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30.03.2006

09:34 Uhr

Eigenkapitalquoten

Firmen schaffen sich Finanzpolster

VonPeter Köhler

Die Eigenkapitalausstattung der kleinen und mittleren Unternehmen verbessert sich schrittweise. Laut einer erstmals veröffentlichten Studie der KfW Bankengruppe stieg die Eigenkapitalquote des deutschen Mittelstands zwischen 2001 und 2003 von 25,4 Prozent auf durchschnittlich 27 Prozent.

FRANKFURT. Da die kleineren Betriebe ihre Bilanzen relativ spät vorlegen und ein gewisser Zeitraum bis zur Übermittlung an die KfW vergeht, sind dies derzeit die aktuellsten und umfassendsten Daten. „Von der Tendenz her erwarten wir auch für 2004 und 2005 steigende Eigenkapitalquoten“, sagt Dankwart Plattner, Volkswirt und Mittelstandsexperte bei der staatlichen Förderbank in Frankfurt.

Der Durchschnittswert täuscht aber über sehr große Unterschiede zwischen den Umsatzgrößen, Rechtsformen und Branchen hinweg. So hatte laut KfW knapp ein Fünftel der Unternehmen eine negative Eigenkapitalquote, diese Firmen lebten also mehr oder weniger von der Substanz. „Die Betrachtung von Durchschnittszahlen hat ihre Tücken, immer noch finden wir erschreckende Fälle der Unterkapitalisierung“, sagt Diethard Simmert, Professor am „Institut für Rating und Corporate Finance im Mittelstand“ an der Dortmunder International School of Management. Zwar habe sich die Situation der kleinen und mittleren Unternehmen von einer sehr unbefriedigenden Situation kommend verbessert. Allerdings bleibe noch viel zu tun, es lohne sich beispielsweise eine stärkere Differenzierung der Analysen nach Branchen. „Das Handwerk ist das beste Beispiel, dass die Eigenkapitalsituation weiterhin ein Feld mit großem Handlungsbedarf bleibt“, meint Simmert. Viele innovative Finanzierungsalternativen zur Verbesserung der Eigenkapitalsituation blieben großen Unternehmen mit guter Bonität vorbehalten. Dem breiten Mittelstand fehle der Zugang.

Für die Unternehmer lohnt es sich heute in jedem Fall, ihre Kapitaldecke zu stärken. Denn die Banken vergeben mittlerweile flächendeckend Ratings, nach denen sich die Konditionen für die Kredite und andere Finanzprodukte richten. „Die Eigenkapitaldecke eines Unternehmens ist ein wichtiger Faktor für die Bonitätsbeurteilung. Je nach Rating-Werkzeug kann die Kapitalausstattung sogar mit bis zu 30 Prozent in die Unternehmensbewertung eingehen“, erläutert KfW-Volkswirt Plattner.

Die KfW-Bilanzanalyse beruht auf gut 20 000 Jahresabschlüssen von Unternehmen, die einen Investitionskredit beantragt und erhalten haben. Laut KfW-Analyse liegen die großen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 50 Mill. Euro mit einer Eigenkapitalquote von im Mittel 31,1 Prozent deutlich besser als die kleinen Firmen mit weniger als einer Million Euro Umsatz. Sie schaffen nur eine Quote von 17,6 Prozent. Da die Unternehmen immer stärker den Druck der Finanzmärkte spürten, sei in den kommenden Jahren mit weiteren Fortschritten zu rechnen.

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