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25.01.2007

12:18 Uhr

Energiepreise

Paradiesische Bedingungen in Russland bald vorbei

VonWaldemar Lichter (bfai)

Noch profitiert die russische Industrie zwar von billiger Energie. Das wird sich aber bald ändern, denn die Energiepreise werden auch in Russland deutlich steigen. Die Weltbank-Tochter International Finance Corporation (IFC) will die Umstellung mit 100 Mill. US-Dollar fördern. Sachsen hat das Programm schon für sich entdeckt.

Energiesparen wird auch bald in Russland zunehmend Thema sein. Foto: dpa dpa

Energiesparen wird auch bald in Russland zunehmend Thema sein. Foto: dpa

MOSKAU. Die Weltbanktochter IFC will Russland in den nächsten drei Jahren bis zu 100 Mill. US-Dollar für Investitionsvorhaben zur Verbesserung der Energieeffizienz zur Verfügung stellen. Das sagte Miles Stump, der bei IFC das Sonderprogramm "Russia Sustainable Energy Finance Program" in Moskau leitet. IFC vergibt die Gelder dabei nicht unmittelbar an russische Unternehmen, sondern über Banken. Russische Finanzinstitute, die Interesse an dem Programm haben, können das Geld nutzen und ihrerseits (günstige) Kredite zur Finanzierung von Vorhaben russischer Unternehmen im Bereich Energieeffizienz vergeben.

Das Programm läuft seit Anfang 2006. Bisher sind einige Millionen Dollar geflossen. Einer der Empfänger war die ZentrInvest Bank (Rostow am Don), die von der IFC eine Kreditlinie von 4 Mill. US-Dollar erhielt. In deren Rahmen wurden Darlehen unter anderem an die Unternehmen Lemaks (Taganrog), UNK-Agroprodukt und die Süßwarenfabrik Kuban vergeben - meist zur Modernisierung von Anlagen im Hinblick auf die Energieeffizienz. Eine Kooperation wurde auch mit der tatarischen Tatfondbank vereinbart. Die IFC will das Programm künftig auch bei anderen russischen Banken bewerben und die Finanzinstitute beraten.

Das Programm bietet auch ausländischen Beratern und Anbietern von Technologien und Anlagen im Bereich Energieeffizienz einige Chancen. Zugang zu dem Förderprojekt kann entweder über die IFC selbst gesucht werden, oder über russische Banken, die das Programm in Anspruch nehmen, beziehungsweise über die potenziellen Kunden - russische Unternehmen, die entsprechende Investitionen planen. Interessenten sollten sich bei der IFC melden, empfiehlt Stump. Das Programm wird über Büros in Moskau, St. Petersburg, Jekaterinburg, Rostow am Don und Nishnij Nowgorod geführt.

Der Freistaat Sachsen ist über seine Wirtschaftsfördergesellschaft mit der IFC an dem Programm beteiligt. Gegründet wurde in diesem Zusammenhang ein spezieller IFC-Treuhandfonds. Ziel ist, sächsischen Beratungsfirmen eine Möglichkeit zu geben, ihr Know-how in diesem Sektor einzubringen. Einerseits soll damit der russische Markt und dessen Potenzial erschlossen werden. Andererseits erhalten die meist noch jungen sächsischen Firmen, die nur wenige Referenzen vorweisen können, den Zugang zur IFC. Schwerpunkt der Arbeit ist dabei die russische Wolga-Region. Auch Unternehmen aus anderen Bundesländern können sich beteiligen - sofern es Partnerschaften oder Verflechtungen mit sächsischen Firmen gibt.

Jüngstes Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist eine Studie über den Markt für Infrarot-Gasheizungen in Industriehallen. In drei Fallstudien wurden mit Hilfe sächsischer Consultants Untersuchungen über Möglichkeiten für den Einsatz dieser Technik in konkreten Unternehmen vorgenommen. In einem weiteren Projekt will der sächsische IFC-Treuhandfonds das Thema "Cleaner Production" in der Wolga-Region anpacken. Dabei wird es um die Bereiche Gießereien, Petrochemie und Zementindustrie gehen.

Die IFC möchte mit dem Programm zur Verbesserung der Energieeffizienz vor allem Aufklärungsarbeit leisten und die Finanzierbarkeit solcher Projekte in Russland demonstrieren. Das ist auch dringend nötig. Denn bei der Energieeffizienz schneidet die russische Wirtschaft im internationalen Vergleich schlecht ab. Das ist zum Teil systembedingt: Die Energiekosten drücken nicht so sehr, wie in anderen Ländern. Strom und Gas sind auf dem Binnenmarkt vergleichsweise billig zu haben.

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