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27.09.2012

07:43 Uhr

Evation-Gründer Johannes Biechele

„Dann erfind ich eben etwas Neues“

VonSebastian Kirsch

Der Weconomy-Gewinner Evation könnte mit seinem Elektroantrieb für Mountainbikes große Konzerne wie Bosch ausstechen und die Branche revolutionieren. Das weiß der Erfinder und ist sicher, gewonnen zu haben. Auch, wenn sein Start-Up scheitert.

Der 28-jährige Münchener Johannes Biechele ist seit Jahren mit dem Mountainbike unterwegs. (Foto: Sebastian Kirsch)

Der 28-jährige Münchener Johannes Biechele ist seit Jahren mit dem Mountainbike unterwegs. (Foto: Sebastian Kirsch)

DüsseldorfVon der Hochschule rein ins eigene Unternehmen: Besser laufen als bei Johannes Biechele kann es beruflich kaum. Dabei ist „Hannes“, wie er sich vorstellt, kein geborener Unternehmer. Und laufen ist auch falsch. Bei ihm dreht sich alles ums fahren.

Der 28-jährige Münchener ist seit Jahren mit dem Mountainbike unterwegs. Als Industriemeister und mit einem Studium in Fahrzeugtechnik hat er erkannt, dass sich auf dem Fahrrad-Markt etwas tut. Elektrofahrräder, sogenannte Pedelecs, sind mittlerweile salonfähig. Aber Mountainbiker, für die schwere und komplexe Antriebe keinen Sinn machen, haben bisher alle übersehen, sagt Biechele.

Mit einem Plan vom perfekten Elektroantrieb für Mountainbikes fing alles an. (Foto: Evation)

Mit einem Plan vom perfekten Elektroantrieb für Mountainbikes fing alles an. (Foto: Evation)

Also setzte er sich vor zwei Jahren hin und kritzelte auf vier DIN-A4 Seiten seinen Plan vom perfekten Elektroantrieb für Mountainbikes. Dass dabei das Evation-Projekt entstehen würde, ahnte er nicht. Erst als ein BWL-erfahrener Freund ihm riet, das Projekt anzupacken, wurde für Hannes eine Unternehmung daraus.

Als Projektarbeit an der FH München entwickelte Johannes Biechele einen Antrieb, der weder das Handling noch das Fahrraddesign groß beeinflusst. Und weil der Antrieb in das Rad integriert werden sollte, baute er den Rahmen gleich mit.

Was beim Businessplan wichtig ist

Häufigster Fehler

Einer der häufigsten Fehler ist, dass der Gründer zu sehr von sich ausgeht und im Eifer Kunden und Geldgeber aus den Augen verliert. Daher immer wieder die Perspektive wechseln und den Businessplan aus der Sicht der Kunden bzw. Investoren machen.

Was steht drin?

Ein Businessplan sollte nicht nur formalen Ansprüchen genügen, sondern auch eine Reihe von inhaltlichen  Punkten abdecken. Dazu gehören ein ordentlich ausgefülltes Deckblatt, die Darstellung der eigenen Person, das Konzept, der Kapitalbedarfsplan, der Finanzierungsplan, eine Ertragsvorschau, der Liquiditätsplan und die Anlagen.

Die eigene Motivation

Sehr wichtig ist es, in einem Businessplan die eigene Motivation glaubwürdig zu formulieren. Ehrlichkeit siegt zwar, aber geizen Sie nicht mit Eigenlob. Machen Sie klar, dass Sie und Ihr Unternehmen eine Perspektive haben!

Das optimale Konzept

Handeln Sie die folgenden Punkte exakt durch: Geschäftsidee (Vergleich mit etablierten Unternehmen, Hintergrundinformationen beifügen), Darstellung Markt und Branche inklusive Zukunftsbetrachtung (Recherche lohnt sich!) und Vertriebs- sowie Marketingstrategie (nicht nur Werbung, sondern Image-Bildung).

Der Kapitalbedarfsplan

Ihr Konzept steht – nun geht es darum, wie viel Kapital Sie für die Umsetzung brauchen. Listen Sie alle Posten auf, die bei der Gründung Geld kosten werden. Vergessen Sie nicht, dass Sie und Ihre Familie auch von etwas leben müssen. Simone Janson bietet in ihrem Buch eine hilfreiche Übersicht.

Der Liquiditätsplan

Die Finanzierung des Unternehmens ist das eine, doch die dauerhafte Liquidität das andere. Sie müssen gewährleisten, dass Ihre Firma stets flüssig ist. Das Schreiben einer Rechnung bedeutet noch nicht, dass sie auch bezahlt wird. Für das erste Jahr sollten sie den Liquiditätsplan am besten monatlich erstellen.

Ertragsvorschau

Schließlich sollten Sie eine Übersicht darüber gewinnen, ob ihr Unternehmen dauerhaft tragbar ist. Das gefällt auch potenziellen Geldgebern. Eine Rentabilitätsvorschau, auch Ertragsvorschau genannt, ist Zentral für den Erfolg Ihrer Existenzgründung.

Nicht stur sein

Ein Businessplan hilft Ihnen als Orientierung. Aber eine Planung bedeutet nicht, ein für allemal darauf festgelegt zu sein. Es ist völlig normal, anfängliche Ideen zu verändern.

Jetzt hat er sein Studium beendet und will mit Freunden sein Produkt auf den Markt bringen. Das funktioniert soweit sehr gut; nur finanziell noch nicht.

Zwar hat Evation im Juni das Exist-Förderstipendium erhalten, das Gründerteams für ein Jahr über die Hochschulen mit bis zu 100.000 Euro unterstützt. Für Hannes und sein Team reicht es grade um sich über Wasser zu halten. Alleine einen Prototypen zu entwickeln verschlinge Unmengen an Geld, sagt Biechele. Eine eigene Anschlussfinanzierung steht nun ganz oben auf der Agenda.

Wie Sie an Geld kommen

Staatliche Förderprogramme

Seitens des Bundes, der Länder und der EU werden Existenzgründern zahlreiche Fördermöglichkeiten geboten. Dabei gehören die Kreditprogramme der KfW Mittelstandsbanken zu den wichtigsten. Dazu zählen das KfW-Startgeld, das Unternehmerkapital sowie der Unternehmerkredit.

Banken

In der Regel sind Banken der erste Ansprechpartner, wenn es um das Startkapital geht. Im Gegensatz zu staatlichen Förderprogrammen handelt es sich aber um Fremdkapital, dass Sie mit Zinsen zurückzahlen müssen. Üblicherweise müssen Sie ein Geschäftsfoto eröffnen müssen, das teurer ist. Gesetzlich ist aber nichts vorgeschrieben. Bitten Sie also Ihre Bank, ob ein gewöhnliches Girokonto reicht.

Leasing

Wenn Sie investieren wollen, aber kein Eigenkapital besitzen und kein Fremdkapital aufnehmen wollen, können sie das Investitionsgut leasen. Das geht entweder beim Hersteller des Gutes selbst oder über ein Finanzinstitut. Leasingverträge haben große Ähnlichkeit mit Mietverträgen. Ihr größter Vorteil ist, dass Sie die Summe nicht auf einmal berappen müssen. Das Risiko besteht in der Insolvenz Ihres Unternehmens, dann nämlich können Sie das Gut nicht einfach verkaufen.

Venture-Capital-Gesellschaften

Venture-Capital-Gesellschaften vergeben Kapital, ohne Sicherheiten zu verlangen. Im Gegenzug erwerben sie aber Beteiligungen an Ihrem Unternehmen und erwarten erhebliche Wertsteigerungen. Dafür vermitteln Venture-Capital-Gesellschaften aber auch wichtige Kontakte.

Private Investoren

Wer lieber auf private Investoren setzt, sollte sie in seinem nahen Umfeld suchen. Günstiger als ein Bankkredit ist das allemal, allerdings handelt es sich hierbei eher um kleinere Summen. Achtung bei Geldgebern aus der Familie: Hier schaut das Finanzamt in der Regel ganz genau hin.

Es ist fast eine Revolution, die Hannes mit seiner Firma Evation da plant. Große internationale Konzerne wie Bosch oder Panasonic bieten schon längst ihre Produkte an. Doch vor der Konkurrenz scheut sich Evation nicht, denn eigentlich sei sie gar keine. „Bosch und Evation produzieren beide Antriebssysteme, bedienen aber ein anderes Klientel.“ sagt Marketing- und Verkaufschef Marcus Schlüter. „Wenn wir unser neues Produkt anbieten, wird das ein lauter Knall auf dem Markt sein.“

Kommentare (2)

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hedgehog

27.09.2012, 10:13 Uhr


Ein im Rahmen eingelassener Motor ist doch nichts Neues. Als Cancellara Anfang 2010 die Berge hochmarschierte und alle Gegner deutlich nach einem Antritt hinter sich lies, wurde die Diskussion angeheizt und Fahrräder mit derartigen Motoren auf Foren vorgestellt.

Marcoviac

27.09.2012, 17:16 Uhr

Entrepreneure mit Chuzpe sind immer wieder erfrischend und sympathisch! Nebenbei sorgen sie dafür, daß das Machtgefüge gehörig durcheinandergebracht wird und sich die alten Säcke nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen können. Bestenfalls sind sie noch Vorbilder für jüngere Generationen, denen sie zeigen 'Das es geht!', das verkrustete (Macht-)System recht leicht zu desavouieren!

Auch der hier im HB nicht mehr genannte Kim Dotcom gehört m.E. dazu. Vor allem wenn 'demokratisch' Mittel angewandt werden, die jenseits eines Rechtsstaats liegen:
http://www.zeit.de/digital/internet/2012-09/schmitz-dotcom-untersuchung

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