trends, Empfehlungen" erstellt. "Wer Zeit in Auswahl und Planung investiert, profitiert sicher stärker von E-Learning." Die Hemmschwelle zum Ausprobieren sei mittlerweile eindeutig gesunken.

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