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10.05.2011

14:42 Uhr

Endlich Aufschwung

Stimmungshoch im deutschen Handwerk schafft Stellen

Nach der Industrie ist jetzt auch das Handwerk an der Reihe. Mit dem Aufschwung im Rücken kann die Branche nun erstmals seit 2007 wieder mehr Stellen schaffen. So gut wie derzeit war das Geschäftsklima zuletzt 1992.

Ein Dachdecker auf einer Baustelle: Der Aufschwung erfasst nun alle Bereiche des Handwerks. Quelle: dpa

Ein Dachdecker auf einer Baustelle: Der Aufschwung erfasst nun alle Bereiche des Handwerks.

BerlinMehr Umsatz, mehr Jobs, mehr Zuversicht: Das deutsche Handwerk spürt den Aufschwung immer stärker und will im laufenden Jahr 25.000 neue Jobs schaffen. Der Umsatz werde um mehr als drei Prozent auf 509 Milliarden Euro steigen, teilte der Branchenverband ZDH am Dienstag mit. Wegen des guten Starts ins Jahr erhöhte der Verband damit seine bisherige Wachstumsprognose von zwei Prozent.

Die Stimmung bei den Unternehmen sei so gut wie zuletzt 1992, sagte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke. „Alle Bereiche des Handwerks sind von diesem Aufschwung erfasst.“ Dank voller Auftragsbücher erwarteten die Betriebe auch künftig gute Geschäfte. Am besten laufe es bei Zulieferern und Dienstleistern für die Industrie, doch auch Friseure, Schneider und Uhrmacher profitierten zunehmend.

Der Erholung kommt im Handwerk leicht verzögert an. Während die Industrie 2010 die Einbußen aus dem Rezessionsjahr 2009 mit Siebenmeilenstiefeln aufholte, hinkte die eher binnenmarktorientierte Branche etwas zurück und steigerte ihren Umsatz nur um 0,6 Prozent. Allerdings wird das Konjunkturhoch bei den Betrieben immer greifbarer, auch das ansonsten schwächere Winterhalbjahr konnte die positive Entwicklung nicht stoppen, sagte Schwannecke. Rund 85 Prozent der Unternehmen meldeten gute oder befriedigende Geschäfte und damit deutlich mehr als vor Jahresfrist. Etwa 90 Prozent blickten wegen der guten Auftragslage optimistisch nach vorne. 

Die positive Stimmung sorgt erstmals seit 2007 wieder für mehr Beschäftigung. Seit dem Ende des Wiedervereinigungsbooms gingen im Handwerk rund 1,5 Millionen Jobs verloren. 2011 dürfte die Zahl der Beschäftigten um 25.000 auf rund 4,76 Millionen steigen. Wegen der guten Aussichten und der niedrigen Zinsen wagen die Betriebe wieder mehr Investitionen.

Sorgen bereitet vielen Unternehmen der Kostenschub wegen steigender Preise für Rohstoffe und Energie. Dank der besseren Nachfrage können viele Firmen aber Teile davon an die Kunden weiterreichen, indem sie ihrerseits die Preise erhöhen. Allerdings sei dies längst nicht bei allen Betrieben der Fall, was letztlich auf die ohnehin schwachen Gewinnspannen drücke, erklärte der Zentralverband des Deutschen Handwerks zu seiner Umfrage unter rund 22.000 Betrieben. Die Finanzierung habe sich insgesamt entspannt, problematisch bleibe aber die oft knappe Eigenkapitalbasis.

In der Debatte um die Energiepolitik und den langfristigen Ausstieg aus der Atomkraft appellierte Schwannecke an die Bundesregierung, klar die Kosten zu benennen: „Die Energiewende braucht ein Preisschild.“ Am wichtigsten sei, dass die Energieversorgung für Unternehmen und Privathaushalte nachhaltig und bezahlbar sei. Das Handwerk werde von der Energiewende wohl deutlich profitieren, da es den Ausbau von erneuerbaren Energien etwa bei der Gebäudesanierung bereits umsetze.

Von

rtr

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