Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.01.2012

11:03 Uhr

Export in Schwellenländer

Möbelhersteller flüchten aus den Eurokrisenländern

VonChristoph Kapalschinski

Die deutschen Möbelhersteller konnten ihren Exportanteil zuletzt deutlich steigern. Auf der Kölner Möbelmesse suchen die Hersteller nun nach weiteren Chancen, um ihre Produkte in noch mehr Ländern absetzen zu können.

Eine Frau liegt auf der Möbelmesse in Köln auf einem Sofa eines Anbieters. dpa

Eine Frau liegt auf der Möbelmesse in Köln auf einem Sofa eines Anbieters.

KölnKlare Linien, glänzende Oberflächen, seltene Materialien - die Möbel, die die deutschen Hersteller seit gestern auf der Internationalen Möbelmesse IMM in Köln ausstellen, zeigen weltmännisches Design. Und das nicht von ungefähr: Die Möbelhersteller drängen verstärkt in Auslandsmärkte. In den ersten neun Monaten 2011 ist der Export bereits um 11,1 Prozent gewachsen. Dabei beginnt die Branche gerade erst, die Wachstumsländer zu bearbeiten. Allein der Export nach China wuchs 2011 um gut 57 Prozent und liegt nun deutlich über 200 Millionen Euro.

Ein Beispiel bietet der Markenhersteller Interlübke. "Wir stellen unseren Export auf eine breitere Basis", sagt Exportleiter Detlef Mika. Für ihn heißt das: unabhängiger werden von den Euro-Krisenländern. Während der Messe will er einen zweiten Vertriebspartner für den vielversprechenden brasilianischen Markt aussuchen, auf dem Interlübke erst seit kurzem aktiv ist. Zudem ziehe der asiatische Markt wieder an. Im November verbuchte Interlübke zwei Großaufträge aus Korea im Objektgeschäft. In China gibt es die Möbel aus Rheda-Wiedenbrück bereits in Peking und Schanghai, über einen Partner folgen 2012 weitere Läden.

Zuletzt kam etwa jeder dritte Euro des Umsatzes des Traditionsunternehmens aus dem Export. 2010 setzte Interlübke etwa 33 Millionen Euro um, 2011 verzeichnete der Hersteller deutliches Wachstum.

Abnehmer deutscher Möbel

Steigende Exporte

Deutsche Möbel sind im Ausland beliebt. Die meisten Nationen in den Top Ten haben von Januar bis Oktober 2011 sogar noch mehr als im Vorjahrszeitraum eingekauft. Die Zahlen hat der Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) erhoben.

Platz 10

Auf Platz zehn kommen die USA. Über den großen Teich wurden von Januar bis Oktober 2011 deutsche Möbel im Wert von 224 Millionen Euro exportiert. Das sind 3,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Platz 9

Polen hat in den ersten zehn Monaten 2011 Möbel im Wert von 242 Millionen Euro importiert (plus 20,1 Prozent) - Rang neun.

Platz 8

Spanische Kunden haben deutsche Möbel im Wert von 259 Millionen Euro gekauft. Das sind 10,4 Prozent mehr als von Januar bis Oktober 2010.

Platz 7

Der achte Rang geht an die Italiener, die in den ersten zehn Monaten 2011 für deutsche Möbel 260 Millionen Euro ausgegeben haben. Das Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum beträgt 14,4 Prozent.

Platz 6

In den ersten zehn Monaten 2011 gingen Möbel im Wert von 421 Millionen Euro nach Belgien, 5,1 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Platz 5

Auch die Briten interessieren sich für deutsche Möbel, denn sie haben von Januar bis Oktober 2011 Waren im Wert von 430 Millionen Euro importiert. Im Vergleich zu den ersten zehn Monaten 2010 sind das drei Prozent mehr.

Platz 4

Unsere Nachbarn aus den Niederlanden haben bis Oktober im vergangenen Jahr Möbel aus deutscher Produktion für 666 Millionen Euro gekauft. 2010 waren es noch 0,4 Prozent mehr.

Platz 3

Nach Österreich gingen Möbel im Wert von 774 Millionen Euro. Im Vergleich zu den ersten zehn Monaten 2010 sind das sechs Prozent mehr.

Platz 2

Auch die Eidgenossen erfreuen sich an deutschen Möbeln. Die Schweizer kauften bis Oktober Waren im Wert von 835 Millionen Euro (plus 16,4 Prozent).

Platz 1

Unangefochten an der Spitze liegen aber die Franzosen. Sie haben von Januar bis Oktober 2011 deutsche Möbel im Wert von 1,165 Milliarden Euro importiert. Der Zuwachs zum vergleichbaren Zeitraum im Vorjahr beträgt 13,3 Prozent.

"In Deutschland können die Hersteller fast nur über Verdrängung wachsen. Deshalb ist es für viele attraktiv, ins Ausland zu gehen", sagt Elmar Duffner, Präsident des Möbelverbands VDM und Vorstandschef des Küchenherstellers Alno. Der russische Markt sei etwa im ersten Halbjahr 2011 um 48 Prozent gewachsen. "Das schafft die russische Möbelindustrie allein gar nicht", erklärt Duffner. Allerdings bräuchten Exporteure die geeigneten Produkte und einen professionellen Vertrieb. Schließlich seien viele Auslandsmärkte schwieriger strukturiert als Deutschland mit seinen starken Einkaufsverbünden des Handels.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×