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18.03.2012

19:07 Uhr

Erzbischof

Zollitsch fordert bessere Job-Angebote für junge Migranten

Die Katholische Kirche mahnt die Wirtschaft: Die Unternehmen sollten mehr sozial Benachteiligte einstellen. Außerdem müsse es mehr Ausbildungsplätze für Problemjugendliche geben; gerade junge Migranten hätten es schwer.

Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, fordert von der deutschen Wirtschaft mehr Einstiegsangebote für junge Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen. dpa

Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, fordert von der deutschen Wirtschaft mehr Einstiegsangebote für junge Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen.

FreiburgDie Katholische Kirche hat die deutsche Wirtschaft dazu aufgerufen, verstärkt sozial benachteiligte Jugendliche einzustellen. „Es braucht gezielt mehr Einstiegsangebote für jene junge Menschen, die am Rande stehen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. „Die positive Wirtschaftslage und die Dynamik am Arbeitsmarkt bieten hierzu die Gelegenheit.“ Neben besseren Stellenangeboten müsse es auch mehr Ausbildungsofferten geben: „Jugendliche mit Problemen müssen beim Berufseinstieg gefördert werden“, sagte Zollitsch.

Besonders benachteiligt seien nach wie vor junge Migranten, betonte der Freiburger Erzbischof. „Sie werden seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen und haben nachweisbar schlechtere Chancen auf einen Ausbildungsplatz.“ Die Unternehmen müssten umdenken, die Zeit dafür sei gut: „Gute Konjunktur muss auch die Perspektiven Benachteiligter verbessern.“ Die Wirtschaft habe eine soziale Verantwortung, der sie gerecht werden müsse.

Weiter sagte Zollitsch: „Wenn die Lage sich so positiv entwickelt und Wirtschafts-Forschungsinstitute mit einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit und mit kräftigen Lohnsteigerungen rechnen, dann sollten sich auch die Perspektiven junger Leute verbessern, die bislang Schwierigkeiten beim Einstieg ins Berufsleben hatten.“ Die Katholische Kirche werde an diesem Montag mit einem deutschlandweiten Aktionstag auf das Problem aufmerksam machen, sagte Zollitsch. Motto der Aktion: „Herkunft egal - Ziel klar!“

Anlass ist der kirchliche „Josefstag“, der traditionell am 19. März gefeiert wird. Der Heilige Josef, von Beruf Zimmermann, gilt unter Katholiken als Schutzpatron der Arbeiter, vor allem der Handwerker. Die Kirche werde sozial Benachteiligte, die einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz suchen, auch zukünftig unterstützen, sagte der Erzbischof. Kirchliche Einrichtungen der Jugendberufshilfe leisteten hier unverzichtbare Arbeit: „Viele Christen sind hier auch persönlich engagiert - durch Patenschaften, um junge Leute zu begleiten und ihnen mit Fachkenntnissen, Tipps und Kontakten behilflich zu sein.“ Sie seien jedoch auf entsprechende Stellen- und Ausbildungsangebote aus der Wirtschaft angewiesen. Hier bestehe großer Nachholbedarf.

Von

dpa

Kommentare (8)

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Klare_Kante

18.03.2012, 19:36 Uhr

Sehr geehrter Herr Zollitsch,

in meinem Betrieb werden Jugendliche als Auszubildende eingestellt, wenn sie für die Ausbildung geeignet sind.
Wenn sie es nicht sind, ist das nicht mein Problem, dann sind es nicht die geeigneten Azubis für mich und ich suche mir geeignete Bewerber.
Unser Betrieb ist nicht die Reparaturwerkstatt für ein zerrüttetes Elternhaus oder ein Versagen auf der normalen Schule. Dabei ist es egal, ob es sich um "deutsche" Kinder oder Jugendliche mit Migrationshintergrund handelt.
Und als Letztes: Wer die deutsche Sprache nicht beherrscht hat keine Chance. Da helfen keine sozialromantischen Träumereien. Hier muß der Staat entsprechende Bildungsangebote machen, denn die ausbildenden Betriebe sind keine Sprachschulen und auch nicht für die Vermittlung der Grundrechenarten sowie rudimentärer Umgangsformen im Zusammenleben verantwortlich.

SCH

18.03.2012, 20:16 Uhr

Ihrem Beitrag ist nichts hinzuzufügen!

Account gelöscht!

18.03.2012, 20:22 Uhr

Arbeitende Migranten, ja das wäre zu schön um wahr zu sein.

jetzt sind wir erstmal froh, dass sie Deutsch-Kurse besuchen, wenn HATZ4-stop angedroht wurde. Dann machen sie ihren Hauptschulabschluss nach und von den U-Bahn und S-Bahnhaltestellen sollen sie auch wegbleiben abends. Dann klappts auch mit Arbeit. Aber der Weg ist noch lang. Man muss einfach mehr Geld für Bildung ausgeben, 50 EUR jeden Tag, wenn sie in die Schule kommen, gleich am Eingangstor.

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