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08.08.2013

13:58 Uhr

Fachkräftemangel

Mittelstand lässt Milliardenumsätze liegen

Zwei Drittel der deutschen Mittelständler müssen Umsatzeinbüßen einstecken, weil es nicht genug Fachkräfte gibt. Die Umfrage offenbart wachsende Zuversicht für die Zukunft, aber auch momentan deutliche Schwächetendenzen.

Der Mittelstand muss sich derzeit gegen allerlei Widrigkeiten durchsetzen. dpa

Der Mittelstand muss sich derzeit gegen allerlei Widrigkeiten durchsetzen.

BerlinDer wachsende Fachkräftemangel kostet den deutschen Mittelstand einer Studie zufolge jährlich Einnahmeausfälle in Milliardenhöhe. „Fast zwei Drittel der befragten Mittelständler - nämlich 64 Prozent - geben an, dass sie durch den Fachkräftemangel künftig Umsatzeinbußen zu verkraften haben”, sagte der Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, Peter Englisch, am Donnerstag bei der Vorstellung des von seinem Unternehmen erstellten Mittelstandsbarometers. Hochgerechnet dürfte der jährliche Umsatzausfall bei 33 Milliarden Euro liegen. Etwa eine Million zusätzlicher Fachkräfte könnten die Firmen derzeit unterbringen.

Aus der Umfrage unter 700 Mittelstandsfirmen ergab sich nach seinen Worten zudem eine erhebliche Investitionszurückhaltung, die auch mit der Bundestagswahl im September zusammenhängt. „Die Unternehmer sind in der Tat verunsichert, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt”, sagte Englisch. Das betreffe vor allem die Steuerpolitik. „Viele sagen, ich warte erst einmal ab, was rauskommt, dann habe ich eine planbare Perspektive für die nächsten Jahr”.

Die Ernst & Young-Umfrage ergab insgesamt ein gemischtes Bild im Mittelstand: wachsende Zuversicht für die Zukunft, aber deutliche Schwächetendenzen, was die momentane Lage betrifft. Bei der Lagebeurteilung „haben sich die Zahlen deutlich verschlechtert”, sagte Englisch. Nur noch 36 Prozent der Befragten seien rundum zufrieden - der schwächste Wert seit dem Krisensommer 2009. Zugleich verdoppelte sich der Teil derer, die ihre wirtschaftliche Situation als „schlecht” oder „eher schlecht” bewerteten gegenüber dem Vorjahr auf 16 Prozent.

Anders sieht es bei den Aussichten für die kommenden sechs Monate aus. 40 Prozent - nach 34 Prozent im Januar - rechnen mit einer Verbesserung, nur sieben Prozent nach zehn Prozent vor einem halben Jahr mit einer Verschlechterung. Diese Zuversicht spiegelt sich auch in den Umsatzerwartungen wieder und bei den Personalplänen. Bei den drängenden Probleme „hat die europäische Schuldenkrise etwas ihren Schrecken verloren”, wie Englisch sagte. Als die drei größten Risiken gelten derzeit die Energie- und die Rohstoffpreise sowie die Finanzstabilität.

Von

rtr

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

08.08.2013, 15:01 Uhr

Und warum stellen die Mittelständler nicht ein? Es gibt genug Fachkräfte - die wollen nur ordentlich bezahlt werden.

Nachfrage/Angebot regelt den Lohn, das haben wir bei sinkenden Löhnenständig gehört.

Und solange es noch Beschäftigte bei Sklavenhändlern gibt, kann von Fachkräftemangel nicht gesprochen werden.

Und, wer in den letzten Jahren ausgebildet hat, hat eh keine Probleme. Wer nicht, war eben zu dumm und sollte vom Markt verschwinden - Marktwirtschaft: der Stärkere gewinnt.

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08.08.2013, 15:06 Uhr

Es ermüdet doch ziemlich seit ca. 10 Jahren immer wieder die selbe müde Lobby-Leier vom Fachkräftemangel hören zu müssen, angesichts einer Arbeitslosigkeit von REALEN 7-9 Mio (7 Mio Agentur-Leistungsempfänger). Der "Fachkräftemangel" läßt sich leicht beheben, indem qualifizierte Kräfte in das Spezialgebiet eingearbeitet werden bzw. ihnen Zeit gegeben wird, sich selbs einzuarbeiten (das ist natürlich mit einer Erwartungshaltung von "Hire und Fire" nicht zu machen) UND INDEM DIE LÖHNE entsprechend ERHÖHT werden, daß diese Bereiche, wo Kräfte fehlen auch attraktiv für qualifizierte Leute werden - 1 Euro-Jobs für Hochschulabsolventen sind es jedenfalls nicht. Aber bei den Firmen herrscht mittlerweile auch eine Wegwerf-Mentalität was das Personal angeht und dann jammern sie, wenn sie im Bedarfsfall nicht schnell einen EXAKT passenden Ersatz für wenig Geld finden und heulen lieber über Fachkräftemangel (möglicherweise gibt es den sogar in Bereichen, wo die Firmen es nicht für nötig empfunden haben, Nachwuchs auszubilden).

ES GIBT KEINEN MANGEL BEIM RICHTIGEN PREIS (LOHN) IN EINEM F R E I E N MARKT! (außer natürlich temporär)

Im übrigen dürfte sich wohl niemand den Illusionen hingegeben, daß ein ausreichend (dh. gleichwertig) qualifizierter "Inder" so blöd wäre, zu den Bedingungen in Deutschland sein Land zu verlassen, um hierzulande für vielleicht einen ähnlichen nominalen Lohn zu arbeiten wie zu Hause. Dieser Lohn ist hierzulande sicherlich genug um zu überleben, in Indien kann man dafür aber im Palast wohnen mit eigenem Personal.

Das sollten die Verantwortlichen aber auch von früher her wissen (wir erinnern uns an die "Kinder statt Inder"-Diskussion vor ca. 10 Jahren und den Flop des Ganzen, daß am Ende die Inder gar keine Interesse hatten nach Deutschland zu strömen). Warum es hier nur geht ist weitere Lohndrückerei - nach dem 1 Euro-Fischzug und Hartz4-Aufstocken im Niedriglohnbereich jetzt halt das Gleiche im Hochqualifizierten Bereich.

Am 22 September ist Wahl.

Account gelöscht!

08.08.2013, 15:09 Uhr

@Fredi

schöne Kurzzusammenfassung meiner (auch zeitlich) nachfolgenden langatmigen Streitschrift :o)
Wie konnten Sie dessen Inhalt erahnen?

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