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21.06.2012

09:27 Uhr

Existenzgründung

Forderungsausfälle vermeiden – mit System

VonMichael Bretz

Kann er? Oder kann er nicht? Diese Frage sollte sich jeder Gründer stellen, wenn er erste Aufträge annimmt und über die Zahlungsfähigkeit seines Kunden nachdenkt. Denn bleiben Gelder aus, sind die Folgen fatal.

Neugründer sind auf pünktliche Zahlungen angewiesen, weil sie das Geld zur Vorfinanzierung weiterer Aufträge brauchen. dpa

Neugründer sind auf pünktliche Zahlungen angewiesen, weil sie das Geld zur Vorfinanzierung weiterer Aufträge brauchen.

NeussJeder Unternehmensgründer sollte, wenn er von einem Kunden erste Aufträge annimmt, über dessen Zahlungsfähigkeit nachdenken. Und das gilt nicht etwa nur für neue Kunden. Vielmehr sollte ein Unternehmer auch später seine Stammkunden regelmäßig unter die Lupe nehmen. Denn bleiben Gelder aus, sind die Folgen fatal.

Verliert ein Unternehmen bei einer Umsatzrendite von fünf Prozent eine Forderung von 5.000 Euro, muss es schon 100.000 Euro mehr Umsatz machen, nur um diesen Verlust auszugleichen. Das sind Gelder, die gerade Neugründern bei der Vorfinanzierung weiterer Aufträge oder für die Begleichung eigener Zahlungsverpflichtungen fehlen. Darüber hinaus droht ein Dominoeffekt: Zahlt ein Kunde nicht, sinkt der Gewinn und die Zahlungsfähigkeit wird vermindert. Folgen der verminderten Liquidität können der Verzicht auf Lieferantenskonto, ein schlechteres Bankrating verbunden mit einer eingeschränkten Kreditfähigkeit bis hin zur Existenzgefährdung durch Insolvenz sein.

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Manche ausländische Schuldner lassen sich mit dem Begleichen der Rechnungen immer mehr Zeit. Wer Forderungen versichert und Factoring-Gesellschaften einschaltet, erspart sich manche Zitterpartie.

Die beste Möglichkeit, Zahlungsausfälle zu vermeiden, besteht in einer Mischung aus Vorsorge und straffem Forderungsmanagement. Dabei ist es definitiv nicht ausreichend, sich erst dann mit einem möglichen Forderungsausfall zu beschäftigen, wenn die Leistung bereits erbracht wurde oder – schlimmer noch – wenn Forderungen bereits überfällig sind.

Daher ist das unternehmensinterne Forderungsmanagement nicht zuletzt auch eine Frage des richtigen Timings. Obwohl sich hier schon einiges verbessert hat, setzt das Forderungsmanagement im Mittelstand immer noch erst zu einem relativ späten Zeitpunkt ein. Es gibt hier aber auch Unterschiede hinsichtlich Unternehmensgröße und -alter.

Sind Sie gut versichert?

Die Krankenversicherung

Dies ist die wichtigste Sozialversicherung. Seit dem 1.4.2007 müssen sich auch Selbstständige krankenversichern. Wer eigentlich Mitglied einer gesetzlichen KV sein müsste und erwischt wird, muss rückwirkend bis zum April 2007 bzw. bis zum Beginn seiner Versicherungspflicht die Beiträge nachzahlen. Sie können als Selbstständiger jederzeit von der gesetzlichen in die private KV wechseln, nur die Rückkehr ist schwierig. In jedem Fall müssen sie dafür junger als 55 Jahre sein.

Die Pflegeversicherung

Außerdem müssen Selbstständige eine Pflegeversicherung abschließen – in der Regel dort, wo sie auch ihre KV abgeschlossen haben. Auch wer privat krankenversichert ist, braucht eine Pflegeversicherung. Der Beitrag liegt bei knapp zwei Prozent vom maßgeblichen Einkommen. Dazu kommen 0,25 Prozent für Kinderlose.

Die Künstlersozialversicherung

Selbstständige, die hauptberuflich eine künstlerische oder publizistische Tätigkeit erwerbsmäßig betreiben, dabei mehr als 3.900 Euro im Jahr verdienen und nicht als Arbeitnehmer beschäftigt sind, sind über die Künstlersozialkasse (KSK) versicherungspflichtig. In der Regel melden Sie sich bei der Aufnahme ihrer Tätigkeit selbst bei der KSK und kommen dann einen Fragenkatalog.

Die gesetzliche Rentenversicherung

Abgesehen von denen, die in der KSK versichert sind, müssen alle Selbstständigen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Sie können sich aber freiwillig versichern. Für die meisten Selbstständigen ist die Deutsche Rentenversicherung (DRV) zuständig. Sie müssen sich von sich aus dort melden.

Die gesetzliche Arbeitslosenversicherung

Diese Versicherung ist für Selbstständige freiwillig. Im Gegenteil müssen Sie sogar bestimmte Bedingungen erfüllen, um versichert zu bleiben, wie zum Beispiel ein Jahr Pflichtbeiträge eingezahlt zu haben. Kündigen können Sie dann aber erst, wenn Sie ihre Selbstständigkeit beenden oder nach mindestens fünf Jahren.

Die gesetzliche Unfallversicherung

Die gesetzliche Unfallversicherung wird durch die derzeit 26 Berufsgenossenschaften getragen. Wenn Sie als Selbstständiger Arbeitnehmer beschäftigen, sind diese immer in der zuständigen Berufsgenossenschaft zu versichern. Die Beträge leisten Sie allein. Die Gewerbeämter schicken den Genossenschaften Ihre Gewerbeanmeldung zu, so dass man sich bei Ihnen meldet.

Scheinselbstständigkeit

Auch wenn Sie sich beim Finanzamt als Selbstständiger gemeldet haben, kann es sein, dass Sie für die Sozialversicherung ein Arbeitnehmer sind: Nämlich dann, wenn Ihnen Ihr Auftraggeber vorschreibt, wann und wo Sie Ihre Arbeit zu machen haben und vor allem dann, wenn Sie in die Arbeitsorganisation fest eingebunden sind.

Je jünger und je kleiner das Unternehmen ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Debitorenrisiko unprofessionell gemanagt wird. Oft mangelt es an ganz einfachen kaufmännischen Grundlagen. Leistungen werden zu spät in Rechnung gestellt, gemahnt wird nur unregelmäßig und übervorsichtig.

Sehr oft haben die Vertriebsmitarbeiter oder der Unternehmer selbst Angst, einen Kunden zu verlieren, wenn sie zu sehr auf pünktlicher Zahlung bestehen. Doch wer seine Kunden beliefert, obwohl die vorherige Rechnung überfällig ist, erhöht das Risiko eines Totalausfalls.

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