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17.01.2011

14:28 Uhr

Elektrowerkzeuge

Metabo greift Bosch im Profigeschäft an

VonMartin-W. Buchenau

Der Nürtinger Elektrowerkzeughersteller Metabo krempelt seine Strategie grundlegend um. Statt Heimwerker wie Profis gleichermaßen zu bedienen, fokussiert er sich bald nur noch auf Handwerk und Industriekunden. Die aktuellen Unternehmenszahlen sieht Metabo Chef Horst Garbrecht als Bestätigung dafür.

Heimwerker in Werkstatt: Metabo wendet sich von Amateurhandwerkern ab und zielt nur noch auf Handwerk und Industriekunden. dpa

Heimwerker in Werkstatt: Metabo wendet sich von Amateurhandwerkern ab und zielt nur noch auf Handwerk und Industriekunden.

STUTTGART. Rund um Stuttgart bauen Porsche und Mercedes jede Menge leistungsstarke Männerspielzeuge. Aber nicht nur das. Der mittlere Neckarraum ist auch die deutsche Hochburg für Bohrmaschinen und Elektrowerkzeuge.

Jeweils nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen Weltmarktführer Bosch Power Tools mit drei Milliarden Euro Umsatz in Leinfelden und Spezialanbieter Festool in Wendlingen sowie Metabo in Nürtingen. Alle hatten im Krisenjahr 2009 Probleme und sind im vergangenen Jahr zurückgekommen. Während Bosch die neuesten Zahlen erst im März präsentiert und Festool als verschwiegen gilt, ist jetzt Metabo vorgeprescht.

Von Bosch mit seiner Vertriebspower in den vergangenen Jahren immer mehr an die Wand gedrückt, musste sich Metabo neu erfinden. "Wir waren die Kleinsten unter den Großen. Das konnte nicht gutgehen", sagt Metabo-Chef Horst Garbrecht. Seit Anfang 2009 führt er die Geschäfte und drillt die Marke auf professionelle Kunden aus Handwerk und Industrie. Metall- und Bauhandwerk sollen hochpreisige Speziallösungen geboten werden. "Wir werden kein Gerät mehr für Heimwerker entwickeln", sagt Garbrecht und zieht damit einen Schlussstrich unter die Strategie, beide Märkte zu bedienen. Die Trennung in zwei Linien oder der Aufbau einer Zweitmarke, wie es der fast zehnmal größere Konkurrent Bosch macht, überfordere die Kraft des Mittelständlers. Aus den Baumärkten zieht sich Metabo teilweise zurück. 90 Prozent des Umsatzes liefen im Fachhandel.

Die Zahlen sieht Garbrecht als Bestätigung für den Kurswechsel. Der Umsatz erhöhte sich 2010 um 26 Millionen auf 338 Millionen Euro. "Wir werden in diesem Jahr kräftig wachsen und die Ertragskraft überproportional steigern", betont Garbrecht. Operativ schreibe das Unternehmen schwarze Zahlen. Das ist auch dringend notwendig. Denn in der Krise mussten die Eigentümer Kapital nachschießen. Die Höhe nennt das Management ebenso wenig wie Gewinn, Eigenkapitalquote und Schulden. Die 1 700 Arbeitsplätze, davon 1 000 in Nürtingen und 350 in Schanghai, seien sicher, nachdem 2009 in Nürtingen 100 Stellen gestrichen worden sind.

Die Konzentration auf das professionelle Handwerk hat Konkurrent Festool mit einer hochpreisigen Positionierung schon in den 1990er-Jahren vorgemacht. Metabo zielt jetzt auf die Profikunden der "blauen Linie" von Bosch. "Wir gehen bei den Bedürfnissen unserer Kunden noch mehr in die Tiefe", sagt Garbrecht: "Da kommen die Großen gar nicht hin."

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